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Händel-Oratorium „Joseph and his Brethren“ in der Göttinger Stadthalle

Mehrere Glücksfälle Händel-Oratorium „Joseph and his Brethren“ in der Göttinger Stadthalle

Traditionell ist fast durchweg die Operninszenierung der Höhepunkt der Internationalen Händel-Festspiele in Göttingen. Aber es gibt Aufführungen, die der Oper diesen Rang streitig machen können, jedenfalls mindestens gleichrangig sind – dazu gehört auf jeden Fall das Oratorium „Joseph and his Brethren“ (Joseph und seine Brüder) am Freitag in der voll besetzten Stadthalle.

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Vermittelt große musikalische Spannung: Dirigent Laurence Cummings, künstlerischer Leiter der Händel-Festspiele.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Mehrere Glücksfälle haben zu diesem Ereignis beigetragen. Der erste Glücksfall ist die Komposition selbst. Denn trotz seiner im Vergleich zu „Messiah“ oder „Israel in Egypt“ wesentlich geringeren Popularität ist dieses Oratorium ein Meisterwerk.

Die Figuren sind psychologisch fein durchgezeichnet, die Stimmungswerte in den Arien hochdifferenziert, die Chorsätze, klug verteilt auf die dramaturgischen Schaltstellen, besitzen Größe und Kraft.

Am Rande sei erwähnt, dass das Libretto von James Miller (1704-1744) erstaunlich zeitgemäße Gedanken enthält – etwa „Weil der Besitz uns übersättigt, sind wir tot, während wir noch leben“.

Glücksfall Nummer zwei: das Ensemble. Dirigent Laurence Cummings hatte den Chor des Norddeutschen Rundfunks für diese Aufführung gewonnen.

Perfekt aufeinander abgestimmt

Der war, bestens vorbereitet von Robert Blank, in Topform. Der Stimmklang war völlig homogen, rasche Koloraturen besaßen Präzision und Lockerheit zugleich, die Dynamik reichte von feinstem Pianissimo bis zu machtvollem Forte.

Dazu kam ein erstklassiges, perfekt aufeinander abgestimmtes Solistenensemble. Der Countertenor Tim Mead in der Titelpartie hat eine ausgesprochen edel timbrierte, wunderbar flexible Stimme.

Dazu passte hervorragend der weiche, leichte und dabei kernige Sopran von Elizabeth Watts (Asenath), der Händel mindestens in zwei Arien – „I feel a spreading flame“ und „The silver stream“ – die schönsten Koloraturen geschenkt hat, die man sich vorstellen kann.

Robert Sellier (Tenor) als Simeon und Judah sowie George Humphreys (Bass) als Pharao und Reuben waren auf demselben Qualitätsniveau angesiedelt, ebenso die mit einem erstaunlichen Potenzial in den tiefen Lagen versehene Altistin Hilary Summers (Potiphera, Phanor).

Große Präzision

Bewegend gestaltete der Knabensopran Michael Strik (Göttinger Knabenchor) seinen Part als Benjamin, der für seine Arien verdienten Sonderapplaus erhielt.

Die große musikalische Spannung zwischen schwereloser Leichtigkeit und machtvollem, erhabenem Ton, die Dirigent Laurence Cummings vermittelte, wurde vom Festspiel-Orchester Göttingen mit großer Präzision und Intensität aufgenommen und weitergetragen.

Die Beifallswogen nach dem abschließenden „Halleluja“ brandeten mächtig.

Von Michael Schäfer

NDR Kultur sendet eine Aufnahme dieses Konzerts am 30. Juni um 22.05 Uhr in der Sendereihe „Soirée“.
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Die Wendigkeit einer Festspielorganisation zeigt sich an ihrer Fähigkeit, auf unerwartete Pannen rasch und kompetent zu reagieren. War schon die späte Absage von Kirsten Blaise in der Oper „Siroe“ nicht eben leicht zu bewältigen – was dem Team hervorragend gelang –, so war sicherlich auch die Absage von Sandrine Piau für das Galakonzert am Sonnabend eine besondere Herausforderung.

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