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Weltweit Kunst in 3-D: „Volumetrische Malerei“
Nachrichten Kultur Weltweit Kunst in 3-D: „Volumetrische Malerei“
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00:28 02.05.2018
Die Galerie-Art-Supplement zeigt Bilder und Videos der Künstlerin Birgitt Fuchs bis zum 26. Mai. Quelle: Habermann
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Göttingen

Mit der 3-D-Brille betrachten die Besucher einen Bildschirm an der Wand. Die Videos zeigen transparente Figuren. Durch die Brille sieht der Betrachter sie im Raum vor sich schweben. Fuchs modelliert Figuren mit einer Knetmasse, die sie dann mit dem Messer in mehr als 80 Scheiben schneidet. Diese bemalt sie und scannt sie ein. Mit einer Software bearbeitet sie die bemalten Scheiben so, dass sie für den Zuschauer durchsichtig sind. Der Betrachter taucht am Ende wie mit Röntgenblick in die Figur ein. Sie gibt durch die Art, wie sie sich bewegt, Perspektiven auf ihren bemalten Innenraum frei. Figuren in der Figur treten vor das Auge des Betrachters. Während dieser vor dem Bildschirm stehen bleibt, scheinen seine Augen durch die Figuren zu wandern. Durch den Bewegungsfluss der Körper verschiebt sich die Perspektive beständig. Alte Bilder verschwinden dabei, neue tauchen auf.

GEDOK-Werkpreis erhalten

„Volumetrische Malerei“ hat Fuchs ihre Methode genannt, für die sie den GEDOK-Werkpreis bekommen hat. Die GEDOK ist ein Verband von Künstlern und Kunstförderern - das älteste und europaweit größte Netzwerk für Künstler.

Beim Bemalen einer Scheibe muss Fuchs mit den Gedanken schon bei der nächsten Scheibe sein. Denn erst durch die Schichtung aller Scheiben ergibt sich am Ende der Raum im Bild samt Motiven. Das Malen könne schon eine Woche dauern, sagt Fuchs. „Das ist dann wie eine Geburt“, beschreibt sie den Moment, indem sie mit der Software die gescannten Motive zusammenfügt. „Ich weiß vorher nie gewiss, ob alles funktioniert und ob man alles richtig sieht.“

Fuchs Ehemann programmiert die Software

Die Künstlerin arbeit auch mit Collagen, die sie in die Scheiben klebt. Unter anderem das Bild eines Sees und das eines Schwimmers, der einen Kopfsprung macht. Die Kamera fährt am Ende so durch die Figur, dass der Blick der Richtung seines Sprunges folgt. „Ich hab bei keiner Figur erlebt, dass ich enttäuscht war“, betont die Künstlerin. Ihr Mann habe die Software geschrieben, die eigentlich nicht für sie gedacht war. „Das war Glück.“ Damit könne man keinen beauftragen, das sei unbezahlbar.

Körper in Bewegung ziehen sich durch das Werk der Freiburger Künstlerin. Die Figuren in ihren Bildern teilen die gleiche Pose. Sie scheinen aus dem Bild heraus zu treten. Ihre Zeichnungen ritzt Fuchs mit einer Nadel in Acrylfarbe, die sie auf Glasplatten aufgetragen hat. Die feinen Striche in weißer und schwarzer Farbe bekommen räumliche Tiefe. Denn hinter das Glas hat sie farbige Bilder aus Zeitungen geklebt. Die Betrachter mussten sich dem Werk nähern, um das Bild hinter dem Bild zu erfassen. Hinterglasbild, nennt Fuchs diese Art Bild.

Faszination am menschlichen Körper

Die Faszination am menschlichen Körper habe mit ihrem früheren Beruf zu tun. Fuchs kommt aus Göttingen und hat hier 35 Jahre gelebt. Sie war anatomische Zeichnerin am Uni-Klinikum. Die Künstlerin zeichnete Körper unter anderem bei Operationen. Auch Röntgenbilder habe sie zeichnerisch umgesetzt. Studenten benötigen solche Zeichnungen zum Lernen. Gefragt, was für Kunst durch technische Innovationen in Zukunft möglich sei, antwortete Fuchs: „Mein Traum ist, dass einer meiner Figuren im Raum steht und man durch sie hindurch gehen kann.“ Möglicherweise ließe sich das mit Virtual-Reality-Brillen verwirklichen.

Von Julian Habermann

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