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Cembalistin Carole Cerasi spielt in der Aula der Universität Göttingen

Kirsche auf dem Sahnehäubchen Cembalistin Carole Cerasi spielt in der Aula der Universität Göttingen

Carole Cerasi ist eine gefragte Interpretin für Literatur von Cembalo und Hammerklavier. Zudem hat die in London lebende Musikerin Professuren an der Royal Academy of Music, der Guildhall School of Music und der Yehudi Menuhin School inne.

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Ausgewiesene Spezialistin barocker Tastenkultur: Carole Cerasi.

Quelle: Heller

Göttingen.. Eine ausgewiesene Spezialistin für barocke Tastenkultur also, die ein virtuoses und reizvolles Programm in der Aula der Universität gespielt hat, das fast nichts zu wünschen übrig ließ.

Die kompositorische Anlage der Prelude aus Händels Suite Nr. 1 B-Dur (HWV 434) ist von konzeptionellem Charakter: Barocke Kadenzen hat Händel hier mit fast ausschließlich schrittweise vorgetragenem Skalenmaterial gefüllt – hier bleibt also wenig Platz für affektiven Ausdruck, interpretatorische Präzision wird dabei in gleichem Maße wichtiger.

Leider waren in Cerasis Spiel zu diesem Zeitpunkt noch einige wenige Unsicherheiten und minimale Verzögerungen im Spielfluss auszumachen.

Von einem Cembalo nicht zu erwarten

Nicht von ungefähr blies sie sich vor Georg Philipp Telemanns Ouverture „La Lyra“ Es-Dur (TWV 55:Es3) noch mal kräftig in die wohl zu kalten Finger. Insbesondere in dessen Gigue fand sie dann in ihre zu erwartende Topform zurück.

Den von ihr präsentierten Umfang an Dynamik war von einem Cembalo nicht zu erwarten und strafte die Ansicht, Hammerklaviere wären vor allem aufgrund ihrer erweiterten Ausdrucksmöglichkeiten erfunden worden, Lügen.

Nun galt es nur noch, das Instrument zu ebensolchen Höchstleistungen zu befähigen: Cerasi ließ Friedemann Kahl, der das Cembalo vor erst zwei Monaten fertig gestellt hatte, einige Kinderkrankheiten ausmerzen, bevor sie ihr Programm mit der Suite h-Moll von Händels Lehrer Friedrich Zachow fortsetzte.

Auf das Glanzvollste

Die Frage, wie viele der zuvor gehörten kleinen Ungereimtheiten nun auf kalte Finger oder unreife Instrumente zurückzuführen waren, stellte sich spätestens hier nicht mehr.

Mit Feuereifer wirbelte Cerasi durch ein Programm, das mit wenigen Veränderungen auch schon auf dem Londoner Händel-Festival des vergangenen Jahres zu bestaunen war.

Richard Metzdorffs Bearbeitung von „Nie werd’ ich deine Huld verkennen“ aus Mozarts Entführung aus dem Serail verquickte die Tonsprachen zweier Komponisten und Epochen auf das Glanzvollste.

Cerasi setzte mit dem Rondo Alla Turca noch eine Kirsche auf das Sahnehäubchen – und machte damit deutlich, dass die Aussage des Serail-Finales natürlich auch auf sie zutrifft.

Von Jonas Rohde

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