Erfreut Menschen genauso wie Hunde: Helge Schneider, 54-jähriger Musikclown, bei seinem Auftritt in der Stadthalle.
Schneider, amtierender Göttinger Elch, lässt, so ist zu vermuten, andere Humoristen vor Neid erblassen. Was würden sie geben, ebenso souverän die Bühne der Stadthalle zu entern, die Zuschauer schon vor dem Auftritt im Sack zu haben, wie Pippi Langstrumpf einfach das zu tun, was einem gefällt? Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins.
Der 54-Jährige schreitet nicht, er watschelt auf die Bühne. Der darf das, Narrenfreiheit. Und er darf sich auch am in Liliputaner-Höhe festgezogenen Mikrofon als Peter Maffay vorstellen – so einfach funktioniert ein Eröffnungsgag. Die Fans prusten, und jene wenigen Zuschauer, die sich vorsichtshalber Skepsis auferlegt haben, brüllen vor lachen. Es folgen Gürtelrosi und japanischer Holztee, der allerdings aus Gründen des Preises aus Laminat ist, bevor sich der begnadete Musiker Schneider ans Klafünf setzt, das ein Klavier ist. Noch keine fünf Minuten sind um, und der Saal stößt innerlich auf die gute Idee an, eine Eintrittskarte gekauft zu haben.
Hätte sich der Publikumsliebling fortan einfach vor sein Auditorium gesetzt und vor sich hin gefaselt, die Zuschauer wären nicht weniger zufrieden gewesen. Und als das Ende des Auftritts absehbar ist, macht er das auch. Vor der Halbzeit gibt er sich demgegenüber sichtlich Mühe, die Eintrittsgelder durch so etwas wie ein Programm zu rechtfertigen. „Stand-Up-Comedy“ heißt so etwas auf neudeutsch. Das ist witzig, aber nicht gerade epochal. Ein Zwiegespräch zwischen Angela Merkel und dem Kanzlerinnengatten („Du sollst mich nicht immer Bärenhase nennen“) kann Schneiders Spezialgebieten – spontane, alberne Wortscharaden mit Tiefgang und virtuoser Jazz – nicht das Wasser reichen. Witze erzählen sollen andere wie Mario Barth, doch selbst der muss mehr für den einfachen Lacher tun. Helge Schneider reicht ein entwaffnendes Grinsen, ein schiefer Blick, ein kurzer Sidekick.
Nach der Pause steht die Musik und damit die hochkarätig besetzte Band um die Schlagzeuglegende Pete York im Mittelpunkt. Schneider wirbelt auf dem Xylophon, auf dem Saxophon, auf der Gitarre. Droht die Sache zu ernst zu werden, haut er absichtlich daneben, verheddert sich in den Saiten. Das Leben kann so schön sein, wenn man Schneider heißt, und nicht einmal alles zeigen muss, was man kann. Denn die Leute finden einen ja vor allem lustig. Nur einmal packt es ihn: Ein kurzer Fingerzeig an die Band und dann ein fantastisches „Summertime“ auf der spanischen Gitarre.
Gegen Ende der Show, die mittlerweile eine Session ist, dürfen Schneiders Hunde mit auf die Bühne. Eine Probe vor 1200 Zuschauern. Beide, Hunde wie Zuschauer, fressen dem Maestro, diesem Charlie Chaplin der Gegenwart, aus der Hand. Die einen allerdings nur im übertragenen Sinn.
Von Eduard Warda
Kommentare
Helge Schneider in Göttingen Johnny – 09.03.10
"Die einen hassen ihn, die anderen mögen ihn nicht." wäre wohl ein passenderer Einleitungssatz gewesen, wobei der Autor wohl zu letzteren gehört.Ist ja am Ende alles Geschmacksache, beim Vergleich mit oder auch nur Verweis auf "Mario Barth" hört der Spaß allerdings auf. Und was versteht der Autor überhaupt unter "Sidekick"? Damit ist nicht "Seitenhieb" gemeint, sondern "Assistent" bzw. "Handlanger" - beim Englischen besteht wohl noch Nachholbedarf.
Kurzum: man muss nicht unbedingt einen Fan zum Konzert schicken, der eine wohlwollende Rezension schreibt, aber es hätte doch schon jemand sein können, der sich im Metier zumindest etwas auskennt. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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