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Zedern und gezupfte Klänge

Avi Avital und Pierre Jarawan in Einbeck Zedern und gezupfte Klänge

Händel kam nur einmal vor, viel öfter Beirut, Zedern und libanesische Milizen. Am Donnerstag gastierte der Autor Pierre Jarawan in einer musikalischen Lesung in Einbeck. Seine Partner waren der israelische Musiker Avi Avital an der Mandoline und der türkischstämmige Perkussionist Murat Coskun.

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Orientalische Stimmung: Perkussionist Murat Coskun, Avi Avital an der Mandoline und Autor Pierre Jarawan (v. l.).

Quelle: Schäfer

Einbeck. Zwischen Orient und Okzident war dieser spannende Händel-Fest-Abend im Biotechnikum der KWS Saat in Einbeck angesiedelt, ebenso wie der Lebensweg des Autor Jarawan, der als Sohn eines libanesischen Vaters und einer deutschen Mutter in Jordanien geboren wurde. Gegenstand der Lesung war das Buch „Am Ende bleiben die Zedern“, mit dem Jarawan im Frühjahr 2016 als Romanautor debütierte. Der Schriftsteller gehört zu den erfolgreichsten Poetry-Slammern der Gegenwart, 2012 wurde er internationaler deutschsprachiger Meister in diesem Genre.

Vielleicht ist die lange Bühnenerfahrung Jarawans der Grund, weshalb in seinen Texten bisweilen ein Hang zur Rührseligkeit zu spüren war. Jarawan erzählt die Geschichte des in Deutschland aufgewachsenen libanesischen Jungen Samir. Als Samir acht Jahre alt ist, verschwindet der Vater spurlos. 20 Jahre später macht sich der Sohn auf die Suche und nimmt im Libanon die Spur auf, die ihn in die Verwicklungen des Vaters in den Bürgerkrieg von 1982 führt, in das sinnlose Morden der verfeindeten Bevölkerungsgruppen.

Jarawan kann atmosphärisch dicht erzählen, doch seine Neigung zu Wiederholungen erzeugt hier und da ein Gefühl von Langatmigkeit. Dem wirkten die beiden Musiker sehr erfolgreich entgegen. Avi Avital ist ein hinreißender Meister der Mandoline. Bei ihm klingen Kompositionen Bachs für Violine oder Violoncello so, als könne sie Bach für kein anderes Instrument als die Mandoline geschrieben haben.

In traditionellen jüdischen Stücken und eigenen Kompositionen erzeugten Avital und der wunderbar farbenreich musizierende Perkussionist Murat Coskun die zum Roman passende orientalische Stimmung. Das war lebendig und spritzig, die musikalischen Dialoge waren perfekt aufeinander abgestimmt und dramaturgisch stimmig eingerichtet. Die Händel-Zutat: die Arie „Lascia, qu’io pianga“ als hauchzartes Mandolinen-Solo. Das Publikum reagierte begeistert und wurde für den Beifall mit einem folkloristischen Duo belohnt. el

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