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Konzert in der Göttinger Stadthalle: Anne Sofie von Otter

Königin ohne Kleid Konzert in der Göttinger Stadthalle: Anne Sofie von Otter

Wenn einer Künstlerin der legendäre Ruf Anne Sofie von Otters vorauseilt, mögen jene Zuschauer, die die nimmermüde Mezzosopranistin zum ersten Mal sehen dürfen, vielleicht das Betragen einer gestrengen Monarchin erwartet haben.

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Zwei Damen, eine Musik: Die reizvoll verschiedenen Stimmen von Rombo und von Otter schmiegten sich in ihren Duetten zart aneinander.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Weit gefehlt: Die Schwedin zeigte, dass statt Königin Silvia im besten Sinne viel eher Pipi Langstrumpf in ihr steckt. Ihr Konzert, das sei schon mal verraten, war dennoch königlich. 

Das Programm, das sie mit vokaler Unterstützung der ebenfalls schwedischen Sopranistin Eli Rombo darbot, hatte seinen eigenen Kopf: Den Namen Georg-Friedrich-Händels suchte man vergeblich, stattdessen konzentrierten sich die beiden Damen in Begleitung der Cappella Mediterranea auf die so spannende Zeit, als die Oper als Genre und Institution noch im Bestehen begriffen war.

Das bedeutete natürlich einen Schwerpunkt auf Claudio Monteverdi (1567-1643), aber auch vielleicht weniger bekannte Schlüsselfiguren der frühen Oper wie Francesco Cavalli (1602-1676), Francesco Provenzale (1624-1704) und Luigi Rossi (um 1598-1653) wurden vorgestellt.

Immer neue kreative Höchstleistungen

Monteverdis „Si dolce è ’l tormento“ ist eines der bekanntesten Stücke des Komponisten. Man könnte die simple und doch so affektreiche Komposition eigentlich schon als Hit bezeichnen – vor allem, weil sie wie heutige Popsongs eigentlich ursprünglich nur als Singstimme mit Akkordbegleitung notiert war.

Und genau hier kommt die Cappella Mediterranea unter der Leitung von Leonardo García Alarcón ins Spiel: Die Variabilität in der Besetzung und Ausführung, die sich in der Musik des 17. Jahrhunderts noch finden lässt, trieb die Musiker zu immer neuen kreativen Höchstleistungen.

Charakterisierend für ihren durchweg präzisen, perkussiven und schon als feurig zu bezeichnenden Ensembleklang waren die zwei Theorben genannten Basslauten.

Diese drohen natürlich in einem so großen Saal unterzugehen: Doch was an Lautsärke fehlte, wurde durch melodiöse Qualität wieder wett gemacht – man kann sein Publikum auch zum genauen Hinhören verführen. Genau das ist der gesamten Instrumentalformation gelungen.

Hohes Maß an Dramatik und Affektenreichtum

Von Otter verfolgte eine ähnliche Ästhetik: Über weite Teile des Abends lässt sie ihren ausgewogenen Mezzosopran in mittlerer Dynamik durch den Saal ziehen. Sie bevorzugte im Gegensatz zur ebenfalls bezaubernden Rombo ein etwas zurückgenommeneres Timbre.

Einer Sängerin mit ihrer Erfahrung gelingt es auch in leiseren Gefilden, ein ungeheuer hohes Maß an Dramatik und Affektenreichtum zu erzeugen. Monteverdis Duett „Pur ti miro“ (SV 308) aus „L’incoronazione di Poppea“ wurde dank von Otters und Rombos Talent zum Höhepunkt des offiziellen Programms.

Und inoffiziell gab es unter anderem Barbaras Göttingen-Hymne und Kate Bush als Zugabe – von Otter liebt das Experiment. Und jedes Mal aufs Neue gelingen ihr ihre Ausflüge in ferne Genres mühelos. Einen waschechten Händel  gab es dann sogar auch noch.

Von Jonas Rohde

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