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Orchester-Vereinigung Göttingen

Extravagantes Programm beim Semesterkonzert

Schon immer ist die Akademische Orchester-Vereinigung Göttingen (AOV) für extravagante Programme bekannt gewesen. Im aktuellen Semesterkonzert unter seinem Dirigenten Lorenz Nordmeyer hat das Orchester dies bestätigt. Mit Musik von Anatol Ljadow, einer Uraufführung des norwegischen Komponisten Martin Romberg und Edward Elgars „Enigma“-Varationen bot die AOV in der Aula der Universität einen Abend, der mit Farben und Gefühlen nicht geizte.

Redet durchs Instrument: Saxophonist Ola Asdahl Rokkones.

© PH
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Zwei atmosphärisch ausgesprochen dichte Werke des russischen Spätromantikers Ljadow eröffneten das Konzert. Den „Verzauberten See“ sieht der Hörer förmlich vor sich liegen, spiegelnd glatt die Wasseroberfläche, hier und da von einem sanften Windhauch gekräuselt. Um so feine musikalische Bilder zu entwerfen, bedarf es größter Disziplin der Instrumentalisten: Die zeigten die Liebhabermusiker der AOV eindrucksvoll, mit einer Präzision, als seien sie Profis. Und auch die – von Berufsmusikern wohl noch etwas wilder dargestellte – „Baba Jaga“, das zweite Werk Ljadows, geriet vorzüglich. Dabei sind die rhythmischen Finessen dieser Hexenmusik keine leichte Kost.

Nicht minder farbig ging es weiter. Mit „The Tale of Taliesin“ hat Martin Romberg (Jahrgang 1978) einen Fantasy-Film ohne Bilder, nur mit musikalischen Mitteln geschaffen: Wunderbar plastisch spielt sich die Geschichte in Tönen ab. Irgendwie muss auch Romberg etwas von der Zauberkraft, die in der keltischen Sage steckt, mitbekommen haben. Viel zur Wirkung hat der Solist des Abends beigetragen: Ola Asdahl Rokkones ist ein fantastischer Saxofonist.

Macht der Gefühle

Er redet durch sein Instrument zum Hörer, ohne zu sprechen, allein mit musikalischen Mitteln, aber mit derselben Überzeugungskraft und der Macht der Gefühle, wie es ein Schauspieler auf der Bühne vermag. Selten erlebt man, dass eine Uraufführung ein Publikum derart aus dem Häuschen bringt.

Mit nicht nachlassender Konzentration und Präzision spielte das Orchester, von Lorenz Nordmeyer inspirierend und beflügelnd geleitet, das Finale, die „Enigma“-Variationen von Elgar mit ihrem geradezu imperialen Gestus. Diese Bravourleistung war zwei Zugaben wert. Im begeisterten Beifall für den Dirigenten waren sich Publikum und Orchester einig.

Von Michael Schäfer


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