Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit „Halloween“ – Fortsetzung der Horrorfilm-Reihe mit Jamie Lee Curtis
Nachrichten Kultur Weltweit „Halloween“ – Fortsetzung der Horrorfilm-Reihe mit Jamie Lee Curtis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:28 25.10.2018
Normalerweise klopft man an: Laurie Strodes (Jamie Lee Curtis) alter Widersacher Michael Myers (Nick Castle) begehrt in Psychokillermanier Einlass. Quelle: Foto Ryan Green/Universal
Hannover

Nennt den Namen mit Ehrfurcht, egal, was dem Mann zwischenzeitlich alles missglückt ist: John (Pause) Carpenter! Er machte in seinen großen Tagen die coolste Fantastica. Ob er nun in „Dark Star“ ein Tomaten-Alien mit Krallen auf Hippieastronauten losließ oder in „Assault“ eine zombiehafte Jugendgang auf ein Ghetto-Polizeirevier.

Sein Meisterwerk aber war 1978 der trashige Indie-Horrorfilm „Halloween“. Die Zuschauer verschmolzen vor Angst mit dem Kinositz, als die junge Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) im Fenster des Gartenhauses steckenblieb, wo man draußen doch gerade erst das fahle Maskenantlitz von Michael Myers gesehen hatte. Jetzt kehrt der Babysittermörder auf die Leinwand zurück.

„Halloween“ brachte dem Publikum Furcht vor großen Messern bei

„Halloween“ war der Film, nach dem man seine Schublade von großen Küchenmessern befreite. John Carpenter brachte das mit Hitchcocks „Psycho“ 1960 entstandene Hororsubgenre des Slasher-Films wieder in Bewegung. Bis heute umfasst das Franchise elf Filme.

Zwei Jahre später begann Jason Voorhees in den „Freitag, der 13.“-Filmen sein blutiges Werk, 1984 ließ Freddie Krueger in der „Nightmare on Elm Street“-Reihe seine Klingenfinger tanzen. Und sogar Tobe Hoopers Leatherface aus „Texas Chainsaw Massacre“ (1974) und Norman Bates aus „Psycho“ erlebten in den Achtzigerjahren ihre Rückkehr in Sequels.

Eine funktionierende Kleinstadtgemeinde wurde in „Halloween“ durch ein unvorhersehbares Ereignis gesprengt. Kritiker sahen darin eine Spiegelung der Angst vorm Atompilz. Und mit der Figur der Laurie Strode zog der Feminismus in den Horrorfilm ein, die „Finale-Frau“, die sich wehrt, statt darauf zu warten, dass der männliche „Prinz“ das Monster für sie besiegt und sie rettet.

John Carpenter ignorierte intellektuelle Filmanalysen von „Halloween“

Carpenter, der 40 Jahre nach dem Originalfilm nur noch Executive Producer beim Myers-Comeback der Reihe ist, aber die von ihm komponierte, nervenzerrende Piano-Synthi-Musik modifiziert hat, sah sein Werk schlicht als „Horrorfilm“ und ignorierte die akademischen Tiefenbohrungen der Kritiker.

Im Regiestuhl hat nun David Gordon Green gesessen, der 2000 mit seinem Debüt, dem aufrüttelnden Kleinstadtdrama „George Washington“ ein Spiegelbild der gegenwärtigen amerikanischen Depression schuf und demnächst in „Newsflash“ die Berichterstattung über die Ermordung John F. Kennedys unter die Lupe nimmt. Bei seinem Ausflug ins Horrorfach ignoriert Green alle „Halloween“-Fortsetzungen.

Ja, sogar das Ende des ersten Films gehört nicht mehr zum Kanon, wo der eigentlich tödlich getroffene Michael Myers die Thrillerregel „Das Böse steht noch einmal auf“ zu „Das Böse steht noch 100 Mal auf“ erweiterte und entkam. Der neue Film geht davon aus, dass man seiner habhaft wurde, dass er seit 40 Jahren in der Psychiatrie sitzt, bei einer Verlegung entkommt und zur Halloweennacht nach Haddonfield, Illinois, zurückkehrt, um motivfrei herumzumorden.

