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Händel-Festspiele 2016 Minutenlange Beifallsstürme
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00:17 09.05.2016
"Susanna": Perfekt aufeinander eingestimmes Ensemble unter der Leitung von Laurence Cummings (rechts). Quelle: PH
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Göttingen

„Susanna“ ist eine Geschichte aus dem Alten Testament. Die Titelheldin ist eine junge, schöne Frau. Ehemann Joacim muss auf Dienstreise. Weil es heißer Sommer ist, nimmt Susanna im Garten ein Bad – und wird dabei von zwei älteren Herren beäugt. Dieser Anblick macht ihnen heftig Appetit. Doch Susanna ist nicht bereit, sich vernaschen zu lassen. Zur Strafe behaupten die Herren, Susanna habe sich einem jungen Liebhaber hingegeben. Sogleich soll sie zum Tode verurteilt werden – doch Prophet Daniel hat eine göttliche Eingebung. Er befragt die beiden Herren einzeln nach dem Tatort. Mit ihren widersprüchlichen Aussagen sorgen sie selbst für ihre Entlarvung: Susanna ist frei, die Lustgreise müssen sterben.

Das ist eine echte Sex-and-crime-Geschichte. Doch Händel macht etwas ungleich Edleres daraus. Er durchleuchtet die Hintergründe, beschreibt Seelenzustände – und das alles mit einer Fülle schönster Musik. Das eheliche Glück spiegelt sich in den Terz- und Sextparallelen des Liebesduetts, das Quellwasser rieselt in sanft plätschernden Streicherfiguren, in den Chören hört man die Trauer des Volkes Israel über seine babylonische Gefangenschaft, aber auch den lodernden Volkszorn angesichts der vermeintlichen Untreue Susannas.

Das FOG zeigte sich in Höchstform. Auch in den raschesten Tempi spielte es lupenrein, die Streicher können ein Pianissimo zaubern, bei dem die Spielfiguren wie Flaumfedern durch den Saal schweben. Sehr exakt und homogen sangen die Choristen des NDR, konturenscharf und stets durchsichtig.

Im perfekt aufeinander abgestimmten Solistenensemble brillierte Emily Fons in der Titelpartie mit ihrem wunderbar warmen, ausdrucksstarken Mezzosopran. Unglaublich virtuos und dabei immer locker und unangestrengt waren die Koloraturen des Countertenors Christopher Lowrey (Joacim). Hohe darstellerische Kunst und präsente Stimmkraft steuerte Colin Balzer als erster Ältester bei, an den der warm timbrierte, nur manchmal etwas zu tief intonierende Bassist Raimund Nolte nicht ganz heranreichte. Mit ihren strahlenden Höhen und ihrer großen vokalen Geschmeidigkeit setzte Ciara Hendrick Glanzlichter. Heller Jubel nach vier Stunden reinsten Genusses.

Info:

Das am 10. Februar 1749 im Londoner Covent Garden Theatre unter der Leitung des Komponisten uraufgeführte Oratorium „Susanna“ HWV 66 gehört zu Händels Spätwerken. Zugrunde liegt die im Buch Daniel des Alten Testaments (Kapitel 13 und 14) aufgezeichnete Geschichte. Diese Kapitel werden in der Luther-Bibel zu den Apokryphen gezählt. Mit seinem eher leichten Ton ist das Oratorium ein Sonderfall im Schaffen des Komponisten, erläuterte der Musikwissenschaftler Wolfgang Sandberger in seiner Werkeinführung. In Göttingen wurde „Susanna“ bislang zweimal szenisch aufgeführt: 1969 als Gastspiel der Handel Opera Society unter der Leitung von Charles Farncombe und 1989 unter der Leitung von Martin Haselböck.

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