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Weltweit „Mission Impossible 6“: Mensch, Ethan!
Nachrichten Kultur Weltweit „Mission Impossible 6“: Mensch, Ethan!
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07:04 09.08.2018
Bloß nicht hängen lassen: Tom Cruise als Spion Ethan Hunt hat wieder eine unmögliche Mission. Quelle: Verleih
Hannover

Wenn eine Agentenmission mit einer Buchausgabe der „Odyssee“ beginnt, zeigt das zweierlei: Weite Reisen stehen an, und Kultur spielt durchaus eine Rolle. Beides gilt für Ethan Hunts Aufgabe in „Mission: Impossible – Fallout“. Der Weg führt Hunt von Berlin über Paris und London bis in die eisigen Bergplateaus von Kaschmir. Dabei werden europäische Ikonen wie das Grand Palais, der Triumphbogen oder die Tate Modern Schauplätze spektakulärer Verfolgungsjagden – wahlweise per LKW, Motorrad, Helikopter oder zu Fuß. Soweit bleibt also alles beim Alten und wie immer ein großer Spaß, könnte man beim sechsten Teil der Reihe sagen, die dem mittlerweile 56-jähigen, immer noch unglaublich einsatzbereiten Tom Cruise alles abverlangt an körperlicher Fitness. Mimetisch-charakterliche Finesse ist weniger gefragt. Und doch ist einiges anders.

Die Welt der Geheimdienste, in dem sich die zunehmend auf Humor und einen gewissen Fatalismus setzende Truppe („Wir schaffen das schon irgendwie“) der „Impossible Missions Force“ (IMF) bewegt, ist noch undurchsichtiger und anfälliger für Infiltration und Korruption geworden. Bei Angela Bassett als neuer CIA-Chefin ist man nie sicher, ob sie nicht mit den Terroristen unter einer Decke steckt. Henry Cavill macht als CIA-Agent schlagkräftig bella figura. Die schöne Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) ist Hunt nicht nur auf dem Motorrad ebenbürtig. Und der britische Geheimdienst, dessen Abtrünniger Solomon Lane (Sean Harris) wie schon in „Rough Nation“ der große Gegenspieler ist, arbeitet in Sachen Waffenhandel mit einer ominösen „Weißen Witwe“ (glamourös und wunderbar selbstironisch: Vanessa Kirby) zusammen.

So ist der Job

Entscheidend jedoch ist die Botschaft, dass ein Menschenleben im Zweifel mehr zählt als die Verhinderung einer Menschheitskatastrophe. Hunt, der schon mehrere Aufträge fast daran hat scheitern lassen, dass er nicht bereit war, auch nur einen seiner Freunde für die „größere“ Sache zu opfern, muss sich von den CIA-Profis belehren lassen: „So ist der Job.“ Im entscheidenden Moment lässt er dann aber noch eine verletzte Polizistin nicht im Stich. Lieber riskiert er einen Atombombenanschlag als seinen Freund Luther (cool wie immer: Ving Rhames) aufzugeben. Mit diesem humanen Grundkonzept, das der Film effektvoll mit Ausflügen in elende Flüchtlingslager, Pockenepidemien und der Drohung der Vernichtung ganzer Großstädte kontrastiert, hat „Fallout“ trotz aller Hightech-Spielereien die Moral auf seiner Seite – und das ist nicht selbstverständlich für einen Actionfilm.

Und doch lässt “MI 6“ sich die größte Steilvorlage entgehen. Immerhin hat das ominöse Syndikat, das die IMF jagt, eine Untergruppe namens „Die Apostel“ gegründet. Die religiösen Stätten in Rom, Jerusalem und Mekka sollen zerstört werden. Doch Regisseur und Drehbuchautor Christopher McQuarrie verfolgt die Spur vom (anti)religiösen Fanatismus nicht weiter. Stattdessen geht es am Ende so klassisch wie konventionell und atemberaubend knapp um die Entschärfung der Atombombe. Wenn sich doch alle globalen Probleme mit einer Kneifzange lösen ließen.

Von Christina Tilmann

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