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Uraufführung im Jungen Theater

Einsame Wölfe und die Angst vor Spießigkeit

Die Emanzipation nimmt ihren Lauf. Babyblues und postnatale Depressionen erwischen auch das starke Geschlecht. Das Musical „Wir müssen reden – Wenn Männer unter Ohrwurm leiden“ zeigte jetzt bei der Uraufführung im ausverkauften Jungen Theater (JT) Göttingen das ganze Dilemma, ein Mann zu sein.

Männer eben: Dirk Böther, Ulf Nolte, Dave Wilcox und Thomas Hof erinnern sich an früher.

© Eulig
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Eigentlich läuft gerade nichts richtig gut. Für keinen. Nur hatte am Abend niemand mit der Sprache herausgerückt. Im Morgengrauen sieht die ganz Welt anders aus – nüchterner und schonungsloser. Mit dem Boot wollten Dirk (Böther), Thomas (Hof), Dave (Wilcox) und Ulf (Nolte) vor zehn Jahren bei „Jugend trainiert für Olympia gewinnen. Geklappt hat das nicht – wie so vieles in ihrem Leben, das stellen sie am Morgen nach ihrem Wiedersehen fest.

Ein Schneesturm hält die vier Freunde länger zusammen, als ihnen zunächst lieb ist. In der chaotischen Sin­gle­wohnung von Dirk (er bietet in Trainingsanzug und zerlumpten Hüttenschuhen einen fabelhaften Anblick des Jammers) treffen sich die Männer. Dirk lebt von Frau und Kindern (die dann doch nicht seine waren) getrennt. Für den ehrgeizigen Thomas läuft es im Job nicht so rund, ausgerechnet eine Frau macht ihm die Stelle streitig. Dave kann es seiner Frau nie recht machen, obwohl er ihr, wo er nur kann, den Rücken frei hält.

Eigentlich wollen sie ein ganz normales Familienleben, Frau, Kinder, guten Job, nur soll sich das Ganze bitte nicht spießig anfühlen. Man müsste dabei auch ein bisschen einsamer Wolf bleiben können.

Ein Gute-Laune-Stück, bei dem trotzdem eine gehörige Portion Bitterkeit mitschwingt. Und man fühlt sich zwischendurch immer ein wenig ertappt.

Aber wie das bei Männern häufiger der Fall ist, ganz viel möchten sie dann lieber doch nicht reden. Sie überlassen nach der Hälfte des Theaterabends der Musik komplett die Bühne und singen Lieder über die Liebe und das Leben. Klassische Ohrwürmer wie „It’s raining Man“ von den Weather Girls oder „Sweet dreams“ von den Eurythmics, die man eigentlich gar nicht mehr hören mag, sind so gut interpretiert, dass sie doch wieder Spaß machen.

Das Musical bleibt aber nicht allein auf dem 80er-Jahre-Hit-Niveau. Auch harte (neuere) Kost von Rammstein „Mann gegen Mann“ oder „I’m a stay at home dad“ von Jon Lajoie werden hervorragend gecovert. Die Musikauswahl von Regisseur Andreas Döring und seiner „Männergruppe“ ist immer wieder für Überraschungen gut, vor allem die Stücke von Rainald Grebe wie „Massenkompatibel“ (rührend interpretiert von Ulf Nolte), „Familie Gold“ oder „Gib mir mal den Rettich rüber“ provozieren das Publikum immer wieder zu Szenenapplaus. Am Schluss gibt es nach langem Beifall schließlich noch eine Zugabe. Massenkompatibel ist das Stück in jedem Fall. Hingehen!

Weitere Vorstellungen: 9., 16., 20 und 26. Februar um 20 Uhr im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6. Kartentelefon: 05    51   /   49    50    15.

Von Eida Koheil


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