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Scorpions

Abschiedstournee mit letzter Studioplatte „Sting in the Tail“

Sie wirken fast erleichtert. Wenn die Scorpions dieser Tage über die Verkaufszahlen für ihre Abschlusstournee berichten, geben sie sich „erfreut“ und finden es „großartig“, wie ihre „Fanbase“ ihnen noch einmal die Ehre erweist. So selbstverständlich ist das gerade in Deutschland nicht.
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Er macht den letzten Stich: Klaus Meine.

Er macht den letzten Stich: Klaus Meine.

© dpa (Archiv)

Im Ausland feiert man die Band immer noch als Rocklegende, in ihrem Heimatland aber hat sie spätestens seit „Wind of Change“ bei vielen früheren Sympathisanten ausgeflötet. Nun aber kehren sie doch in den Schoß ihrer deutschen Anhängerschar zurück. Auch die großen Hallen füllen sich, es sind bereits drei Zusatzshows anberaumt. Beim Auftakt der langen Tschüss-Tournee zu Wochenbeginn drängelten sich 8000 Menschen in der Sportarena Prag.

So viel Zuneigung wirkt nicht nur versöhnlich, es scheint geradezu euphorisierend zu wirken: Offensichtlich haben die nicht mehr ganz jungen Herren beschlossen, trotz ihrer nicht mehr ganz jungen Knochen beim wohl ausverkauften Heimspiel vor ihrer „Homebase“ am 1. Juni in der hannoverschen TUI Arena noch einmal die Pyramide vorzuführen. Bei der Pyramide kletterte Sänger Klaus Meine in den Achtzigern singend auf den Oberschenkeln seiner Gitarristen Rudolf Schenker und Matthias Jabs herum, alle trugen enge bunte Hosen und wilde Haare, es sah ein bisschen seltsam aus, aber so kam man in den Achtzigern in den Madison Square Garden – mit Bon Jovi als Vorgruppe. Hoffen wir, dass beim Pyramidencomeback alles heile bleibt.

Ebenfalls nicht selbstverständlich ist, dass sich die Hannoveraner mit einem letzten Studioalbum verabschieden. Ein Best-of-Album mit ein, zwei neuen Songs hätte vermutlich gereicht, um die Werbemaschine auf Touren zu bringen. Doch „Sting in the Tail“ versammelt gleich ein gutes Dutzend neuer Lieder. Das Cover ziert ein großes „S“ in erhabener Grabsteinästhetik, was man einfach so deuten könnte, dass die Altmetaller sich lieber selber beerdigen, bevor sie von anderen entsorgt werden. Entdecken die Scorpions auf ihre alten Tage etwa die federnde Leichtigkeit der Selbstironie? Sieht fast so aus.

Und wie ist sie nun, die neue Platte der Scorpions? Die ganze Antwort steckt in der ersten Zeile des ersten Liedes: „I was born in a Hurricane“, singt Klaus Meine im Auftaktstück „Raised on Rock“ – nein, er shoutet es, wie man in Rockerdeutsch völlig pathosfrei zu sagen pflegt. Die Wirklichkeit sieht anders aus, denn Klaus Meine was born in Hannover, der schon damals, drei Jahre nach dem Krieg, weitgehend hurrikanfreien Leinestadt.

Aber hier geht es um eine andere Realität, eine Realität aus dem Paralleluniversum des Poserrock, wo andere Gesetze gelten, nämlich die des gepflegten Klischees, und alles ein bisschen dicker aufgetragen wird. Hinzu kommt, dass die Bewohnerschaft des Poserrockuniversums eine ganz konservative ist, die CSU in der Rockwelt. Da spielt Wind in jeglicher Form eine große Rolle, nicht nur wegen der langen Haare. Und wer sollte das Recht haben, im Hurrikan geboren zu sein, wenn nicht Klaus Meine?

Insofern darf man „Sting in the Tail“ als Verbeugung vor einem Genre sehen, das die Scorpions selbst erheblich mitgeprägt haben. So unmodern die Lieder sind – sie streifen in einer guten Stunde mit fulminanter Treffsicherheit alle Standards, die das Hardrockgenre groß gemacht haben. Sägende oder im Stakkato feuernde Rhythmusgitarren, jaulende Soli, satte Schlagzeugsounds, hymnische Gesänge in jedem Tempo und die – schönes Wort – Powerballaden. Dazu Texte aus dem Poseriealbum, aus einer Welt, in denen Männer ehrlich herrlich sind, Männer, die für ’ne richtig knorke Frau sofort das Holzhacken anfangen würden, deren einzig wahrer Lebensbegleiter aber der Rock ’n’ Roll ist. Titelauswahl vom neuen Album: „Raised on Rock“, „Rock Zone“, „Let’s rock“, „Spirit of Rock“. Wer da noch nicht weiß, worum es geht, wird es bis zum letzten Ton der Scorpions nicht mehr begreifen. Eine Zusammenfassung der eigenen Karriere mit neuen Liedern ist bemerkenswert – da kann man entspannt den Deckel draufmachen.

Scorpions: „Sting in the Tail“. Am 1. Juni ist die Band in der TUI Arena zu Gast. Tickets: (05 11) 44 40 66.

[Uwe Janssen]

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