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Weltweit Das nächste Stück Literatur
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16:43 21.03.2019
Julia aus Leipzig mit einem Quargon-Outfit bei der Manga-Comic-Convention in Leipzig. Quelle: epd
Leipzig

Auf dem Boden vor der Messehalle 1 kleben Halteverbotschilder. Es ist die Halle der Manga-Comic-Con (MCC), und den Raum davor brauchen Cosplayer, um ihre aufwendigen Kostüme zurechtzuzupfen, sich und einander zu fotografieren, einfach da zu sein. Also verschwinden die Schilder schon bald unter ihren Plateauschuhen und Plüschhufen. Man versucht einiges, um die Koexistenz von MCC und Leipziger Buchmesse so angenehm wie möglich zu gestalten, hat sogar eine Cosplay-Beauftragte als Vermittlerin an Bord geholt.

Von den insgesamt 2547 Verlagen aus 46 Ländern gehören 350 zur Manga-Comic-Con – und 50 zur Antiquariatsmesse, die zum 25. Mal stattfindet. Dort geht es gediegen und ruhig zu, ist nur dieses Summen zu hören, jener Buchmesse-Sound, der in Intervallen zu Applaus anschwillt, der von den Lesebühnen und aus den Leseforen dringt, bevor er weitergeht: mit dem nächsten Autor, der nächsten Begegnung, dem nächsten Stück Literatur – einem Blick auf die Gegenwart, in die Fantasie, die Welt.

Die großen oder die wichtigen Themen

In diesen Sound mischt sich eine Melodie, die Jahr für Jahr variiert: Das sind die großen oder die wichtigen Themen, die Aufreger oder Trends. Viele Jahre waren es E-Books, Digitalisierung überhaupt, oft das jeweilige Gastland. Den Ton dieser Leipziger Buchmesse hat der Festakt zur Eröffnung am Mittwochabend im Gewandhaus vorgegeben. Dort wurde nicht nur der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung an die Publizistin Masha Gessen verliehen für ihr Buch „Die Zukunft ist Geschichte: Wie Russland die Freiheit gewann und verlor“ (Suhrkamp). Dort wurden von allen Rednern Verständigung, Verständnis und Verstehen beschworen. Da sind sich die Vertreter aus Politik und Kultur einig.

Für „Toleranz und Vielfalt“ wirbt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels über den Drehkreuzen an den Eingängen zur Leipziger Buchmesse, die am Donnerstag ihre Türen geöffnet hat. Bis Sonntag werden rund 280 000 Besucher erwartet. Gastland ist Tschechien, und unter den rund 3600 Veranstaltungen beim Fest „Leipzig liest“ sind auf der Messe und in der Innenstadt viele Diskussionsforen geplant, in deren Zentrum das politische Buch steht. Oder nur das Politische.

Der Bleisatz lebt auf

Drumherum geht es in den vier Messehallen auch mal unpolitisch zu, wenn in der Steinbuchwerkstatt die Bücher garantiert schwer wiegen, die Edition Bodoni den Bleisatz aufleben lässt, der Sellmer Verlag die kommenden Adventskalender ausstellt. Aus dem Musikcafé dringt rhythmisches Klatschen – dort erklärt Ekkehard Vogler ein „Algorithmisches Klanglabor!“. Kurz darauf wird im Congress Center die Frage gestellt: „Den Mathematikunterricht der Schuleingangsphase sprachsensibel gestalten – notwendig oder überflüssig?“ Die Tür steht offen. Entdecke die Möglichkeiten.

Währenddessen sorgen in den Gängen wippende Hasenohren der Cosplayer für Frühlingsstimmung, an den Ständen der Verlage zeigt sich die vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels ausgerufene Aufbruchstimmung in ambitionierten Herbstprogrammen, um die es jetzt schon geht. Die Branche freut sich zum Jahresbeginn über ein Umsatzplus von 4,5 Prozent, und Kristin Rosenhahn von Hanserblau über einen Überraschungserfolg. Das neue Imprint des Hanser Verlags ist mit seinem ersten Programm in Leipzig, das „die populäre und bunte Schiene“ bedienen soll. Acht Bücher im Frühjahr, acht im Herbst will das dreiköpfige Team mit Sitz in Berlin herausbringen, wobei die Autoren populär sein sollen oder die Themen, gern „niederschwellig erzählt“. Rocko Schamonis Roman „Große Freiheit“ führt das erste Programm an, für die Überraschung aber hat „Agathe“ gesorgt, das Debüt der dänischen Autorin Anne Cathrine Bomann über einen alternden Psychiater, der noch eine letzte Patientin annimmt. Der Name Hanserblau steht für die Blaue Stunde „eine Zeit des Eintauchens, der Inspiration und Zwiesprache“. Da brandet schon wieder irgendwo Applaus auf in der Messehalle 3. Weiter geht’s.

Von Janina Fleischer

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