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Weltweit Die Kinder des Olymp: Was tun, wenn Papa ein Beatle war?
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14:00 05.01.2019
Die Popstars und ihre musizierenden Kinder (von oben links im Uhrzeigersinn): Johnny Cash, Julian Lennon, Paul McCartney, Stephen Marley, Bob Dylan, Elvis Presley, Lisa Marie Presley, Bob Marley, James McCartney, Rosanne Cash, John Lennon, Jakob Dylan. Quelle: RND
Hannover

Da saß neulich im Fernsehen einer mit Gitarre auf der Bühne eines Clubs, sein Englisch hatte den weichen Jamaika-Zungenschlag: „You’re Gonna Leave“ sang er zwei Figuren der Marvel-Superheldenserie „Luke Cage“ ein bittersüßes Lied vom Ende ihrer Liebe vor. Folk trifft Reggae, fast klang Stephen Marley (46) wie sein 1981 verstorbener Vater Bob.

1979 begann er mit seinen Geschwistern Ziggy, Sharon und Cedelia in der Marley-Familienband Melody Makers. „Musik ist ein Talent, das Gott mir gegeben hat“, sagt Marley, „um eine Botschaft von Rechtschaffenheit, Liebe und Einheit zu verbreiten.“ Bis heute hat Stephen Marley acht Grammys eingefahren. Eine Erfolgsstory.

Stephen Marley mit seiner Mutter Rita und den Brüdern Julian und Damien im Jahr 2005. Quelle: AP

Musizierende Nachfahren von Poplegenden haben es gemeinhin nicht leicht. Der Schatten der Altvorderen ist mächtig. Die Plattenfirmen versuchen anfangs oft, Einfluss darauf zu nehmen, dass „in memoriam“ des elterlichen Werks musiziert wird, dass der Apfel für den Hörer klar dem Stamm zuzuordnen ist.

Fans der Eltern finden das Werk der Sprösslinge meist notorisch blasser. Überdies wird gern die Kritik laut, dass sich da jemand ins gemachte Nest setze. So verstecken die „Rockküken“ ihre Herkunft zuweilen hinter Bandnamen und/oder setzen sich in ihren musikalischen Visionen klar von den Eltern ab. Mit unterschiedlichem Erfolg.

Die bisherige Bilanz von Jakob Dylan (49): Sechs Alben zwischen Indierock und Americana mit dem Quintett The Wallflowers, zwei Soloplatten, zwei Grammys. Das jüngste Kind von Bob und Sara Dylan begann mit dem Musikmachen unter dem Einfluss des Punk. Das zweite Album der Wallflowers, „Bringing Down the Horse“, wurde 1996 ein Millionenseller.

Kein Interesse an gelackten Hitparadensounds

Jakobs Stimme geht wohlig ins Ohr – hält man sie gegen das raue Krähen seines Vaters. Die Beziehung zu Papa Bob ist gut seit Kindheitstagen: „Er verpasste keins meiner Baseballspiele“, verriet Jakob der „New York Times“. Fans warten seit 2012 auf Neues, 2014 bekam der Vater von vier Söhnen den „Vater des Jahres“-Preis der American Diabetes Association – weil er der Familie stets Vorrang vor der Karriere gibt.

Sean Lennon (43) ähnelt seinem Vater John nicht nur äußerlich, er ist auch ein talentierter (exzentrischer) Songwriter, versiert in vielen Genres. Finanziell abgesichert und desinteressiert an gelackten Hitparadensounds, war der kommerzielle Erfolg seiner Soloalben, Soundtracks und Zusammenarbeiten mit Mutter Yoko Ono bislang eher schmal.

Zuletzt jedoch gelang ihm 2017 im Duett mit Jungdiva Lana Del Rey ein Platz 40 in den USA: „Tomorrow Never Came“. Vielleicht kommt „Tomorrow“ doch noch für den Mann, der „Musik mag, weil sie die einzige unsichtbare Kunstform ist“. Ende Februar erscheint„South of Reality“, das zweite Album von Claypool Lennon Delirium, seinem Duo mit Primus-Sänger Les Claypool.

Setzt auf die Ninja-Taktik: Daniel Dhani Harrison Quelle: Verleih

„Ich wollte Rennwagendesigner werden“, sagt Dhani Harrison (40) im Interview, „und nicht als Beatles-Kind verheizt.“ Dann entschied er sich aber doch für die Musik. Das erste Soloalbum des Ninja-Film-Fans unter eigenem Namen – nach einigen Bandprojekten – hieß „In Parallel“ (2017). Den hypnotischen Songs, die an Massive Attack erinnern, war kein großer Erfolg beschieden.

Aber Dhani, der seinem Vater George stimmlich und äußerlich ähnelt, kann warten: „Irgendwann fand ich heraus, was das Wort Ninja bedeutet: ,Ja‘ heißt ,Person‘, ,Nin‘ heißt ,die wartet‘. Also ist ein Ninja jemand, der so viel Geduld hat, dass er dir immer noch an den Fersen klebt, wenn du nicht mehr mit ihm rechnest. Eine extrem mächtige Taktik!“

„Musik und Poesie waren immer um mich herum“

Das einzige Kind von Elvis und Priscilla Presley sang zwar schon als Kind in ihre Haarbürste, wie Lisa Marie Presley (50) 2012 dem Wochenmagazin „Die Zeit“ verriet, startete aber erst mit 35 Jahren musikalisch durch. „To Whom It May Concern“ hieß 2003 ihr erstes Album. Das bislang letzte, „Storm & Grace“ von 2012, bot gute Americana – schnörkel- und zeitlos.

