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Händel-Festspiele 2013 Soprane des Göttinger Knabenchors proben Partie des Benjamin
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00:18 29.04.2013
Lord bitte mit deutlichem d am Schluss: Laurence Cummings mit Michael Strik, Philipp Unger und Valentin Krause (von links). Quelle: Schäfer
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Göttingen

Michael ist Mitglied des Göttinger Knabenchors. Zwei weitere Choristen, der 12-jährige Valentin Krause und der 14-jährige Philipp Unger, sind ebenfalls bei dieser Probe im Gemeindesaal St. Jacobi dabei: Sollte Michael am Konzerttag nicht bei Stimme sein, braucht man Sänger auf der Ersatzbank. Besser zwei – sicher ist sicher.

Philipp war nach den Oster­ferien böse erkältet – nach dem Rückflug aus Südafrika, wo die musikalischen Knaben mit ihrem Chor in den Ferien auf Tournee waren. „Die Nächte waren ziemlich kurz“, erzählt Philipp. „Wir mussten frühmorgens aufstehen. Manchmal haben uns die Hunde schon um 5 Uhr geweckt, die Affen dann um 6.“ Aber jetzt ist alles überstanden.

Zu Beginn der Probe macht Sabine Birkenfeld, Stimmbildnerin des Göttinger Knabenchors, mit ihren drei Schützlingen ein paar Lockerungsübungen für die Stimme. „Signora“ singen sie, „Spaghetti“ und „Amore“, zuerst in tieferer Mittellage und allmählich immer höher. Am Ende sollen sie, so Birkenfeld, „ein hohes U von der Decke holen und ganz runterziehen“.

Nun hat sich die Stimme freigeschwommen, Michael, Valentin und Philipp sind bereit für Händels Arien, sie stehen in den sängerischen Startlöchern. Cummings, künstlerischer Leiter der Händel-Festspiele und Dirigent der „Joseph“-Aufführung am 17. Mai, schart die drei Jungens um sich herum am Cembalo. „Sing the first line“, bittet er und entschuldigt sich, dass er im Deutschen noch nicht so firm ist, um die Probe auf Deutsch leiten zu können.

„Well done, great“

Auf dem Plan steht die Arie „Thou deign’st to call thy servant son“ mit schwierigen Koloraturen am Ende. Erst singt Philipp, dann Valentin, am Schluss Michael. Alle drei sind gut vorbereitet. Cummings lobt: „Well done, great“ und feilt noch ein bisschen am Ausdruck. Die Anrufung Gottes „My gracious Lord“ und die flehentliche Bitte „Save my country“ im vorangegangenen Rezitativ können noch mehr Nachdruck und Intensität vertragen.

Auch auf die Aussprache legt Cummings viel Wert: Das D am Schluss von „Lord“ muss deutlich klingen. „Much more consonant! Ich höre immer nur Lor“, beschwert er sich. „It sounds a little bit as if you are in the supermarket“, beschreibt er den Klang. Bald hört man den Erfolg des Trainings.

Dann wendet sich Cummings den Vokalen zu. Einmal alles durchsingen, um die Stimme ganz ohne Konsonantenbremse frei laufen und strömen zu lassen „Freut euch dran, genießt es – das ist wie Surfen in Südafrika.“

Seit Dezember vergangenen Jahres arbeiten die drei Knabensopranisten an ihrem Programm, am 7. Februar war das Casting, seit Anfang April laufen die Proben. Ist das nicht ein bisschen viel? Valentin winkt ab: „Es lässt sich aushalten.“ Auch Michael stört das überhaupt nicht, er kann das „noch sehr gut“ ertragen.

Dass Cummings meistens Englisch spricht, ist für sie kein Problem. „Wir können ihn gut verstehen.“ Mit der Aussicht, dass nur einer von ihnen in der Aufführung singen wird, gehen sie ganz gelassen um. „Das Praktische daran ist, dass die anderen zuhören können“, sagt Valentin und freut sich auf die Freikarten, die sie für das Konzert bekommen.

Von Michael Schäfer

In der Aufführung am Freitag, 17. Mai, unter der Leitung von Laurence Cummings singt der NDR-Chor, einstudiert von Robert Blank.

Die weiteren Solopartien sind mit dem Countertenor Tim Mead (Joseph), Elizabeth Watts, Sopran (Asenath), Robert Sellier, Tenor (Simeon, Judah), Hilary Summers, Alt (Potiphera, Phanor) und George Humphreys, Bass (Pharao, Reuben) besetzt.

Es spielt das Festspielorchester Göttingen. Beginn ist um 19 Uhr.

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