Virtuos: Pianist Alexander Schimpf mit Gastdirigent Joseph Bousso.
Mit der vor musikalischer Fröhlichkeit geradezu überschäumenden Ouvertüre „Le carnaval romain“ eröffnete Gastdirigent Joseph Bousso den Abend, eine Champagner-Musik mit immer wieder überraschenden Klangfarben und spritziger Virtuosität. Das war die passende Einleitung von Frédéric Chopins Klavierkonzert f-Moll, das seiner Drucklegung wegen zwar als zweites Klavierkonzert firmiert, der Entstehung nach aber das erste ist. Sehr markant und kraftvoll hat Chopin den Einsatz des Soloklaviers gestaltet – und ebenso scharf profiliert setzte Schimpf seine pianistische Kunst ein. Sein Part bietet eine Fülle von hochvirtuosen Aufgaben, die der Pianist mit Bravour meisterte: mit brillantem Glanz in den Läufen, perfekter Treffsicherheit in weiten Sprüngen, fein abgestuft in den dynamischen Nuancen. Lyrische Tiefe und Poesie verlangt der langsame Satz, ein Larghetto in der Art eines Nocturnes: Hier kommt der Pianist sozusagen auf Samtpfötchen daher, darf zärtlich-sanfte Melodien singen lassen und hat obendrein die Möglichkeit, in dramatischen Episoden wirkungsvolle Kontraste zu setzen. Ein Feuerwerk an Virtuosität ließ Schimpf im Finale abbrennen. Es hatte rhythmische Spannung, tänzerischen Schwung und ansteckendes Temperament.
Bousso war mit dem Orchester ein sehr aufmerksamer Partner des Pianisten, folgte ihm vorausschauend bei Temporaffungen und -dehnungen und sorgte für klangliche Ausgewogenheit. Die Begeisterung der Zuhörer entlud sich in prasselndem Applaus. Zum Dank spielt Schimpf Chopins h-Moll-Prélude als Zugabe.
Ein ungewöhnlich emotionales Werk setzte den Schlusspunkt dieses Abends: Rachmaninows erste Symphonie, in der der 22-jährige Komponist 1895 seine leidvollen Erfahrungen unglücklicher Liebe in Musik veredelt hat. Sehr ausladend sind die Dimensionen dieses Werkes, sowohl formal als auch klanglich. Dem zeigte sich Dirigent Joseph Bousso nicht völlig gewachsen: Hier und da hätte es einer raffenden Hand bedurft, einer weiter vorausschauenden Planung, die sich nicht in Einzelheiten verliert. So trat die Musik bisweilen auf der Stelle, etwa im etwas zu wenig animierten zweiten Satz, war auch hier und da von kleinen Unaufmerksamkeiten der Instrumentalisten beeinträchtig, beispielsweise der Violinen im ersten Satz. Doch der mächtige Strom der Gefühle konnte letztendlich seine Wirkung nicht verfehlen: Nach dem klangprächtigen Schluss mit Tamtam und entfesseltem Blechbläser-Sound gab es ein minutenlanges Beifalls-Finale, in dem auch die zahlreichen engagierten Orchestersolisten des GSO mit viel Applaus bedacht wurden.
Von Michael Schäfer