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Kultur Sunna Huygen gastiert im Göttinger Apex
Nachrichten Kultur Sunna Huygen gastiert im Göttinger Apex
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14:31 09.11.2018
Kabarettabend mit Sunna Nuygen. Quelle: Linhoff
Göttingen

Huygen ist gelernte Tischlerin. Auf  ihrer anschließenden traditionellen Wanderschaft trifft sie unter anderem auch auf „gesellschaftliche Auswüchse wie Rassismus, Sexismus, Lokalpolitik, Fußballweltmeisterschaften und Raststättenessen“. Die Erfahrung, dass „wütend sein auf der Bühne mehr Spaß macht als allein in der Küche und Humor eine gute Möglichkeit des Umgangs mit Wahnsinn ist“, bringt sie letztendlich zum Kabarett.

Live-Backen mit Hefekuchen ist zu Beginn die Devise, verbunden mit der Frage, ob Backen nicht auch Poesie sei? Nuygen taucht ein in ihre reichhaltige Gedankenwelt, jagt mit flinker, spitzer Zunge durch ihren unerschöpflichen, oft aktuellen Themen- und Fragenkatalog inklusive „Zynismusanfall“ und fordert das Publikum im gut gefüllten Apex zum aufmerksamen Zuhören. Es geht um die Möglichkeiten nach rechts, links und über den Teller hinaus zu blicken. Und wenn sie nicht mehr wisse, wo oben und unten sei, dann backe sie Schwarz-Weiss-Gebäck, so Huygen.

Abschaffung des allgemeinen Männerwahlrechts

Trump und die AFD, Heimatminister, die es vorher noch nicht gab, Raketen im Moor, Rechtspopulismus und Faschismus im Gedenken an 80 Jahre Reichspogromnacht, all diese Themen finden Platz in ihren Ausführungen. Sie fordert aus Gleichberechtigungsgründen die vorübergehende Abschaffung des allgemeinen Männerwahlrechts. Der Klimawandel sei nun auch in Europa angekommen, was zu der praktischen Tatsache führe, dass man nur noch Sommer- und Winterkleidung benötige. Annegret Kramp-Karrenbauer ist ein ums andere Mal ihr Ziel und sie stellt die Frage nach Fluchtursachen, um letztendlich festzustellen, das ihr Verhalten wie eine Fluchtursache sei.

Und wenn ihr das alles zu viel wird, geht sie schwimmen. Bei ihr auf dem Land mache allerdings sogar das Schwimmbad eine Mittagspause. Bäuchlings auf dem Tisch, mit Schwimmbrille und Badekappe „schwimmt sie immer den Kacheln nach“. Dabei landet sie in ihrer ganz eigenen Welt mit Hammerhaien und Krebsen und der Weg führt auf abenteuerliche Weise ins Ungewisse. Zurück in der Realität sind es noch lange 25 Meter, aber ihre Mitbewohnerin braucht das Auto.

Schlüsselfertige Bombenfabriken

Zwischendurch überfällt sie Zärtlichkeit. Es wird weiter gebacken, der Teig geflochten und einer Besucherin übergeben, da Nuygen bei einem Zwischenstopp in Hannover ihren Ofen am Bahnhof habe stehen lassen. Ehrlicher Kapitalismus sei ihr lieber als scheinheilige Christdemokraten, sie spricht über schlüsselfertige Bombenfabriken, für deren Existenz sich niemand verantwortlich fühlt. Als Britney und Angehörige der ANTIPA wird sie zu einem Live-Polittalk zum Thema Patriarchat geladen. Eine Gründerzeitvilla in der Südstadt ist ihre Einsamkeit und sie begibt sich erneut auf eine abenteuerliche Reise, diesmal auf dem Rücken einer kleinen kitschigen Putte, die ihre Reiseziele aus Nuygens Adressbuch wählt.

Zum Abschluss ihres inhaltsreichen Vortrags geht es noch mal poetisch um die Reichweite unseres Horizonts. Letztendlich „wird uns ein kleines Paket zugestellt, auf dem dann steht: Dein persönlicher Horizont, jede bekommt was sie verdient...“. Nuygen endet mit den Worten: „Wir jagend die Angst fort, die Angst vor den Menschen. Dazu brauchen wir nur Zärtlichkeit und Brot und Glück “. Applaus ohne Zynismus und Ironie!

Von Jörg Linnhoff

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