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Weltweit Maluma tourt durch Deutschland – und spaltet mit seiner Musik die Geister
Nachrichten Kultur Weltweit Maluma tourt durch Deutschland – und spaltet mit seiner Musik die Geister
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09:17 27.09.2018
Der Kolumbianer Juan Luis Londono alias Maluma. Quelle: dpa
Berlin

Am Anfang standen Hits wie der von Edgardo Franco: „Du bist meine Mamita, süß und heiß“ sang der Musiker aus Panama unter dem Künstlernamen „El General“ in den 1990er Jahren zu einem harten, eindringlichen Elektro-Bass: Der Reggaeton, eine Mischung aus Rap, Reggae und weiteren karibischem Klängen, war geboren. Künstler aus Puerto Rico wie Daddy Yankee („Gasolina“) oder Don Omar („Dale“), die es auch hierzulande in die Charts schafften, gaben ihm einen weiteren Schliff.

Tourauftakt in Hamburg

Heute ist das Genre weltweit bekannt – und erfolgreich wie nie: Der Sommerhit „Despacito“ von Luis Fonsi und Daddy Yankee brach 2017 alle Rekorde als eines der meistgehörten Lieder in der Geschichte des Streamings und der Musikplattformen. Auch in Europa gibt es längst zahllose Anhänger der Musikrichtung, die inzwischen weitere Stars hervorgebracht hat.

Einer der angesagtesten ist derzeit der Kolumbianer Maluma, der in Kürze durch Deutschland touren wird. Der 24-jährige Beau aus Medellín mit dem bürgerlichen Namen Juan Luis Londoño Arias will die Hallen füllen, zum Auftakt am 2. Oktober in Hamburg.

Die neue Generation

Maluma gehört wie etwa auch Luis Fonsi zu einer neuen Generation Reggaeton-Musiker: der Rhythmus hämmert bei ihnen mittlerweile nicht mehr ganz so knallhart, und manchmal klingen die Lieder sogar wie Schmusesongs. Geblieben sind aber die höchst brisanten Texte eindeutig sexuellen Inhalts – für die einen klar sexistisch bis frauenfeindlich, für die anderen lediglich Beiwerk zum mitreißenden Rhythmus.

„Ich achte nicht so sehr auf den Text“, sagt etwa die Spanierin Ana auf einem Fest in Madrid. „Seit Daddy Yankees „Gasolina“ bringt diese Musik alle zum Tanzen (...)“. Und zum hocherotischen Tanzstil, der stark an sexuelle Posen erinnert, meint die 27-Jährige: „Nur, weil ich so tanze, heißt das nicht, dass ich mit jedermann ins Bett gehe.“

Maluma spaltet spanische Geister

Gerade Maluma hatte vor seinen Auftritten Anfang September in Spanien die Geister gespalten. „Ich bin in vier (Babys) verliebt, sie geben mir immer, was ich will, haben Sex, wann ich es sage, keine widerspricht mir“, singt er etwa in dem Lied „Cuatro Babys“. In Spanien hatte es sogar Versuche gegeben, den Song verbieten zu lassen. In so einigen der Videoclips der Reggaeton-Stars räkeln sich halbnackte Schönheiten mit eindeutigen Botschaften um männliche, muskulöse Astralkörper.

Dass der Reggaeton aber nur männlichen Musikern vorbehalten wäre und Frauen lediglich die erotische Kulisse liefern, lässt sich wahrlich nicht behaupten. Schon vor zwei Jahrzehnten mischte die legendäre Puertoricanerin Ivy Queen, heute 46 Jahre, kräftig mit. Und ebnete damit auch den jüngst aufgegangenen weiblichen Stars der Szene wie der Brasilianerin Anitta oder der US-Amerikanerin Becky G den Weg. „Ich möchte tanzen, (...) Du kannst mich provozieren, doch das heißt nicht, dass ich (mit Dir) ins Bett gehe“, sang Ivy Queen etwa in ihrem Hit „Yo Quiero Bailar“ (Ich möchte tanzen) aus dem Jahr 2003.

Musik als Mission

„Ich mache gewagte Musik, um die Frauen zu befreien“, sagt die 25-jährige Anitta in einem Zeitungsinterview. In einem ihrer Lieder – „Downtown“ mit dem Kolumbianer J Balvin – heißt es dann auch: „In den Nächten bin ich diejenige, die bestimmt, was passieren wird, kommandiere mich nicht herum.“

Auch die Spanierin Brisa Foney hat eine Mission, wenn sie etwa ganz schlicht gekleidet am Klavier sitzt und „Lo Malo“ (Das Schlechte“) – eine Interpretation des Hits „Bad Boys“ aus dem gleichnamigen Film mit Will Smith – singt. „Ich möchte den jungen Leuten eine Botschaft mit auf den Weg geben, zugunsten der Frau, zugunsten des Guten, (...) und gegen das, was so viele Lieder dieses Genres vermitteln“, sagt die 27-Jährige.

Die geballte Fülle von Musikerinnen, die sich derzeit dem Reggaeton widmen, ist für die kolumbianische Psychologin Andrea Rubio Ausdruck der weltweiten Aktualität in Zeiten von #MeToo: „All diese feministischen Bewegungen, die sich gegen Ungleichheit, sexuellen Missbrauch und Belästigungen wenden, sind in den letzten zwölf Monaten für Frauen in den Mittelpunkt gerückt wie nie zuvor – ohne, dass natürlich dadurch diese Probleme verschwinden würden“, sagt die Wissenschaftlerin, die an der Universität Florida promoviert.

Von dpa / RND

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