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Weltweit Markaris mit Gespür für die Krise
Nachrichten Kultur Weltweit Markaris mit Gespür für die Krise
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12:48 19.09.2017
Lesung im Max-Planck-Gymnasium: Petros Markaris. Quelle: Niklas Richter
Göttingen

„Offshore ist ein Neubeginn für mich“, erklärt Petros Markaris seinem Publikum. Er wollte keine Romane mehr über die griechische Krise schreiben. Herausgekommen ist: ein Roman über die griechische Krise. Markaris wagt mit den Protagonisten seiner Krimi-Reihe um den Kommissar Kostas Charitos einen Blick in die Zukunft. Was wäre, wenn es wieder Geld in Griechenland gäbe? Wie würden die Griechen darauf reagieren? Eine mysteriöse Partei wird als Antwort auf das Politikversagen in der Vergangenheit gegründet. Die „WWW“ lockt die Wähler mit der Frage: „Was wäre wenn?“ und lädt zum Träumen über Werte, Wirtschaft und Wohlstand ein. Drei Buchstaben, drei Worte und drei Monate Zeit an der Regierung. Durch Privatisierungen kommt die Wirtschaft wieder in Schwung, die Menschen fahren wieder Auto in Athen. Doch der griesgrämige Kommissar Charitos ist skeptisch. Weniger als Morde beschäftigt ihn die Frage, woher das Geld kommt. Seine eigene Tochter Katerina ist gutgläubiger: Sie freut sich auf schnelle Kredite und ein neues Auto.

Markaris konstruiert die Familie seines Kommissars als griechische Protoypen. Die Naivität von Katerina hält Markaris für ein Problem der jungen griechischen Generation: „Ich bin zu der Schlussfolgerung gelangt, dass jene Generation, die in den 50er und 60er-Jahren in Armut gelebt hat, misstrauischer ist. Die jüngere Generation hat nichts aus der Krise gelernt.“

Markaris bedient das Genre Krimi nur vordergründig. Natürlich gibt es einen Mord, doch Kommissar Charitos klärt ihn schnell auf. Der Autor verrät auch schon, wer stirbt: „Der Journalist Sotiropoulos wird ermordet.“ Viele Leser seien darüber enttäuscht, deshalb findet Markaris: „Besser, Sie wissen es schon.“ Das Publikum in der Aula des Max-Planck-Gymnasiums interessiert sich auch eher für Griechenland und das Leben nach der Krise. Die wenigen Schüler im Publikum haben die kritischsten Fragen an den 80-Jährigen Markaris. Sie wollen wissen, ob Griechenland zur Drachme zurückkehren könnte. Markaris antwortet mit der Theorie des Labyrinths: „Kein Mensch zwingt einen, in das Labyrinth hineinzugehen. Aber wenn man drinnen ist, dann kann man nicht mehr einfach abhauen.“ Für Markaris ist die Euro-Zone ein Labyrinth. Und als einer, der in Griechenland und der Türkei schon mehrere Diktaturen miterlebt hat, weiß er auch: „Einfache Antworten gibt es nicht.“

Die zentrale Frage des Romans wird an diesem Abend nicht geklärt: Woher kommt das Geld? Die Antwort will der Athener Schriftsteller nicht verraten: „Wenn ich als Krimi-Autor das Ende meines Romans verrate, dann kann ich aufhören, Krimis zu schreiben.“

Von Jorid Engler

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