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Ensemble „L’Arpeggiata“ in der Göttinger Stadthalle

Honigkuchenpferd und Wollmilchsau Ensemble „L’Arpeggiata“ in der Göttinger Stadthalle

Angenommen, nur mal angenommen, Henry Purcell hätte im 21. Jahrhundert gelebt – die Musik des Orpheus Britannicus würde vermutlich so klingen wie das, was Lautenistin Christina Pluhar und ihr Ensemble L’Arpeggiata im Rahmen der Händel-Festspiele in der Stadthalle abgeliefert haben.

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Mit Cembalo und Jazzpiano: Die elf Musiker von L′Arpeggiata spielen Purcells Musik so, wie sie noch nie zuvor erklungen ist. 

Quelle: Pförtner

Göttingen. Natürlich hinkt der Vergleich, gleichwohl sucht man schon nach den ersten Takten unweigerlich nach Worten, um das Gehörte beschreiben zu können. Zumal es den elf Musikern mit „Music for a While“ gelingt, ihren Klang nicht wie eine Rückbesinnung auf, sondern eine Weiterentwicklung der Barockmusik klingen zu lassen. Und das ist dann doch eine kleine Sensation.

Würde man das Pluhar sagen, sie würde vermutlich noch rot werden. Fast schüchtern kommt die international renommierte Expertin für Alte Musik auf die Bühne, sagt während des gesamten Abends keinen Ton und zeigt nur kurz in Giovanni Kapsbergers „Toccata L’Arpeggiata“ , was sie solo kann.

Wenn sie dann doch mal ins Publikum lächelt, strahlt sie aber immerhin wie ein Honigkuchenpferd – ein Ausdruck, der sich in den Gesichtern ihrer Hörer widerspiegelt.

Pluhar ist die Leiterin eines Ensembles, das einzig aus höchst ausdrucksstarken Individualisten mit Teamgeist besteht – eine eierlegende Wollmilchsau unter den Musikgruppen. Da ist zum Beispiel der Pianist Francesco Turrisi, der die vornehme Statik der barocken Harmonien in seinen Improvisationen gerne mal halbtonweise nach oben setzt. Und da ist Boris Schmidt am Kontrabass, der das einfach mitmacht. Die beiden können das, weil sie eigentlich Jazzmusiker sind.

Unvergessliche Melodien

Aber bei diesem Ensemble gibt es eigentlich kein „Eigentlich“, denn alle Musiker sprechen mehr als nur eine Klangsprache fließend. Doron Sherwin am Zink zum Beispiel kann mit seinem Instrument wie Miles Davis klingen – oder rappt in der Zugabe tatsächlich so, dass es nicht peinlich klingt. 

Zu hören gab es übrigens in ganz überwiegender Mehrheit Songs und Oden Purcells, dessen eingängige Beiträge zum englischen Musiktheater eine gute Grundlage für Improvisationen abgeben. Über seine eingängigen Basslinien und überschaubaren Harmonien lässt es sich nicht nur instrumental gut improvisieren, auch die Sopranistin Raquel Andueza und der Altist Vincenzo Capezzuto stupsten Purcells unvergessliche Melodien in Pluhars Arrangements sanft in rhythmisch freiere Gefilde.

Apropos Rhythmus: Damit die Sollbruchstelle des Barock dem freien Geist nicht zum Verhängnis wird, sorgten die großartigen Percussionisten David Mayoral und Sergey Saprychev für den fliegenden Teppich, auf dem sich die Musiker zu ihren Höhenflügen aufmachten. Und davon gibt es im Programm „Music for a While“, mit dessen Einspielungen L’Arpeggiata schon unzählige Preise abgeräumt hat, jede Menge.

Von Jonas Rohde

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