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Händel-Festspiele 2017 Franziska Gottwald singt dramatische Arien
Nachrichten Kultur Themen Händel-Festspiele Händel-Festspiele 2017 Franziska Gottwald singt dramatische Arien
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16:38 23.05.2017
Franziska Gottwald Quelle: r
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Rosdorf

„Trügerische Schmeichelei“ wirft eine verletzte Frau in Nicola Antonio Porporas (1686-1768) Kantate der aufkommenden Hoffnung auf neue Liebe vor. Ergreifend sang Gottwald das Stück Dal povero mio cor. Die Künstlerin, die schon mehrfach bei den Händel-Festspielen in Göttingen zu hören war, ließ das Publikum den ganzen Zorn von Porporas Heldin auf die Hoffnung spüren.

Genauso dramatisch ist Georg Friedrich Händels (1685-1759) Kantate La Lucrezia: Oh numi eterni (HWV 145). Händel hatte sich einst mit Porpora einen, für ihre Londoner Opernhäuser ruinösen Wettbewerb um die Publikumsgunst geliefert. Gottwald ging voll auf in der Rolle der Lucrezia, die ihrem Hass freien Lauf lässt. Ein Tyrann hat dem Vater die Ehre genommen. Ohnmächtig sinnt sie auf Rache, bevor sie sich selbst tötet. Anderthalb Arien sang Gottwald gewissermaßen mit dem Dolch in der Brust. Das Publikum klatschte nach dieser Gänsehaut verursachenden Darbietung begeistert.

Zornig auf den Treulosen

Voll dramatischer Gefühle ist Joseph Haydns (1732-1809) Arianna a Nasso. Die von Theseus verlassene Ariadne verzehrt sich voller Sehnsucht nach dem Geliebten, erbebt vor Angst um ihn, wird zornig auf den Treulosen und stirbt schließlich mit gebrochenem Herzen. Wunderschön führte Gottwald in den Stücken die Koloraturen aus, überzeugte in den dramatischen, wie den langsam-elegischen Partien.

Cera, der die Geheimnisse des Cembalospiels beim niederländischen Musikprofessor Gustav Leonhardt erlernt hat, begleitete die Sängerin virtuos und einfühlsam. Solo führte er zwei Werke des italienischen Komponisten Domenico Scarlatti (1685-1757) auf. Der Cembalist, der mit Händel befreundet war, schrieb am Hof von Madrid hunderte von originellen Sonaten für sein schwieriges Instrument. Cera hatte die Sonate d-Mol (K. 9) ausgewählt, ein Allegro, das melancholisch-langsam war. Ein dramatisches Feuerwerk, bei dem Zuhörer Kastagnetten zu hören glaubten, bot der Musiker mit der Sonate G-Dur (K. 124). Als Überleitung zur Haydn-Kantate spielte Cera die Sonate Nr. 12 C-Dur des Klassik-Wegbereiters Domenico Paradisis (1707-1791).

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