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Musik verfemter Komponisten

Leo-Smit-Ensemble spielt im Alten Rathaus Göttingen

Im März vergangenen Jahres gastierten sie zum ersten Mal in Göttingen, nun sind sie am Holocaust-Gedenktag, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, abermals hierher gekommen: die Musiker des in Amsterdam beheimateten Leo-Smit-Ensembles.

Gastspiel zum Holocaust-Gedenktag: die Musiker Marcel Worms, Eleonore Pameijer und Stephan Huber (von links).

© Pförtner
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Sie haben sich zur Aufgabe gemacht, die Musik jüdischer Komponisten, die von den Nazis verfemt wurden, vor dem Vergessen zu bewahren. Vor allem niederländisch-jüdischen Komponisten widmen sie sich, die teils von den Nazis ermordet wurden, teils überlebt haben. Das Göttinger Bündnis „Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus – 27. Januar“ hatte das Ensemble eingeladen.

Mit Werken von Dirk Kattenburg eröffneten die Musiker den Abend im gut besuchten Alten Rathaus, einem Komponisten, der 1944 im Alter von 25 Jahren umgebracht wurde. Seine Musik zeigt – typisch für die späten 1930er Jahre – Jazz-Einflüsse, ist rhythmisch sehr lebendig und ausdrucksstark.

Deutlich schlichter im Ton, aber mit ihrem nach innen gewandten, unaufdringlichen Stil besonders bewegend sind die Lieder „Ich wandre durch Theresienstadt“ der 1903 geborenen tschechischen Schriftstellerin Ilse Weber, die 1944 in Auschwitz umkam. Diese Lieder haben inzwischen unter anderem durch Interpretationen der Sängerin Anne Sofie von Otter größere Popularität erlangt.

Besonders eindrucksvoll war die Vorstellung der 1932 entstandenen Cellosonate von Szymon Laks. Der polnisch-französische Komponist, der Auschwitz überlebte und 1983 in Paris starb, ist stilistisch etwa zwischen Ravel und Strawinsky angesiedelt.

Namensgeber des Ensembles ist der 1900 geborene, 1943 in Sobibor ermordete niederländische Pianist und Komponist Leo Smit. Die Wiederentdeckung der kurz vor seinem Tode komponierten Flötensonate im Jahr 1995 war für die Flötistin Eleonore Pameijer der Anlass, die Leo-Smit-Stiftung sowie dieses Ensemble zu gründen. Pameijer stellte den langsamen Satz dieser Sonate vor.

Komplettiert wurde das musikalische Programm durch vier jüdische Lieder von Szymon Laks und die Komposition „Yamlid“ des 1956 geborenen Jeff Hamburg, des Ehemanns der Flötistin, die den Verlust der Heimat zum Thema hat: ein kammermusikalisches Lied, in dem die Singstimme von Flöte, Violoncello und Klavier begleitet wird.

Die Musik wurde von den Ensemblemitgliedern – neben der Flötistin Eleonore Pameijer die Sopranistin Irene Maessen, der Cellist Stephan Huber und dem Pianisten Marcel Worms – sehr kultiviert und expressiv auf hohem musikalischen Niveau interpretiert. Ergänzend wurden Auszüge aus Lebenserinnerungen von Musikern vorgestellt, die nach Auschwitz deportiert worden waren, vorgetragen von den Göttinger Schauspielern Stefan Dehler und Christoph Huber („Stille Hunde“).

Musikalische Fertigkeiten konnten im Lager durchaus von Vorteil sein, denn die Mitglieder des Lagerorchesters, die den Auszug und die Rückkehr der arbeitenden Häftlinge mit Marschmusik zu untermalen hatten, waren etwas besser untergebracht als ihre Mithäftlinge und erhielten sogar Extra-Rationen. Die Berichte ließen das unvorstellbare Grauen erahnen, das den Alltag im Lager prägte, die Verkehrung menschlicher Werte, den verzweifelten Kampf ums Überleben.

Von Michael Schäfer


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