Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Schneeschauer

Navigation:
Avi Avital in St. Albani Göttingen

Mann mit Mandoline Avi Avital in St. Albani Göttingen

Oft sind es charismatische Musikerpersönlichkeiten, die auch unscheinbare Musikinstrumente in den Fokus des Interesses rücken – man denke nur an die Stars der Blockflöte.

Voriger Artikel
Händel-Oratorium „Joseph and his Brethren“ in der Göttinger Stadthalle
Nächster Artikel
Händel-Festspiele: Großes Galakonzert in der Göttinger Stadthalle

Avi Avital.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Der israelische Echo-Preisträger Avi Avital spielt die Mandoline: In seinem Nachtkonzert am Freitag in der Albanikirche begeisterte er das Publikum mit einem Instrument, dem schon der unvergessene Dean Martin in seinem Song „The Man Who Plays The Mandolino“ ein kleines Stück Unsterblichkeit gesichert hat.

Zunächst hatte Avital gegen atmosphärische Störungen anzuspielen: Draußen rollten die fernen Donner eines Gewitters, von dem man nicht wusste, ob es nun gerade auf- oder abzieht.

Und auch die Nachzügler aus dem Oratorium in der benachbarten Stadthalle brachten Unruhe ins Kirchenschiff: Um ihnen den Konzertbesuch zu ermöglichen, hatte man den Beginn um eine Viertelstunde verschoben.

Zwei Sätze aus der Sonate Nr. 1 C-Dur BWV 1001 von Johann Sebastian Bach ermöglichten es dem Musiker wie den Zuhörern, auch mental anzukommen in der nächtlichen Kirche.

Dann ein Klanggewitter aus Rhythmusattacken und schmerzlich gebrochenen Akkorden: Ernest Blochs „Nigun“ aus „Baal-Shem“ bot Avital als vitales Feuerwerk.

Erstaunliche Palette an Klangnuancen

Ebenfalls hochvirtuos die Stücke „Improvised Poem“ von Yasuo Kuwahara und „Kedma“ aus Avitals eigener Feder: Eine enorme Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten tat sich kund in diesen Werken des 20. und 21. Jahrhunderts.

Ganz dem Klang der Mandoline gemäß präsentierte sich hingegen die Partita Nr. 3 C-Dur des Barockmeisters Filippo Sauli: Hier bestach Avital mit einer wunderbar atmenden Phrasierung und tänzerischen Linienführung.

Nur wenige der vorgestellten Werke wurden im Original für die Mandoline komponiert. Und so handelte es sich auch bei der großartigen „Chaconne“ aus Bachs Partita Nr. 2 d-Moll um eine Bearbeitung: Eine erstaunliche Palette an Klangnuancen hat Avital diesem für Violine geschriebenen Werk abgelauscht und es zum meditativen Höhepunkt des Konzerts gemacht.

Großer Applaus zuletzt im voll besetzten Kirchenschiff, und als Zugabe unter anderem der Händel-Evergreen „Lascia ch’io pianga“: Das Gewitter war weiter gezogen. Und der Mandoline ein kleines Stück Unsterblichkeit hinzugewonnen.

Von Matthias Körber

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Unvergesslich eingebrannt
Erstklassiger Ersatz: die englische Sopranistin Lucy Crowe mit dem Festspiel-Orchester.

Die Wendigkeit einer Festspielorganisation zeigt sich an ihrer Fähigkeit, auf unerwartete Pannen rasch und kompetent zu reagieren. War schon die späte Absage von Kirsten Blaise in der Oper „Siroe“ nicht eben leicht zu bewältigen – was dem Team hervorragend gelang –, so war sicherlich auch die Absage von Sandrine Piau für das Galakonzert am Sonnabend eine besondere Herausforderung.

mehr
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag