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Werner Schneyder im Deutschen Theater

Geistreicher und wortgewaltiger Spötter

Werner Schneyder ist zurück. Nach zwölf Jahren Pause zieht es den Kabarett-Rentner wieder auf die Bühne, mit einem Programm, das er anlässlich der Ruhrfestspiele geschrieben hat. „Ich bin konservativ“ stellte sich aber als zu schade für nur einen Abend heraus. Jetzt gehen Schneyder und Christoph Pauli, sein Begleiter am Flügel immer mal wieder auf die Bühne – zuletzt am Sonnabend vor ausverkauftem Haus im Göttinger Deutschen Theater.

Tausendsassa mit zwölf Leben: Werner Schneyder.

© Heller
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Der 73-Jährige Schneyder ist ein Tausendsassa: Tätigkeiten als Dramaturg, Sänger, Regisseur, Schriftsteller, Lyriker, Sportjournalist und Box-Kommentator gehören zu „seinen zwölf Leben“, über die er auch ein Buch geschrieben hat. Aber der Kabarettist ist seit seiner Zeit bei „Scheibenwischer“ mit Dieter Hildebrandt eines der intensivsten dieser Leben.
Dass er alles davon versteht, den Beruf im Blut hat, müsste er nicht mehr beweisen, aber er tut es immer wieder aufs Neue. Sein Programm lebt von Klassikern. Politik ist im ersten Teil des Abends sein großes Thema. Dabei ist das Who-is-who der Politiker nicht sein Ding. Schneyder befasst sich mehr mit dem Grundsätzlichen, den Parteien. Obwohl auch er um Westerwelle („Lügen muss sich wieder lohnen“) nicht herum kommt. Ökonomie und Wirtschaftskriminalität sind weitere Stichworte, ohne die ein Abend mit Werner Schneyder nicht auskommt.

Tagesaktuell reagiert der Österreicher auf den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche, registriert, dass auch in Göttingen immer mehr Katholiken aus der Kirche austreten. Er sei sich der Dringlichkeit des Themas bewusst, deshalb habe er am Freitag, einen Tag bevor der Papst seinen Hirtenbrief verlesen hat, noch den Text für ein neues Lied geschrieben. („Lasset uns frohlocken … man darf die kleinen Süßen nicht aufs Schwänzchen küssen…“). Eine Erklärung für die Vergehen liefert Schneyder auch: Bei den kriminellen Bischöfen und Priestern „sitzt über dem Hirn ein Kondom“. Obwohl Schneyder den Text vom Zettel abliest und Pauli in Windeseile eine Melodie dazu komponiert hat, erntet dieser Part des Abends den größten Applaus, und mit Beifall hatte das Publikum bisher ohnehin nicht gespart.

Ablesen muss Schneyder zwischendurch immer wieder mal. Denn zuweilen will ihm die nächste Textzeile einfach nicht wieder einfallen. Er hat sich ein dickes schwarzes Buch mit seinen Texten auf den Flügel gelegt. Zu dem geht er und blättert, bis er die passende Stelle gefunden hat. Zum Schluss entschuldigt der Kärntner sich für die zwei bis drei Aussteiger, er habe das Programm zuletzt vor drei Monaten aufgeführt.

Das Publikum hätte ihm auch zehn Aussetzer verziehen. Denn ein Rätsel ist es allemal, wie Schneyder in der Lage ist, seine dichten, geistreichen und wortgewaltigen Texte im Kopf zu behalten – ganz ohne Teleprompter wie in der Comedy-Branche („den Müllmachern, die sich für jeden Quotenscheiß prostituieren“) üblich. Und ganz am Schluss verrät Schneyder noch, worüber er selbst gern lacht: am liebsten über Jacques Tati.

Von Eida Koheil


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