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„Özlem Bulut Band“ in der Göttinger Musa

Händel heute „Özlem Bulut Band“ in der Göttinger Musa

„Dafür hätte mich mein Professor rausgeworfen“.  Die türkische Sängerin Özlem Bulut sagt, was ihr in den Kopf kommt. Immer ist das wahr, manchmal aber zu bescheiden: Bulut und ihre sechsköpfige Band haben ein Konzert in der Musa abgeliefert, das der gesamten Musikgeschichte von Barock bis Jazz eine Liebeserklärung ausgestellt hat.

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In Anatolien geboren, in Wien zuhause: Sängerin Özlem Bulut beherrscht die Musik beider Welten in Perfektion.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Das war ein wirkliches Cross-Over-Projekt: Nahtlos, musikalisch brillant und völlig natürlich verquickten die sieben Musiker Jazz, türkische Folklore und Barock. Das Ergebnis bescherte ihnen regelmäßigen Szenenapplaus und Standing Ovations.

Die Musa diente zwar zum ersten Mal als Veranstaltungsort für das Barockspektakel, war aber dennoch restlos ausverkauft. Ein Experiment, das geglückt ist, und eine Nachahmung in den kommenden Jahren eigentlich unausweichlich macht.

Buluts ethnische und musikalische Wurzeln liegen in Anatolien, ihr Gesang besitzt dementsprechend eine klagende, in Vierteltonbereichen fein schwingende Qualität. Aber: Sie ist ebenfalls eine unter anderem an der Wiener Volksoper ausgebildete Kolloratur-Sopranistin und singt Arien ebenso professionell wie Türkü, türkische Volksmusik.

In schimmernde Rhythmen gekleidet

Ihr Herz aber schlägt für den Jazz – nicht unbedingt als Genre, sondern als durchlässiges Feld unterschiedlichster musikalischer Einflüsse verstanden.

Dementsprechend facettenreich waren ihre Händel-Adaptionen: „Oh had I Jubal‘s lyre“ aus Joshua (HWV 64) präsentierte sie in schimmernde Rhythmen gekleidet, die Percussionist Habib Samandi und Schlagzeuger Jörg Mikula erzeugten. Wolfgang Köck am E-Bass wechselte zu diesem Anlass mühelos in eine kontrapunktischere Ästhetik.

„Ombra mai fu“ aus Xerxes (HWV 40) erinnerte dank Andrej Prozorovs virtuosem Sopransaxophon in positivster Weise sehr an Jazzgrößen wie Jan Garbarek. Für die Sarabande aus der Suite Nr. 4 d-Moll (HWV 437) hat das Ensemble sogar an der Taktart geschraubt.

Das getragene Walzergefühl ist bei der „Özlem Bulut Band“ einem ungeraden, additiven Rhythmus gewichen, wie er so typisch für viele orientalische Stile ist. Die daraus entstehende, treibende Kraft sorgte für einen von zahllosen Gänsehaut-Momenten. Hier haben sich versierte Musiker wirklich einmal Gedanken gemacht.

Carlos Sungurlian komplettierte die Freude

Das Gros der Titel des Abends stammte allerdings nicht von Händel, sondern aus der Feder des Pianisten Marco Annau. Seine Kompositionen enthalten natürlich keine barocken Einflüsse, sind aber ebenso schillernd wie die Händel-Bearbeitungen.

Harmonisch bedient er sich an Jazz, Bossa Nova und Fusion, lässt aber ebenso oft die Tonalität der arabischen Tonleiter durchscheinen. Carlos Sungurlian komplettierte diese Freude an der Veränderung mit seinem Oud-Spiel.

Der einzige Wehrmutstropfen des Abends: Wenn die türkischen Texte nur halb so hörenswert wie ihre Melodien waren, hat das Publikum so einiges verpasst.

Von Jonas Rohde

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