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Erfolgreicher Start für neuen Händel-Chef

Internationale Händel-Festspiele Erfolgreicher Start für neuen Händel-Chef

Das Oratorium ist eine Gattung, die Händel zwar nicht erfunden hat, der er aber in England zu einer bis dahin beispiellosen Popularität verhalf. „Esther“ ist Händels frühestes Oratorium – mit diesem Werk in der zweiten Fassung von 1732 eröffnete Laurence Cummings, neuer künstlerischer Leiter der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen, am Himmelfahrtsabend in der Stadthalle das Festival.

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Eindrucksvolle Stimme: die junge belgische Sopranistin Sophie Junker in der Rolle der israelitischen Frau.

Quelle: Heller

Göttingen. Mit diesem Konzert gab Cummings zugleich seine musikalische Visitenkarte ab. Im Vergleich zu seinem Amtsvorgänger Nicholas McGegan wirkt seine Körpersprache etwas ruhiger, gesetzter: Er dirigiert (nach barocker Praxis) vom Cembalo aus, seine Zeichensprache ist eher sparsam. Dabei sprüht er nicht unbedingt Funken, aber ist durchaus von innerem Feuer durchdrungen, mit dem er die Partitur zum Leben erweckt, ihr Spannung und vorwärtsstrebende Kraft verleiht.

Dafür standen ihm bestens vorbereitete Ensembles und Solisten zur Verfügung. Der Chor des Norddeutschen Rundfunks, seit vielen Jahren bewährter Partner der Händel-Festspiele, sang in der Einstudierung von Robert Blank mit großer Präzision, sehr homogenem Klang und einer Stimmkraft, die von wunderbar zurückgenommenem Pianissimo bis hin zu geradezu hymnischem Strahlen reicht.

Ein besonderer Glücksfall ist das Festspiel-Orchester Göttingen. Von McGegan im Jahre 2006 zusammengestellt aus Barock-Spezialisten der internationalen Szene, kennen und schätzen sich die Musiker, so dass harmonisches Zusammenspiel schon im vorhinein garantiert ist.

Damit kann ein Dirigent auf ein besonders zuverlässiges Instrument bauen, das mit historischer Aufführungspraxis ganz selbstverständlich vertraut ist und nicht erst auf Stiltreue eingeschworen werden muss. Einige solistische Glanzlichter der Instrumentalisten seien hervorgehoben, etwa das wunderschön zarte, intensive Violinspiel der Konzertmeisterin Elizabeth Blumenstock, das brillante Harfensolo von Giovanna Pessi oder die glänzenden Hornisten Erwin Wieringa und Miroslav Rovensky.

Die vokalen Glanzlichter stammten in erster Linie von der englischen Sopranistin Carolyn Sampson in der Titelrolle. Sie vereint in ihrer hellen, elastisch kraftvollen Stimme, die mühelos bis in höchste Lagen reicht, Weichheit und Strahlkraft, virtuose Geläufigkeit in Koloraturen und ausdrucksvolle Gestaltung. An Weichheit fehlte es der jungen belgischen Sopranistin Sophie Junker in der Rolle der israelitischen Frau noch ein wenig, doch ist die helle Klarheit ihrer Stimme und ihre Koloraturensicherheit höchst eindrucksvoll.

Mit dem norwegischen Sänger Njål Sparbo war die Rolle des Bösewichts Haman perfekt besetzt: Sein kraftvoller, kerniger, schön timbrierter Bass ist sehr beweglich, zudem ist Sparbos Kunst der Charakterzeichnung mit stimmlichen wie mit mimischen Mitteln hoch entwickelt.

Die beiden Countertenor-Partien waren mit Iestyn Davies (Ahasverus) und Daniel Taylor (Mordecai) besetzt. Der vielgerühmte Kanadier Taylor schien am Aufführungstag unter leichten Stimmproblemen zu leiden: Er setzte seine helle, weiche Stimme ungewöhnlich vorsichtig ein und hatte offenbar auch Sorge vor Rauigkeiten in tieferen Lagen. Davies hatte, was das angeht, keinerlei Schwierigkeiten und konnte auf weite Strecken mit seinem ausdrucksstarken Altus überzeugen.

Einzig die schier unendlichen raschen Koloraturen im finalen Alleluja ließen erkennen, wo die Grenzen seiner stimmlichen Fähigkeiten liegen.

Lange und ausdauernd klatschten die Zuhörer in der so gut wie ausverkauften Stadthalle Beifall: ein erfolgreicher Einstand für den neuen Händel-Chef.

Von Michael Schäfer

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Händel-Festspiele Göttingen

Die großen Gefühle Liebe und Eifersucht stehen im Zentrum der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen, die am Donnerstag, 17. Mai, um 19 Uhr mit dem Oratorium „Esther“ in der Stadthalle eröffnet werden. Erstmals steht dann der neue Künstlerische Leiter Lawrence Cummings am Dirigentenpult. 

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