Von solchen Genüssen boten der Cellist Julian Arp und sein Klavierpartner Caspar Frantz im Aulakonzert der Göttinger Kammermusik-Gesellschaft eine Menge: in den beiden Cellosonaten von Mendelssohn, die den Schwerpunkt des Programms bildeten.
Arp ist ein Spezialist für tonliche Eleganz, für schlanken, unaufdringlichen Klang und eine ganz selbstverständliche Virtuosität, die sich nirgends in den Vordergrund drängt. Damit passt er hervorragend zu seinem Klavierpartner Caspar Frantz, der sich tonlich sehr genau auf das Cello einstellt, es keinesfalls vollgriffig übertönt, auch wenn er in seinem Part durchaus virtuosen Prunk wirkungsvoll zur Schau stellen könnte. Mit bemerkenswert leichter Hand lässt er die Läufe glitzern, zeigt wunderschön differenzierte Anschlagskultur.
Das machte schon das Eröffnungsstück des Abends, die frühe C-Dur-Polonaise op. 3 von Chopin, zu einem besonderen Hörgenuss. Chopins augenzwinkernde Selbstkritik, dies sei „ausschließlich Blendwerk, für den Salon, für die Damen“ konnte man in dieser kultivierten Interpretation nicht nachvollziehen.
Ein besonderer Gipfelpunkt dieses außergewöhnlichen Abends aber war LeoŠ Janáčeks „Pohádka“ (Märchen) für Violoncello und Klavier, ein ganz bezauberndes Werk, so Konturen- und gestenreich im musikalischen Material, dass man beinahe handelnde Personen zu vernehmen meint. Hier sind überdies viele Farben und Klangnuancen zu erleben, die dem gewohnten klassisch-romantischen Repertoire fehlen.
Die Begeisterung der Zuhörer reichte bis hin zu trampelndem Applaus. Dafür bedankten sich Arp und Frantz mit zwei kontrastierend ruhigen Zugaben: dem langsamen Satz aus Bachs Gambensonate g-Moll und dem langsamen Satz aus Chopins später g-Moll-Cellosonate – womit sie den Bogen zurück zum Beginn schlugen.
Von Michael Schäfer