Michael Myers’ alte Horrormaske macht sogar die Wachhunde nervös

Die Eröffnung ist unheimlich. Zwei Journalisten wollen Myers interviewen, der – im Innenhof seiner Anstalt angekettet -Sonne tankt. „Er kann sprechen. Er tut es nur nicht“, sagt sein Psychologe dessen Name Sartian, wie sich später herausstellt, lautmalerisch nicht von ungefähr zu „Satan“ verschliffen wird. Hinter Myers Rücken holt einer der Reporter die alte Maske heraus, die er aus der Asservatenkammer stibitzt hat. Während alle anderen Insassen nervös werden und sogar die Wachhunde anschlagen bleibt Myers ruhig.

Man sieht kurzgeschorene Haare, einen grauen, getrimmen Vollbart, mehr nicht. Der Schauspieler Nick Castle ist es, der sich zum ersten Mal seit 1978 wieder die vom Produkionsdesigner Tommy Lee Wallace nach dem Vorbild des Enterprise-Captains James T. Kirk gestaltete berühmte Larve überstreift.

Auch Jamie Lee Curtis ist wieder dabei, ihre Laurie ist eine in Ehren ergraute Oma. Einzig Enkelin Allyson (Andi Matichak) hält Kontakt zu der Alten, die ihr Haus zu einer Festung umgebaut hat, und täglich Schießübungen macht für die von ihr erwartete, eigentlich unmögliche zweite Begegnung mit Myers.Curtis macht der Kampfmodus sichtlich Spaß, sie erinnert im olivgrünen Feinripp an Ellen Ripley, das andere berühmte „final girl“ aus Ridley Scotts „Alien“.

Green zitiert viele Originalszenen und versieht sie mit einem Twist

Aber wo Fans von dem Dramenspezialisten Green ein großes Horrordrama erwartet hätten, belässt es der Regisseur bei einem unbekümmerten Ausflug ins Trashkino. Nicht nur dass er die budgetbedingte Billigoptik des ersten Films übernimmt, er zitiert auch viele Originalszenen und -Motive und versieht sie lediglich mit einem neuen Twist. Diese absichtsvolle Secondhand-Originalität erschöpft sich bald. Alles Déjà vu. Der Schnitt wirkt oft holprig und unmotiviert.

Auch die genretypischen grob skizzierten Figuren mit ihren plotbedingten Charakterbrüchen und ihrem selbstmörderischen Verhalten in Krisensituationen wirken nicht als Genrehommage sondern unfreiwillig komisch und misslungen. Ganz zu schweigen von den hanebüchenen Dialogen des Drehbuchs. Endlos erscheint einem die Plauderei zweier Polizisten im Streifenwagen über die Vorzüge von Erdnussbutter- und Geleebrötchen.

Das, was in der Nacht, umgeht, lehrt nicht mehr das Fürchten

Manche Einzelszene gelingt durchaus. Die Nacht wird bei Green klaustrophobisch inszeniert. Aber das, was in ihr umgeht, lehrt einen nicht mehr das Fürchten. Als der Mann mit dem Messer ein Baby in der Wiege verschont, sieht man ihn beinahe als Ausgegrenzten einer bitteren Exklusionsgeschichte. Vielleicht hat Regisseur Rob Zombie in seinem „Halloween“-Remake von 2007 alles verdorben, als er das Mysterium Myers mit Biografie und Sprechtext ausstattete, es zum zornigen, dicken Kind einer Stripperin und eines irren Machos machte.

Vielleicht ist aber auch nur die große Zeit der Slasher vorbei.

Von Matthias Halbig / RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In den Tiefen des Meeres: Im U-Boot-Thriller „Hunter Killer“ (Kinostart: 25. Oktober) spielt Gerard Butler eine Kommandanten in einer schier ausweglosen Situation. Die Welt steht auf der Kippe, der Dritte Weltkrieg könnte ausbrechen.

25.10.2018

US-Regisseur Frederick Wiseman geht in die Bibliothek: Der Dokumentarfilm „Ex Libris: Die Public Library von New York“ (Kinostart am 25. Oktober) ist mehr als Kino über Buchstaben zwischen Buchdeckeln.

24.10.2018

Barbara Laugwitz zog nach ihrem Rauswurf bei Rowohlt vor Gericht. Nun wurde ihr neuer Arbeitsort bekannt.

24.10.2018