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Weltweit Elle King: Comeback mit 29
Nachrichten Kultur Weltweit Elle King: Comeback mit 29
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12:00 25.10.2018
Brave Mädchen kommen in den Himmel: Elle King aber gehört auf den Thron des Rock ’n’ Roll. Quelle: Sony Music
New York

Ein neuer Knabe kommt in die kleine Stadt, vertreibt die Langeweile, und muss natürlich sogleich abgecheckt werden von den Frauen dort. Angeblich dated er das rothaarige Mädchen. Jemine!

Dazu hat Elle King in „Talk of the Town“, den Eröffnungssong ihres neuen Albums, nur eins zu sagen: Rothaarige Mädchen jammern den ganzen Tag oder reden Mist daher. Mit Blondinen wie ihr dagegen, das wusste schon Rod Stewart in den Siebzigerjahren, hat man mehr Spaß.

Die Liebe bremste die Karriere von Elle King

Elle King ist zurück. 2015 hatte sie mit ihrem Debüt „Love Stuff“ eine der frischesten Platten des Jahres am Start. Die King schien die neue Queen des Rock’n’Roll werden zu wollen damals. Und dann passierte - nichts. Der große Durchstart blieb aus. Warum?

Die Antwort gibt das neue Album. Auf „Shake The Spirit“ streckt Elle die Linke aus, auf dem Handrücken ist ein gebrochenes Herz eintätowiert. Statt die Welt mit ihren Songs zu erobern, heiratete sie heimlich den Schotten Andrew Ferguson.

Und erlebte mit ihm ein Fiasko d‘amour. Geschieden ist sie inzwischen, versteht sich angeblich aber wieder gut mit dem einstigen Gatten. Das alles passt zu ihrem großen Hit über die „Ex’s and Oh’s“, die Elle abliebt, und für die kein Meer zu rau, kein Gebirge zu hoch ist, um zu ihr zurückzukehren.

Der Schwerpunkt des Albums liegt auf dem „shaken“

Zwischenzeitlich hatte Elle King ein Duett mit dem Countrymusiker Dierks Bentley eingesungen und zeitweilig sogar gedacht, Country wäre ihr neuer Rock’n’Roll. Aber keine Sorge: „Shake the Spirit“ hat zwar einen Country-Drall, hat mit „Naturally Pretty Girls“ eine New-Wave-Hommage an Bord, legt den Schwerpunkt bei den 13 Songs aber eindeutig aufs „shaken“.

Die Gitarren von Kings Band The Brethren krachen rein, Elle singt mit Schluckauf und lasziv-gefährlichem Kratzen und Knurren in der Bourbonstimme über die schöne böse Liebe und ihre herzförmigen Türen, die zu Falltüren werden können.

Die große Wanda Jackson lässt grüßen, „Shake the Spirit“ steht in der Tradition des Blues-basierten Elvis-Rock’n’Rolls, ist nicht ganz so bezwingend wie der Vorgänger, aber immer noch gut genug für eine zweite Chance. Nein, das schmachtende „Runaway“ ist kein Del-Shannon-Cover, erinnert aber an Shannons Musik und an die des Romantikers Roy Orbison.

Lebenskrisenbewältigungslieder voller Humor

Der ulkige, betrunken schaukelnde Song „It Girl“ handelt dann von Praktiken erotischer Zweisamkeit, die hier nicht näher ausgeführt werden sollen. Nur soviel: Klein Blatt vor Elle Kings Mund – niemals!

„Gnade dem Mann der mir im Weg steht / ich bin ein Albtraum sogar tagsüber“ , singt King in „Baby Outlaw“ ins Mikro. Dunkle Lebenskrisenbewältigungslieder voller Humor. Und: „Ich brauche niemanden“ gospelt sie zum Schluss in „Little Bit Of Lovin‘“, gesteht eine „fürchterliche Ehefrau“ gewesen zu sein, dass sie „aufgeben wollte“, aber „nicht gebrochen“ sei.

Sich selbst zu lieben sei der Schlüssel zu wahrer Liebe. Lektion gelernt, Katharsis. Es gibt übrigens auch Glück zu vermelden im Leben der 29-Jährigen, die schon als Kind Musikerin werden wollte und mit 16 Jahren nach Brooklyn zog, um sich als Straßenmusikerin durchzuschlagen: Mit ihrem Vater, dem Comedian und frühen Nestflüchter Rob Schneider, hat sie sich ausgesöhnt, mit ihren Halbschwestern angefreundet, das verriet Elle King dem „People Magazine“. Sie stehe auf Familie.

Jetzt aber: Auf zum Comeback, bitte. Endlich Rockstar werden. Mit einer großen langen Welttour und vielen Deutschlandterminen den Thron der Rockqueen erobern. Und auf dem Weg dahin alle neuen Kerle oder rückkehrwilligen Schotten standhaft ignorieren.

Elle King: „Shake the Spirit“ (RCA/Sony) bereits erschienen

Von Matthias Halbig / RND

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