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„Somewhere“

Sofia Coppola erobert die Filmfestspiele von Venedig

Vorschusslorbeeren des berühmten Vaters Francis Ford Coppola gab es bereits. Jetzt ist seine überaus talentierte Tochter Sofia Coppola mit ihrem jüngsten Werk „Somewhere“ mit Erfolgsaussichten im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig.
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Regisseurin Sofia Coppola.

Regisseurin Sofia Coppola.

© ap

Riesiger Andrang, begeisterte Kritiker: Sofia Coppola hat am Freitag mit ihrem sechsten Film „Somewhere“ sofort den Lido erobert. Witzig und auch mitfühlsam erzählt die 39-jährige Tochter des Regiestars Francis Ford Coppola von der inneren Leere des Hollywoodstars Johnny Marco, den erst seine kleine Tochter aus seiner Sinnlosigkeit reißen kann. Wie schon in ihrem Erfolgsstreifen „Lost in Translation“ ist ein Hotel Schauplatz des Films, diesmal vor allem das legendäre Chateau Marmont in Los Angeles. Den meisten Kritikern bei den Filmfestspielen von Venedig gefiel dieser jüngste Wurf einer Filmemacherin, die das kühl-nasse Wetter am Lido vergessen machte und diesem Festival auch ein Glanzlicht aufsetzte.

Sex, Pillen und ein Ferrari als Statussymbol haben den Star Johnny im Griffn - Sofia Coppolas Protagonist (Stephen Dorff) ist irgendwie verloren. Mit seinem Superschlitten dreht er Runden, sein Leben dreht sich im Kreis. Als er aber seine elfjährige Tochter Cleo (Elle Fanning) mit zu einer Preisverleihung nach Italien schleppen muss, nähern sich die beiden einander an. Liebe kommt so auf in einem Film, der ansonsten die oberflächliche Show-Welt Hollywood auf die Schippe nimmt und Coppolas bisher intimstes Werk ist. „Das bin zwar nicht nur ich in dem Film, jedoch finden sich Dinge aus meiner Kindheit darin wieder“, erklärte die Tochter eines übermächtigen, beliebten Künstlers.

Die Regisseurin und Drehbuchautorin konnte strahlend und gelassen auftreten, denn den Segen des Übervaters hatte sie schon einkassiert. „Den Film hast nur du machen können, hat er mir gesagt“, freute sich die Tochter, die sich zwischen ihren Filmen viel Zeit lässt, nach dem Motto, weniger sei mehr. „Marie Antoinette“ liegt vier Jahre zurück, das preisgekrönte „Lost in Translation“ stammt von 2003. Und jetzt kann sie sich mit ihrem „Somewhere“ einreihen bei den Favoriten für den so begehrten Goldenen Löwen 2010. Dass sie einmal eine Affäre mit dem diesjährigen Jury-Präsidenten Quentin Tarantino gehabt haben soll, spielt da sicher keine Rolle.

Das kleine Mädchen bringt den von ihr getrennten Vater dazu, sich zu öffnen und sich die Frage zu stellen: „Wer ist Johnny?“ Der Film spinnt damit einen roten Faden fort, der sich durch das erste halbe Dutzend der insgesamt 24 Wettbewerbsstreifen zieht: Viel dreht sich um Frauen, die lieben, sich verlieren, um Zuneigung kämpfen und auch leiden. Und das nicht nur im Sündenpfuhl Hollywood und auch nicht nur heute. Das Los der Frauen gibt den Takt vor in Julian Schnabels Film „Miral“, der vor mehr als sechs Jahrzehnten in Palästina beginnt, und auch in Anh Hung Trans „Norwegian Woods“, das ein Japan der unruhigen 1960er Jahre zeigt.

Sofia Coppolas Tag auf dem Festivalgelände war aufregend - nicht nur ihretwegen. Als ein starkes Gewitter Wogen an den Strand peitschte und eimerweise Wasser durchs Dach des alten Pressepalastes trieb, mussten die versammelten Kritiker und Fotografen abrupt ihre Arbeit abbrechen und flüchten. Der Vorfall warf ein Schlaglicht darauf, dass das Lido-Gelände weiterhin nur eine Baustelle ist, ein moderner Festivalpalast lässt auf sich warten.

dpa


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