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Meisterkurses von „Epoche F Neue Musik Göttingen“

„Neue Musik ist wie das Erlernen einer neuen Sprache“


"So wie Brad hat mir noch keiner Triolen erklärt“, stellt Geigerin Lara Siefert erstaunt fest. Triolen sind nicht die einzigen rhythmischen Anforderungen, die an die 24 Teilnehmer des Meisterkurses von „Epoche F Neue Musik Göttingen“ gestellt werden.

Konzentriert: die talentierten Nachwuchsmusiker des Meisterkurses bei den Proben für die beiden Konzerte.

© MV

Dirigiert wird er in diesem Jahr von dem Amerikaner Brad Lubman. Das passt, stehen doch Komponisten der amerikanischen Moderne wie Steve Reich oder Charles Ives auf dem Probenplan. Bereits zum dritten Mal findet diese Förderung für Preisträger beim Landeswettbewerb statt. Die Stiftung Jugend Musiziert Niedersachsen hat die Stipendiaten in diesem Jahr in die hochmoderne Landesmusikakademie in Wolfenbüttel eingeladen, um sie mit Spielarten der Neuen Musik vertraut zu machen. Gemeinsam mit dem renommierten Ensemble Modern aus Frankfurt präsentieren die Teilnehmer am Sonntag, 11. Juli, im Konzert „American Lines“ die Ergebnisse – und am Sonntag, 29. August, im Rahmen des Festivals „Linien“ in der Lokhalle.

Die erst 2009 eröffnete Akademie mit zahlreichen Probenräumen, Tonstudio, einem Orchester- und einem Kammermusiksaal macht Eindruck bei den Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren: „Das ist alles total modern und schick hier“, sagt Paul Taubitz. Besonders gefällt ihm der Schimmel-Flügel, der im Kammermusiksaal steht. Es gibt vier Klaviere und vier Flügel. Warum Paul, der Trompeter, sich für den Flügel interessiert? Weil Klavier bei fast allen Stipendiaten das Zusatzinstrument ist. Wer auf eine Musikhochschule möchte – und das möchte fast jeder hier –, für den ist Klavier Pflicht.

Die Probenräume sind heiß begehrt, denn es gibt in den neun Tagen bis zum Konzert viel zu tun. „Die Dozenten sind ja bis jetzt ganz locker, aber ob das bis zum Ende der Woche so bleibt?“, fragt sich Pianistin On-Yee Yan. Bei Stücken wie Reichs „City life“ ist es ein echtes Plus, das Lubman New Yorker ist und die Klänge dieser Stadt kennt. Während der Proben entfährt ihm dann auch ein enthusiastisches „That sounds like home“. Die Besonderheit dieses Stückes besteht vor allem in der Mischung von Musik und Geräuschen wie man sie nur in einer Großstadt findet: U-Bahn, Taxitüren, Hupen, Stimmengewirr. Reich hat diese Samples selbst aufgenommen. Laura Pitz an den Keyboards spielt sie nun. Jeder Ton ein anderer Sound, da heißt es Umdenken. „Neue Musik ist wie das Erlernen einer neuen Sprache oder das Erkunden einer fremden Stadt“, so Lubman. „Man braucht viel Neugier und eine große Offenheit.“ Beides strahlt er aus. Vorschläge und Anregungen der Dozenten der Internationalen Ensemble Modern Akademie wie auch der Teilnehmer nimmt er an, Fehler kann er eingestehen. Keine Selbstverständlichkeit. „Das kommt mit dem Alter“, sagt er lachend. „Wenn man jünger ist, fällt es schwer, zuzugeben, dass man auch mal falsch liegt.“

Um den jungen Musikern den Zugang zu erleichtern erzählt er in den Proben – in Englisch, gespickt mit ein bisschen Deutsch – immer wieder Biographisches aus dem Leben der Komponisten. „Bei dieser Art von Musik, die manchmal eng mit dem Leben der Komponisten verwoben ist, ist das wichtig. So erleichtert man den Jugendlichen den Zugang zu den Werken“, erklärt Lubman. „Aber egal, ob sie diese Musik jetzt verstehen oder nicht: Das, was sie hier lernen, wird ihnen bei jedem anderen Stück helfen, egal zu welcher Musikrichtung es zählt.“ Die Jugendlichen sind da eher pragmatisch: „Wenn man heute einen Job als Musiker haben will, kann man es sich nicht leisten, sich auf nur eine Musikrichtung zu beschränken“, meint Anna Magdalena Carbow (Oboe). Die beruflichen Ziele sind hoch gesteckt, und man weiß auch schon, wie man es auch finanziell gut trifft: „Ich will mindestens eine feste Anstellung in einem Rundfunkorchester“, sagt Hornist Marc Christian Gruber.

Das Konzert „American Lines“ ist im Rahmen des Festivals „Linien“ in Göttingen am 29. August um 17 Uhr zu erleben. Karten gibt es unter anderem in den Geschäftsstellen des Göttinger Tageblattes, Jüdenstraße 13c, und des Eichsfelder Tageblattes, Auf der Spiegelbrücke 11 in Duderstadt.

Von Marie Varela

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