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Händel-Festspiele

Ergreifende Gefühle ohne Schnörkel

Schwer zu sagen, welchem Oratorium Händels die Krone gebührt. „Messiah“ ist sicher das populärste Stück, auf das wohl „Israel in Egypt“ folgen dürfte. Aber „Jephtha“, die letzte vollendete Komposition Händels, gehört auf jeden Fall in die Spitzengruppe. Was Abgeklärtheit und Reife angeht, könnte man dieses Werk getrost an die Spitze stellen. Am Montag war das Oratorium als Gastspiel aus Halle in der Göttinger Stadthalle zu erleben.

Brillant: Händel-Festspielorchester Halle und Salzburger Bachchor mit den Solisten Paul Agnew, Chen Reiss, Ulrike Schneider, Franco Fagioli und Wolf Matthias Friedrich (von links), geleitet von Bernhard Forck (Mitte).

© EL
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Göttingen. Das renommierte Händelfestspiel-Orchester leistet außerhalb der Festspielzeit seinen Dienst im dortigen Opernhaus auf modernen Instrumenten. Der Umstieg von der einen auf die andere Spielweise ist nicht eben einfach: Um so größer ist das Kompliment, das man diesen Instrumentalisten machen muss. Sie spielen stilsicher, vielleicht eine Spur weniger geschmeidig und flexibel als das Festspielorchester Göttingen, aber das sind graduelle, nicht prinzipielle Unterschiede. Dirigent Bernhard Forck hat hier sehr gute Arbeit geleistet.

Mit dem Salzburger Bachchor – hier mit sieben Sopranen, je sechs Alt- und Tenorstimmen sowie sieben Bässen besetzt – hatte dieses Oratorium eine perfekte vokale Basis. Die jungen Stimmen besitzen Schmelz und Frische, sie singen wunderschön transparent, homogen und auch in raschen Koloraturen immer gestochen scharf und zuverlässig.

Die Geschichte aus dem Alten Testament der Bibel um den Feldherrn Jephtha und seine Tochter Iphis, die durch seinen Schwur dem Tod geweiht scheint, ist ergreifend. Händel hat die Emotionen, die sie auslöst, den Arien der Solisten eingeschrieben. Und diese Emotionen sind überzeitlich, keinesfalls dem barocken Zeitgeist verpflichtet. Der reife Händel schreibt schnörkellos, er zeigt die Gefühle so, wie sie sind. „Whatever is, is right“ singt der Chor am Ende des zweiten Aktes: Das ist nicht nur ein berührendes Bekenntnis des alternden Komponisten, sondern gilt auch für seine Musik.

Hochkarätig waren die Solisten­, die sich diesen Emotionen mit Inbrunst widmeten. Hell und wunderbar geschmeidig ist der höhenfreudige Sopran von Chen Reiss (Iphis), souverän, wenn auch hier und da etwas angestrengt der Tenor Paul Agnew in der Titelrolle. Eine beeindruckende, stets klug gesteuerte Klangfülle, die bruchlos bis in hohe Lagen reichte, bot die Mezzosopranistin Ulrike Schneider als Storgè. Staunenswert virtuos, allerdings manchmal etwa fest ist der Altus Franco Fagioli (Hamor), dem auch die Sopranlage nicht fremd ist.

Das tiefe Register war durch den Bassisten Wolf Matthias Friedrich (Zebul) vertreten, der zwar eher zu scharfen als zu weich grundierten Tönen neigt, aber viel vokale Virtuosität mitbringt, die er auch in etlichen Göttinger Produktionen gezeigt hat. Ergänzt wurde das Ensemble durch Marie Friederike Schöder, die mit ihrem hellen Sopran die Rolle des rettenden Engels übernommen hatte. Schon während des Oratoriums hatte es immer wieder spontanen Applaus gegeben, am Schluss feierten die Zuhörer die Musiker lautstark und ausdauernd.

Von MIchael Schäfer


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