Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Jüdische Nachtmusik in der Göttinger Synagoge

Musikalisch liberal Jüdische Nachtmusik in der Göttinger Synagoge

Vielfältig sind die Beziehungen zwischen Abend- und Morgenland. Ein Händel-Festival zum Thema „Orient“ sollte diese Beziehungen beleuchten, genussreich darüber informieren. Dementsprechend groß war das Interesse an der Jüdischen Nachtmusik, die am Sonntag zweimal in der kleinen Göttinger Synagoge an der Angerstraße angesetzt war.

Voriger Artikel
Händel-Festspiele: Trine Wilsberg Lund und Yosemeh Adjei
Nächster Artikel
Händel-Festspiele 2013: Letztes Konzert auf dem Rittergut Besenhausen
Quelle: Archivbild

Göttingen. Zu Gast war einer der renommiertesten Spezialisten der jüdischen Musik, Andor Izsák. Der aus Budapest stammende, in Hannover lehrende Musiker hat sich zeitlebens für die Wiederbelebung des Orgelspiels in der synagogalen Musik eingesetzt.

Damit ist er in orthodoxen jüdischen Kreisen auf wenig Gegenliebe gestoßen. Liberale Juden dagegen begrüßen die von ihm ausgelöste Renaissance der Musik von Kantoren des 19. Jahrhunderts wie Louis Lewandowski, Salomon Sulzer oder Samuel Naumburg.

Mit dem 3500 Jahre alten, zur Orgel gesungenen Gebet „Schma Israel“ eröffnete Iszák seinen Vortrag. Er verwies dabei auf die musikalischen Ähnlichkeiten, die zwischen den Melodien der jüdischen Gesänge und der christlichen Gregorianik bestehen.

Einzig themabezogene Erkenntnisgewinn

Das war auch der einzige themabezogene Erkenntnisgewinn dieses ansonsten sehr unterhaltsamen Abends.

Im weiteren Verlauf zeigte Izsák an Beispielen orgelspielend und singend auf, wie eng verwandt die Kompositionen jüdischer Kantoren des 19. Jahrhunderts mit der Musik ihrer Zeitgenossen sind, was wenig verwundert.

Ein Stück des Wiener Kantors Salomon Sulzer etwa lässt sich nahtlos in ein schubertsches Klavierstück überführen. Auch die Nähe des Pariser Kantors Samuel Naumburg zu Opernkomponisten wie Georges Bizet machte Izsák deutlich.

Musikalisch liberales Leben

Der eigentliche Ertrag des Abends aber war ein Einblick in das Verhältnis zwischen orthodoxem und liberalem Judentum. Es schien, als sei gegenseitige Toleranz größer, als erbittert ausgetragenen Auseinandersetzungen vermuten lassen.

Izsák belegte dies mit Geschichten aus seinem musikalisch liberalen Leben, etwa dem Schreck seiner Mutter, als sie ihn den Choral „Jesu, meine Freude“ spielen hörte, oder seiner Gewohnheit, jüdische Hochzeiten an der Orgel mit Musik von Mendelssohn und Wagner zu umrahmen.

Am Ende erzählte er eine Reihe einschlägiger Judenwitze. Das war geistreich und auch amüsant. Nur hatte es wenig mit einer Nachtmusik zu tun.

Von Michael Schäfer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Meisterhaft interpretiert
Zwei Stars der Barock-Musik: Trine Wilsberg Lund  und Yosemeh Adjei.

Er ist der gefeierte Titelheld der diesjährigen Händel-Operninszenierung im Deutschen Theater, sie eine gefragte Opern- und Oratoriensängerin und kurzfristig eingesprungen für die erkrankte Elizabeth Atherthon.

  • Kommentare
mehr
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag