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Weltweit Am Puls von Mozart
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10:52 23.04.2018
Gerrit Zitterbart, Pianist und Kammermusiker, bereitet sich im Klaviersalon an einem Flügel der Mozart-Epoche auf die Klavier-Tage vor, die sich um Mozart drehen. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

„Bei Mozart kann man ganz unangestrengt alle Emotionen zeigen“, schwärmt der Göttinger Pianist Gerrit Zitterbart. „Seine Musik klingt unglaublich natürlich – man merkt gar nicht wie kompliziert sie ist.“ Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) war selber Pianist und hat besonders viel für Klavier komponiert. Der österreichische Komponist steht im Mittelpunkt der von Zitterbart organisierten zweiten „ClavierTage Göttingen“. Vom 25. bis 29. April sollen die Konzertbesucher den künstlerischen Puls und die Klangästhetik von Mozart ganz unmittelbar erleben.

Flügel-Nachbau im Klaviersalon

„Das Klavier ist ja zu Lebzeiten Mozarts entwickelt worden – gegen 1775 begann erst die Klavierproduktion“, so Zitterbart. „Mozart war am musikalischen Puls seiner Zeit dran, kaufte sich bereits 1782 einen Flügel, komponierte viel für dieses damals so moderne Instrument und arbeitete dabei stark an seinem eigenen Stil.“ Mozarts Flügel stammte aus der Werkstatt des Wiener Klavierbauers Anton Walter. Ein nahezu identischer Nachbau steht im Göttinger „Clavier-Salon“ von Zitterbart und wird an den Klaviertagen gespielt. Damit erleben die Zuhörer genau den Klang, den auch Mozart hörte und für den er komponierte.

Aufführung im kleinen Saal

Diese historischen Instrumente haben eine ganz andere Tongebung als die heutigen Flügel, sie klingen luftiger und filigraner. „Wenn ich Mozart auf einem modernen Flügel spiele, muss ich mich sehr zurücknehmen,“ so Zitterbart. „Auf dem alten Flügel kann ich dagegen alles zeigen was an Emotionen da ist.“ Noch etwas führt den Besucher der diesjährigen Klaviertage nahe an Mozart heran: Die sieben Konzerte finden im intimen Rahmen des Clavier-Salons und der Evangelisch-Reformierten Kirche statt – auch Mozart führte seine Musik in kleineren Sälen auf.

Die Klaviertage beginnen am 25. April mit einem Kammerkonzert und dem aus Weimar stammenden Klenke Streichquartett zusammen mit dem Pianisten Zitterbart. Im Klavierquartett g-Moll hört der Zuhörer wie Mozart die Klavierstimme mit den Streichern filigran vereinte. Drei Klavierkonzerte erklingen am 26. April und bringen den Zuhörer wieder sehr nahe an den Komponisten. „Das Spannende ist, dass Mozart diese Klavierkonzerte 1782 schrieb – also in dem Jahr, als er seinen eigenen Flügel erwarb“, so Zitterbart. „Bei diesem Konzert sind wir ganz nah an der stilistischen Entwicklung von Mozart und erleben, wie er eine Balance zwischen schwerer und leichter Stimmung findet.“ Der Klavierabend am 27. April präsentiert den Clementi-Preisträger Viacheslav Shelepov mit einem Programm aus bekannten und unbekannten Werken von Mozart. Gerade an diesem Abend wird man den historischen Charme des Walter-Flügels hören und Mozarts Klavierwerke klanglich ganz neu wahrnehmen.

Konzertmeisterin der Radiophilharmonie

Für einen Duo-Abend am 28. April gewann Zitterbart die Violinistin Friederike Starkloff. Die 1. Konzertmeisterin der Radiophilharmonie Hannover des NDR wird für ihr Instrument im Zusammenspiel mit dem historischen Flügel neue interpretatorische Freiheiten finden. Zitterbart: „Wir spielen als Kontrast Mozarts erste und letzte Sonate für Violine und Klavier. Dabei zeigen wir wie der Komponist mit einem Tonartwechsel musikalisches Neuland erobert.“ Gegensätze zeichnet die Klavier-Duo-Martinée aus: Die Pianisten Gerrit Zitterbart und Saeyoung Jeong stellen Werke für zwei Klaviere und vierhändige Werke für ein Klavier gegenüber. „Auch hier erlebt der Zuhörer wie Mozart mit der technischen Entwicklung des Klaviers mitging und plötzlich auch für eine größer gewordene Klaviatur komponierte.“

Jugendförderung ist ein Teil der Klaviertage

Ein Trioabend schließt die Klaviertage ab. Gerrit Zitterbart, der mit dem Abegg-Trio sämtliche Klaviertrios von Mozart eingespielt hat, ist hier ganz neu zu erleben: Er musiziert besonders schöne Trios mit der Violinistin Yü-Yen Lin und dem Cellisten Leonid Gorokhov – es wird ein Treffen verschiedener Generationen. Teil der Klaviertage ist die Jugendförderung: So findet am 26. April ein Jugendkonzert mit freiem Eintritt statt. Zitterbart: „Die jungen Besucher sollen Klassik live erleben und sehen wie sich Musiker und Zuhörer auf einer Ebene begegnen.“

Die „ClavierTage“ 2018

Mittwoch, 25. April, um 19.45: Kammerkonzert mit dem Klenke Quartett und Gerrit Zitterbart, Ev.-Reformierten Kirche

Donnerstag, 26. April, um 16 Uhr: Jugendkonzert, Ev.-Reformierte Kirche

Donnerstag, 26. April, um 19.45 Uhr: Akademiekonzert, Ev.-Reformierte Kirche

Freitag, 27. April, um 19.45 Uhr: Klavierabend mit Vlacheslav Shelepov, Clavier-Salon

Sonnabend, 28. April, um 19.45 Uhr: Kammerkonzert mit Friederike Starkloff und Gerrit Zitterbart, Evangelisch-Reformierte Kirche

Sonntag, 29. April, um 11.15 Uhr: Klavier-Duo-Martinée mit Saeyoung Jeong und Gerrit Zitterbart, Clavier-Salon

Sonntag um 19.45 Uhr: Trioabend mit Yü-Yen Li, Leonid Gorokhov und Gerrit Zitterbart, Clavier-Salon

Der Clavier-Salon befindet sich im Stumpfebiel 4 und die Ev.-Reformierte Gemeinde in der Unteren Karspüle 11 in Göttingen. Das komplette Programm ist unter www.clavier-salon-goettingen.de zu finden. Karten über www.reservix.de sowie an den Geschäftsstellen des Tageblattes, Weender Str. 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt.

Von Udo Hinz

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