Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
„Händel for Kids“: Familienfassung der Oper „Siroe“ in der Göttinger Stadthalle

Generationen verbinden „Händel for Kids“: Familienfassung der Oper „Siroe“ in der Göttinger Stadthalle

Ein Publikum aus Kennern zu überzeugen, ist schon eine Kunst. Aber Kinder für barocke Arien zu begeistern und ihnen eine Handlung näher zu bringen, die nicht unbedingt für junge Gemüter erdacht worden ist, bedarf schon eines besonderen Gespürs für Musikvermittlung.

Voriger Artikel
„Schmidt’s Katzen“ aus Hildesheim gastieren im Göttinger Nörgelbuff
Nächster Artikel
Händel-Oratorium „Joseph and his Brethren“ in der Göttinger Stadthalle
Quelle: Archivbild

Göttingen. Die Familienfassung von Siroe, die in der Stadthalle aufgeführt wurde, ließ dankenswerterweise erkennen, dass die kommende Hörergeneration ernstgenommen wird.

Damit der Funke überspringt, wurde kein Geringerer als Kinderkanal-Moderator Juri Tetzlaff engagiert. Und dem gebührt Respekt, dass er die verworrenen Handlungsstränge aus Liebe und Verrat gehörig geordnet und in einer Form präsentiert hat, die in einen familienfreundlichen Rahmen von 70 Minuten passt.

Die Solisten der Oper gaben sich erfrischend gelöst, aber konzentriert. Yosemeh Adjei beispielsweise stimmte auf Anraten Tetzlaffs zwei unterschiedlich hoch gesungene Versionen von „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ an.

Sein Countertenor ist sicherlich nichts, was Opernadepten aus dem Munde eines durchtrainierten Mannes erwarten würden; durch geschickte Eingriffe und Erklärungen glättete Tetzlaff die Wogen der Zeit, deren unterschiedliche ästhetische Ansprüche insbesondere für junge Hörer allzu häufig fremd und unnahbar bleiben.

Das der historischen Aufführungspraxis verschriebene Festspielorchester unter der Leitung Laurence Cummings erschließt sich auch nicht jedem jungen Ohr von selbst: „Das ist aber ein schmales Klavier“, war von einem Jungen vor dem Konzert zu hören.

Entschlackt und unprätentiös

Als hätten es die Veranstalter geahnt, ließ Tetzlaff Cummings sein Cembalo erklären – sogar auf deutsch. Es machte Spaß, mitanzusehen, wie Musiker und Moderator harmonierten. Alle Solisten genossen die Aufmerksamkeit und den Dialog mit ihrem jungen Publikum sichtlich.

Dieses wiederum musste in der Rolle des persischen Volkes, Heers oder sogar als Stadtwachen selbst kräftig mithelfen, damit die kindgerechte Inszenierung gelingen konnte.

Das Ergebnis war eine entschlackte, unprätentiös dargebotene Opernaufführung, die gerade durch ihre Selektivität überzeugte. Einen Interpretationsansatz der ausgesprochen interessanten Inszenierung Immo Karamans in das Konzept mit einzubinden, hätte den Rahmen gesprengt.

Fasziniert waren die überwiegend jungen Hörer in der vollen Stadthalle aber sowieso.

Von Jonas Rohde

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Unvergesslich eingebrannt
Erstklassiger Ersatz: die englische Sopranistin Lucy Crowe mit dem Festspiel-Orchester.

Die Wendigkeit einer Festspielorganisation zeigt sich an ihrer Fähigkeit, auf unerwartete Pannen rasch und kompetent zu reagieren. War schon die späte Absage von Kirsten Blaise in der Oper „Siroe“ nicht eben leicht zu bewältigen – was dem Team hervorragend gelang –, so war sicherlich auch die Absage von Sandrine Piau für das Galakonzert am Sonnabend eine besondere Herausforderung.

mehr
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag