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Gregory Seán Sheehan

Irischer Hochmoortorf mit grünen Pigmenten

Geronnene Flussläufe im Torf, verwischte Spuren, festgehaltene und freigelegte Dichte: Mit „arboreta cogitata et depinta“ – auf Deutsch etwa „Erdachte und gemalte Baumpflanzungen“ – ist im Künstlerhaus die Ausstellung von Gregory Seán Sheehan eröffnet worden. Der in Göttingen lebende, aus Irland stammende Künstler zeigt groß- und kleinformatige Bilder, oftmals Serielles von großer Prozessualität und Unebenmäßigkeit.

Viel und vor allem grün: „Objecta Arboria X, XI und XII“ von Gregory Seán Sheehan im Göttinger Künstlerhaus.

© Heller
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Auf den Leinwänden rannen einst Wasseradern durch Gräben in Schichten von Torf und Pigmenten. Stück um Stück wandelt sich das Bild, Pfad um Pfad verkehrt sich die Fließrichtung. Vorhänge, Wasserläufe, Satellitenaufnahmen, Waldiges mag man assoziieren.

Viel und vor allem Grün ist zu sehen, daneben Braun, ferner Gelb, Blau, Türkis – landschaftlich eingesetzt – und Weiß. Sheehan bringt das Material, das für ihn „Speicher der Erinnerung“ ist, auf, beruft mit dem aus Irland importierten organischen Sediment Heimat und eigene Kindheit.

15 Kilogramm Torf hat allein seine Schwester zur Vernissage eingeflogen. Schon als Vorschulkind „schleppte uns mein Vater aus Dublin hinaus“, so Sheehan. Sie wanderten, meist durch das Hochmoor, das jetzt noch so grundlegend Sheehans Schaffen prägt.

An diesem Material kommt man nicht vorbei, schaut man sich die Werke an. Die grafischen Verdichtungen, die Nähe zum reinen Lineament – hier liegt die Stärke der Arbeiten. Abseits der Analogien zu Wasserfällen, Landschaften, Sonnenuntergängen, Waldstücken, die man ignorieren können mag, bleibt der Torf, wenn auch in einer letzten Endes sehr „cleanen“ Verwendung als Struktur gebendes Malmittel. Organisches, mancherorten kulturelles Gedächtnis, gerinnt er zu etwas sehr Haptischem, das weit zurückführt.

Im Gegensatz zum Weißtorf, den man aus dem Blumenbeet kennt, verwendet Sheehan dunklen Torf. Der ist sehr alt und enthält wenig erkennbare Pflanzenreste. Ein Glimmern und Glitzern geht jedoch von ihm aus, denn hier haben sich neben den organischen Resten Mineralien sedimentiert.

Der Begriff des Gegensatz von Kultur – als etwas vom Menschen Gestaltetem – und Natur – als etwas von ihm erst einmal nicht Veränderten – löst sich auf, wenn man daran denkt, wie beides wahrgenommen, wie es konstruiert wird. Den Menschen getrennt von etwas wie Natur wahrzunehmen, ist auf diese Weise vielleicht ebenso abwegig, wie den Naturbegriff als etwas nicht Menschengemachtes anzusehen. Allein, es gibt den Gegensatz wohl nur als menschlich generierte Begrifflichkeit mit ihren Fortschreibungen. So bedarf es keiner Versöhnung von White Cube und Erdigem, ist beides eins.

Die Ausstellung ist bis zum 4. April dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr sowie an den Wochenenden von 11 bis 13 Uhr im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1, zu sehen.

Von Tina Lüers


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