Professionell und dennoch Punk: „Abwärts“ mit Bandgründer Frank Ziegler an der Gitarre und Martin Kessler am Schlagzeug.
Die seltsame Publikumsmischung vor der Musabühne will nicht so recht in Wallung kommen, während „Paddy’s Funeral“ ihren irisch angehauchten Folkpunk über die Rampe brettern. Die Irokesenträger gehen noch mal raus auf Kippe und Bier, in Ehren ergraute Post-Punks in Kutte kippen ihr Bierchen im Saal und ein paar Ärzte-Fans warten eigentlich nur auf deren Bassisten Rodrigo González, der seit 2004 bei „Abwärts“ die Sologitarre bedient. Da hilft die Flasche Bourbon, die großzügig ans Publikum ausgeschenkt wird, auch nur begrenzt als Partybeschleuniger. Die fünf Jungs machen ihre Sache ordentlich und haben vor allem Spaß dabei.
Das kann man von „Abwärts“ nicht behaupten: Routiniert spulen die Musiker um Frontmann und Gründer Frank Ziegert ihr Programm herunter. Spaß haben sie anscheinend nur untereinander und die einzige Interaktion mit ihrem Publikum besteht darin, es, genau wie die Vorband, nach allen Regeln der Kunst durchzubeleidigen. Dabei liegen die Männer rein spielerisch ganz weit vorne. Nichts da mit Drei-Akkorde-Punk-Geschrammel. Keine Spur von Improvisation: die Stücke sind arrangiert, die Show, das Licht gestylt, und kaum etwas wird dem Zufall überlassen. Die Gitarren-Doppelspitze Ziegert/González greift dorthin wo es wehtut. Ziegerts Gibson-Nachbau sieht nicht nur aus wie die Klampfe von Angus Young (AC/DC), sondern klingt auch so, und González’ giftige Riffs schneiden effektgeladen durch den massiven Teppich, den Schlagzeuger Martin Kessler und Bassist Björn Werra auslegen. Aber kann das alles gewesen sein für eine „Punk-Legende“?
Textlich bekennen sich „Abwärts“, wer hätte das gedacht, natürlich zum Antikapitalismus mit all seinen Reizwörtern. Dazwischen lässt sich die Band ihren Bühnenschnaps zum Bier von einer Blondine mit Häschenohren servieren. Ein Optimist, der dabei an Zynismus denkt. Überhaupt wird viel gesoffen an diesem Abend, auch vor der Bühne. Der Handvoll pogender „Breitmänner“, die sich augenscheinlich immer noch im Berlin der frühen 80er befinden, ist es anscheinend auch völlig egal, dass die Band den ganzen Abend über sie ätzt. („Am Schlagzeug: Dog Kessler, aber das wisst ihr ja morgen eh’ nicht mehr“). Aber merke: Jeder bekommt die Fans die er verdient.
Von Christoph Mischke