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Literaturherbst Göttinger Literaturherbst im Accouchierhaus: Gespräch über die Geige
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00:34 19.10.2015
Dem Geheimnis der Geige auf der Spur: Widmann, Eggebrecht und Hoppe (von links). Quelle: Pförtner
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Göttingen

Eigentlich gibt es gar keine Geheimnisse bei der Geige, die seit rund 500 Jahren eine dominierende Rolle im abendländischen Musikleben spielt.

Sie sei schlicht „eine Schachtel mit Luft drin“, befand Eggebrecht, Violinkenner und Musikkritiker bei der Süddeutschen Zeitung. Allerdings komme es sehr auf die Qualität der Materialien an: Fichte für die Decke, Ahorn für den Boden. Und man könne auch nicht jede Fichte und jeden Ahorn nehmen.

Die besten Fichten für Geigen wachsen auf dem Alpenhauptkamm, erläuterte er, geschlagen werden sie am besten im Februar bei Neumond, weil sie dann am wenigsten Saft haben. Was schon die berühmten italienischen Geigenbauer Stradivari und Guarneri wussten.

Widmann gab einen Einblick in die besonderen Schwierigkeiten des Geigenspiels. Etwa, dass ausgerechnet der kleine Finger, also der schwächste, im ungünstigsten Winkel zum Griffbrett stehe, dass der Geiger beim Lagenwechsel – anders als der Cellist – stets gegen die Schwerkraft arbeiten müsse. Die Feinmotorik sei enorm gefordert: Verrutscht der Finger in hohen Lagen um nur einen Millimeter auf dem Griffbrett, liegt man schon einen Viertelton neben der sauberen Intonation. Und ausgiebiges Geigenspiel verforme sogar den Körper.

Ein Arzt habe einen Patienten angesprochen: „Sie sind ja total schief. Spielen Sie Geige?“ Aber dem Wort Rousseaus pflichtete die Virtuosin aus vollem Herzen bei: „Es gibt nichts, was so viele Ausdrucksmöglichkeiten besitzt wie die Geige.“

Spannende Geschichten gab es über Paganini zu hören. Wegen seiner staunenswerten Virtuosität war er in Verdacht geraten, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. So hartnäckig hielt sich dieses Gerücht, dass es Paganinis Sohn Achille erst 56 Jahre nach dem Tod des Geigers gelang, den Vater in geweihter Erde bestatten zu lassen.

Lange hatte sich die Kirche dagegen geweigert. Die Göttinger Musikwissenschaftlerin Christine Hoppe steuerte Informationen über den aus Mähren stammenden Violinvirtuosen Heinrich Wilhelm Ernst bei, über den sie ihre Dissertation geschrieben hat.

„Wenn man sich intensiv mit der Geige beschäftigt, hat man am Ende mehr Geheimnisse als vorher“, resümierte Eggebrecht. Und Widmann nannte die Geige ein „mythisches und mystisches Objekt“, das zugleich „etwas Physisches und etwas Metaphysisches“ besitze.

 Von Michael Schäfer

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