2012 wurde sie auf der Countrymusikbühne der Grand Ole Opry gefeiert, auf der man ihren Vater 1954 ausgebuht hatte. Mit 45 Jahren Drogenprobleme, mit 48 Jahren aus der Church of Scientology ausgestiegen, jüngst ein Sorgerechtsprozess: Es gäbe durchaus viel zu erzählen auf dem in den Sternen stehenden Album vier.

„Musik und Poesie waren immer um mich herum“, sagt Rosanne Cash (63) und hält ihre Musikerlaufbahn deshalb für zwangsläufig. Johnny Cashs älteste Tochter schloss sich als Teenie der „Johnny Cash Roadshow“ an. Auf ihrem jüngst erschienenen 14. Studioalbum „She Remembers Everything“ (2018) hört man Lieder über Frauen im Trump-Amerika. „Feminine Gothic“ nennt Rosanne Cash ihren Sound. Sie gehört zu den prominentesten Stimmen der Widerständigen dieser Tage, äußert sich zu #MeToo und den Waffengesetzen. Ihr Vater, der auch widerständig war, wäre angetan.

Eine Stimme des Widerstands, ganz wie der Vater: Rosanne Cash, älteste Tochter von Johnny Cash. Quelle: Edmond Terakopian/AP

„Drumming is my madness“, gestand Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr auf seinem Soloalbum „Stop and Smell the Roses“ (1981). Sein Sohn Zak Starkey (53) leidet an derselben Verrücktheit, wobei Papa Ringo lieber einen Arzt in der Familie gehabt hätte. Zaks Patenonkel, der The-Who-Drummer Keith Moon, brachte Zak ans Trommeln.

Nach Jahren als Punkrocker und Studiomusiker trat Zak bei The Who in „Moonies“ Fußstapfen (er ist festes Bandmitglied). Selbsteinschätzung gegenüber dem Magazin „Modern Drummer“: „Ich bin nicht berühmt, aber sehr erfolgreich.“ Und die nächste Generation folgt schon auf dem Fuß: Ringos Enkelin Tatia Starkey (33) spielt Bass in der Londoner Band Belakiss.

Julian Lennon (55), der Sohn von John und seiner ersten Ehefrau Cynthia, war ein verheiztes Beatles-Kind. Sein Debütalbum „Valotte“ (1984) wurde penetrant auf den hallreichen John-Sound getrimmt. Vater-Sohn-Vergleiche konterte Julian grollend: „Ich bin nicht John Lennon. Ich werde es nie sein.“ Der Mann, für den „Hey Jude“ geschrieben wurde, hat sich inzwischen eine Karriere als Fotograf aufgebaut. Im neuen Jahrtausend hatte er keine Chartsberührung mehr.

Dunkler Elektrorock von Chers Sohn

Welche Art von Musik macht man, wenn man der Sohn von Popsuperstar Cher und Southernrockpionier Gregg Allmann ist? Und wenn einem Kiss-Bassmann Gene Simmons die erste Gitarre schenkt? Antwort: dunklen Electrorock, dazu Coverversionen von Roxy Music und The Sweet. Mit seiner 2007 für zehn Jahre stillgelegten Szeneband Deadsy arbeitet Sänger und Gitarrist Elijah Blue Allman (42) derzeit am dritten Album, demnächst wird eine Single erwartet.

Beinahe wäre Allmann zu einer der großen 90er-Bands gestoßen, verlor die Auditions um den Gitarrenjob bei den Nine Inch Nails 1994 aber an Robin Finck. Mit zwölf Jahren trat Elijah Blue als Gitarrist im Video zu Chers Hit „If I Could Turn Back Time“ auf, vor einigen Jahren war von Entfremdung die Rede. Inzwischen hat Cher die Zeit zurückgedreht. Alles wieder gut. Mamma Mia!

Zwei Beatles-Kinder, die gut miteinander können: Sean Ono Lennon und James McCartney Quelle: Instagram/sean_ono_lennon

Gab es nun je einen Rocknachwuchs, der im Schatten seines Superstarvaters zu verblühen drohte, dann ist es James McCartney (41), der moppelige Sohn des „hübschen Beatle Paul“. In Interviews wirkt er linkisch und lobt Papa und seine Überband zu oft. Schubst ihn sein Vater bei gemeinsamen Auftritten wohlmeinend ins Rampenlicht, nachzusehen bei Youtube, scheint James sich geradewegs in die Garderobe verkriechen zu wollen.

Das Internet ist voller Spott, doch wenn James seinen Song „Strong as You“ singt, möchte man ihn in den Arm nehmen. Er hat eine warme Stimme, und die Lieder auf drei Alben (Tipp:„The Blackberry Train“ von 2016) zeugen von Talent. Jüngst kursierte auf Instagram ein Selfie mit Sean Lennon. Die Beatles-Kinder mögen sich, das bestätigt auch Dhani Harrison. Sie könnten ja zusammen eine Band gründen. Kopf hoch, James! 2019 wird dein Jahr!

Von Matthias Halbig

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