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Guter Besuch, weniger Auslastung

Händel-Festspiele Guter Besuch, weniger Auslastung

Die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen sind am Sonntag zu Ende gegangen. Der Geschäftsführende Intendant Tobias Wolff zeigt sich nicht rundum zufrieden. 19 000 Besuchern hatten laut Wolff die Festspiele besucht, ähnlich viele wie im Vorjahr. Doch die Auslastung lag bei lediglich 70 Prozent.

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Unfreiwillige Nähe: Lotario (Sophie Rennert, oben) und Adelaide (Marie Lys).    

Quelle: R

Göttingen. Vor allem auf zwei Gründe führt Wolff die schwächere Auslastung zurück. Zum einen habe der geänderte Zeitraum – um eine Kollision mit den Händel-Festspielen in Halle zu vermeiden, hatten die Organisatoren das Göttinger Festival vorverlegt und auf drei Wochenenden verlängert – für viele internationale Besucher nicht funktioniert. Zum anderen habe die Verlegung einer Reihe von Veranstaltungen an Orte mit mehr Kapazität wie Kirchenräume nicht zu einem größeren Besucheraufkommen geführt.

Das Experiment gewagt

Insgesamt verzeichneten die Festspiele rund 19 000 Besucher, davon entfielen rund 13 000 auf Veranstaltungen mit Eintritt (2016: 12 000) und etwa 6000 auf kostenlose und Kooperationsveranstaltungen (2016: 7000). Wolffs Fazit: „Wir haben dieses Experiment gewagt, werden aber im kommenden Jahr zu unserem traditionellen Zwölf-Tage-Zeitraum zurückkehren. Wir funktionieren über Pfingsten besser.“

Mit großer Begeisterung spricht Wolff von der Qualität der Künstler und des Programms. „Wir hatten wohl noch nie einen so geschlossen hochwertigen Jahrgang.“ Ein Höhepunkt für Wolff: „Wir hatten eine fantastische Oper mit einem unglaublich netten Team.“

Auch die Brockes-Passion sei „musikalisch ein großes Glanzlicht“ gewesen. Spannend sei für ihn das Entdecken neuer Orte wie das Konzert in einem Logistikzentrum, bei dem die Schlagzeugerin mit einem Gabelstapler hereingefahren wurde – und das Ermöglichen neuer Begegnungen. Pierre Jarawan und Avi Avital hatten zum ersten Mal gemeinsam einen Abend gestaltet. Jarawan hatte in Einbeck aus seinem Debütroman „Am Ende bleiben die Zedern“ gelesen, Avital ihn mit dem Percussionisten Murat Coskun musikalisch begleitet.

Abrechnungen und Gagen

Auf die Frage, welche Künstler des Festivals 2017 Wolff gerne wieder engagieren wolle, antwortet er: „Ganz viele.“ Auch einige Sänger aus dem Opernensemble, vor allem von den jungen, werde das Göttinger Publikum wieder erleben können – und Avi Avital, der „einen tollen Abend in Einbeck“ hatte.

Drei Wochen wird Wolff mit seinem Team noch weiter an den Festspielen 2017 arbeiten. Die Abrechnung müsse gemacht und Gagen überwiesen werden, erklärt Wolff. Anschließend verabschiede er sich in eine lange Sommerpause, bevor die Vorbereitungen für die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen 2018 wieder aufgenommen werden. Sie laufen „von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten“, sagt Wolff, also vom 10. Mai bis zum 21. Mai.

Lohn für die Neugierde - Kommentar von Michael Schäfer

Die herausragenden Eigenproduktionen: die beinahe unbekannte Oper „Lotario“, kein Renner wie „Rodelinda“ oder „Guilio Cesare“, das Oratorium diesmal – lange nach dem Kirchenjahres-Anlass – eine Händelsche Passionsmusik, die auch nur selten aufgeführt wird. Aber wer sich davon nicht abschrecken ließ – und das waren trotz der geringeren Platzausnutzung gegenüber 2016 doch eine ganze Menge –, der wurde für seine Neugier belohnt. Ja, man kann durchaus an die Qualität der Händelschen Musik glauben. Wenn Teenager Händels Musik so schön finden, dass sie weinen müssen, ja das sogar zugeben, ist sehr, sehr viel erreicht. el

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