Viel Engagement: Petri-Chor Weende in St. Michael.
Zelenkas Requiem ist eine Entdeckung wert: eine stellenweise überraschend kühne Musik, geprägt von herber Chromatik, die mit scharfen dynamischen Kontrasten aufhorchen lässt. Immerhin reichten die musikalischen Fähigkeiten der Mitwirkenden so weit, davon einen Eindruck zu vermitteln – manches allerdings lag jenseits ihrer Möglichkeiten. So ist der Chor im Sopran stark genug besetzt, die Mittelstimmen aber haben bisweilen nur etwas unscharfe Konturen. Und gewiss hätte auch hier und da ein strafferes Tempo der Lebendigkeit der Aufführung genützt, doch das wäre wohl zu waghalsig gewesen.
Eingeleitet wurde der Abend in der St.-Michael-Kirche mit Bachs Kantate „Ich hab in Gottes Herz und Sinn“. Auch hier lagen die Anforderungen des anspruchsvollen Werkes etwas höher als die Möglichkeiten der Ausführenden, die sich nach Kräften bemühten, der Musik gerecht zu werden.
Im Solistenquartett hatte Sopranistin Gundula Bernhold (mit kleinen Rauigkeiten) den schönsten Stimmglanz. Ina Ißleib steuerte einen zuverlässigen Solo-Alt bei, beim Tenor Florian Brauer möchte man sich manchmal noch etwas mehr Wärme und weniger Schärfe im Stimmklang wünschen. Die volltönende Basis lieferte Klaus Kahlen mit seinem beweglichen Bass.
Das Kammerorchester St. Petri bot eine solide instrumentale Grundlage mit schönen solistischen Leistungen. Ein trotz einiger Schwächen eindrucksvolles Konzert – doch sollte Norbert Bernholt seine Entdeckerfreuden künftig besser auf die Möglichkeiten seiner Musiker abstimmen.
Von Michael Schäfer
Kommentare
Herbe Kritik an eindrucksvollem Konzert M. Winkelbach – 18.03.10
Sicherlich kann der Petrichor nicht die musikalischen Leistungen abliefern wie die Göttinger Großchöre! Das liegt aber auch daran, dass im Weender Chor nicht das Leistungsdenken an erster Stelle steht sondern vor allem die Freude an der Musik. Dort können Menschen unterschiedlicher Fähigkeiten miteinander an ihren Aufgaben wachsen. Norbert Bernholt befindet sich dabei immer auf einer Gratwanderung zwischen Über- und Unterforderung einzelner Chormitglieder, versteht es aber, für den Chor in seiner Gesamtheit immer das richtige Maß zu finden. Letztendlich können dort Alle bei viel Spaß und Freude an der Musik auch ihre ganz persönliche Herausforderung und ihr persönliches Erfolgserlebnis haben. Das Gesamtergebnis mag für einige wenige Zuhörer nicht gut genug sein, aber die Meisten haben an dem außergewöhnlichen und mutigen Konzert ihre Freude gehabt und das auch zum Ausdruck gebracht! Auch wenn eine solch verletzende Kritik im Tageblatt ausgedruckt wird, lassen wir uns nicht entmutigen, denn wir wissen, wir sind gemeinsam auf dem richtigen Weg! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenChorkonzert, herbe Kritik, muss das sein?!? ich – 18.03.10
Wie langweilig wäre es wohl, wenn alle "Durchschnittschöre" nur langweilige Durchschnittsliteratur, die keiner mehr hören mag, aufführen würden, bloß weil Anderes, womöglich Spannenderes, nach Meinung von gewissen Leuten "nicht im Rahmen ihrer Möglichkeiten" liegt?Glücklicherweise erkennen die meisten Leute, die in solche Konzerte gehen, die harte Arbeit und das Engagement der Mitwirkenden an!
Es ist unverständlich – vor allem bei dem allgemeinen Gejammer, dass zu wenig Kultur geboten wird, weil Geld fehlt - dass Leute dafür bezahlt werden, dass sie solche Veranstaltungen, die auf Regionalebene mit viel Engagement für wenig oder kein Geld von Laienkünstlern auf die Beine gestellt werden, auf solch respektlose Art und Weise öffentlich herabwürdigen dürfen! Eigentlich sollte die hiesige Kulturlandschaft froh sein über Bereicherungen dieser Art! Wenn es nur Profi-Konzerte für gehobene Ansprüche geben dürfte, wäre die Musiklandschaft recht armselig!
Auch wenn er in vielen Dingen vielleicht nicht so ganz Unrecht hat: Herr Schäfer könnte den Bemühungen engagierter, musizierender Menschen gern ein wenig wohlwollender gegenübertreten und den Tonfall seiner Kritiken künftig besser auf die Möglichkeiten der zu beurteilenden Musiker abstimmen.
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Herbe Chromatik, scharfe Kontraste H.-G. Möller – 17.03.10
Die Äußerungen von M. Schäfer kann ich nicht als Kritik werten, da sich scheinbar hinter diesem Schreiben etwas Anderes verbirgt, als er hier ausdrücken will. Mir sind nur gute "Kritiken" mitgeteilt worden. Klar das Stück war nicht einfach, aber es war auch ein Laienchor, der sich daran gewagt hat und das ist schon ansich toll. Ich denke eher M. Schäfer ist irgendwie eifersüchtig, daß nicht einer seiner Lieblingschöre so ein Projekt angefaßt hat. N.Bernholt ist mutig und der Chor auch. M.Schäfer hat bestätigt, daß es ein eindrucksvolles Konzert war und er hat in seiner chromatischen "Kritik" eigene scharfe Kontraste von Müdigkeit bis Selbstüberschätzung aufgezeichnet.Lieber Herr Bernholt, machen Sie nur so weiter. Jeder Kritiker ist auch nur ein Mensch. Warum Herr Schäfer auf dieses eindrucksvolle Konzert so persönlich reagiert, weiß nur er allein und das ist auch gut so. Denken Sie an den Grundsatz: was Sie nicht umbringt macht Sie stärker! Weiter so! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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