Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° Schneeschauer

Navigation:
Händel in der Region: „Barokksolistene“ spielen in Sennickerode

Bier und Barock Händel in der Region: „Barokksolistene“ spielen in Sennickerode

Ein kräftiges „Prost“ und dann ging sie los, die Alehouse-Session in der rustikalen Scheune des Guts Sennickerode, ein Novum bei den diesjährigen Händel-Festspielen und eines, das sehr gut ankam bei den zahlreichen Festspielbesuchern. Nach Musik aus Händels Feder suchte man aber vergeblich.

Voriger Artikel
Händel-Galakonzert: Lucy Crowe ersetzt Sandrine Piau
Nächster Artikel
Bariton Samuel Hasselhorn überzeugt in der Burg Hardeg

Purcell statt Händel: Die fähigen Musiker von „Barokksolistene“ nehmen es nicht so genau.

Quelle: Pförtner

Sennickerode. „Isn’t that a Purcell festival?“ („Ist das nicht ein Purcell-Festival?“), rief dann auch schelmisch einer der Musiker des Ensembles „Barokksolistene“, das seit 2005 gemeinsam und in flexibler Besetzung musiziert.

Unter der Leitung des norwegischen Geigers Bjarte Eike bot das achtköpfige Ensemble ein abwechslungsreiches, spontan gestaltetes Programm mit viel Raum für Improvisationen sowie mit Werken Henry Purcells, des schottischen Geigers Niel Gow und einem der größten Nationalkomponisten Irlands, Turlough O’ Carolan.

Von ausgelassenem Irish Folk bis hin zu leisen Tönen wie bei „Lament for the death of his second wife“ von Gow – mit viel Gefühl und Hingabe von Eike dargeboten – war für jeden etwas dabei.

Der Pub als Zuflucht

In launiger Manier werden Geschichten erzählt, wie die über den blinden Harfenspieler O’ Carolan, es wird getanzt und gesungen, mit Perücken, mit Zahnlücken.

Und immer wieder legt Eike im liebenswerten Deutsch-Englisch-Mix mit norwegischem Akzent Wert auf geschichtliche Genauigkeit und beschreibt die Atmosphäre in London im 17. Jahrhundert, die das Ensemble mit seinem Humor und seiner Musik so erfolgreich heraufbeschwört.

Der Pub als Zuflucht vor einer traurigen und bedrohlichen Realität, maßgeblich geprägt durch den englischen Bürgerkrieg zwischen 1641-1660, war für viele „wie eine Heimat“.

So wird dann auch das Bier und der Whiskey ausführlichst gepriesen, und die Musiker bringen es auf die simple Gleichung: Je ärmer die Region, desto besser der Alkohol. Für keinen Schabernack – und sei er noch so plump – ist man sich zu schade.

Zur Krönung mit herausgestreckter Zunge

So gibt es einen Kanon mit Publikumsbeteiligung über seltsame Mittel gegen Zahnweh, zur Krönung singen alle noch gemeinsam mit herausgestreckter Zunge.

Der charismatische Bariton des Abends, Thomas Guthrie, gibt der Session zum Glück noch einen gesanglich erhebenderen Abschluss.

Barockmusik so nahbar wie man sie selten erlebt, denn die Kombination aus Können und humoriger Entspanntheit ist einfach bestechend. Kein Wunder also, dass die Musiker nicht so schnell davon kommen und noch einige Zugaben fällig werden.

Von Marie Varela

Voriger Artikel
Nächster Artikel
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag