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„Josef und Maria“

Liebe zwischen Rolltreppen und Putzzeug

Damals vor rund 2000 Jahren war es ein Stall mit einer Futterkrippe, Ochs und Esel und all dem anderen weihnachtlichen Zubehör. Peter Turrini verortet sein Stück „Josef und Maria“ ähnlich unwirtlich, aber ungleich moderner: im Putz- und Sozialraum eines Kaufhauses. Den hat Bühnenbildner Martin Käser im Jungen Theater wunderbar ungemütlich eingerichtet, so dass sich die beiden Protagonisten, Agnes Grell als Gelegenheitsputzfrau Maria Račić aus Niš und Jan Reinartz als Wach-Aushilfe Josef Pretzer dort richtig wohlfühlen können.

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Die beiden wollen, besser: können ohnehin nicht zu Hause feiern. Und so kommen sie sich nach Ladenschluss langsam, aber sicher näher. Erzählen einander ihre Schicksale. Maria hat in ihrer Jugend in Algier viel Haut gezeigte, Josef war Statist in diversen Theatern, bis ihm Karl-Heinz Stroux in Düsseldorf die weitere Karriere verbaute, und hat sodann eine politischen Laufbahn im linken Lager begonnen. Sie führte freilich zu keinem Ziel.

Politische Wahrheiten

Turrini gelingt ein Kunststück. Mit den bisweilen arg krausen Dialogen unterhält er das Publikum köstlich und transportiert dabei dennoch unauffällig die eine oder andere politische Wahrheit (auch wenn sie heute inzwischen vielleicht unmodern und unbequem geworden ist).

Das Stück „Josef und Maria“, geschrieben 1980, ist jetzt bereits fast 30 Jahre alt. Regisseur Eberhard Köhler hat es deshalb mit jüngeren politischen Bezügen unaufdringlich aufgefrischt, mit Rückblenden in den Jugoslawien-Krieg und Einblicken in die heutige Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Im Kern geht es ohnehin um Überzeitliches: um die Annäherung zweier einsamer Menschen, um die Überwindung von Fremdheit, Scheu, Angst. Maria spült all dies mit dem Kaufhaus-Branntwein herunter, den die Geschäftsführung den Festangestellten (nicht etwa den Aushilfskräften) als Liebesgabe gespendet hat. Und Josef taut beim Tango auf. Aus dem steifen, mürrischen Polit-Nostalgiker wird unversehens ein elegant sich bewegender, gewinnend lächelnder Mann. Mit Wiegeschritt.

Agnes Giese spielt die eilige Putzkraft wie die fordernd Liebende gleichermaßen überzeugend, Jan Reinartz (der manchmal die Silben nicht allzusehr verschlucken sollte) ist ihr völlig ebenbürtig, anfangs wunderbar verklemmt und schüchtern, am Ende fast ein Draufgänger.

Fest der Liebe

Und so geschieht das weihnachtliche Wunder, ein Fest der Liebe zwischen Rolltreppen und Putzzeug auf einer frisch aus der Bettenabteilung herangeschafften Matratze. Owie hätte sicher sehr gelacht.

Bis 26. Dezember im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6. Termine in diesem Monat: 3., 5., 10., 13. und 24. November. Karten unter Telefon 05   51  /  49   50   11.

Von Michael Schäfer


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