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Weltweit „Niemandsland“: Einsame Seelen in Hamburg
Nachrichten Kultur Weltweit „Niemandsland“: Einsame Seelen in Hamburg
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04:00 10.04.2019
Unglück droht: Das Ehepaar Rachael (Keira Knightley) und Lewis Morgan (Jason Clarke). Quelle: Fox
Hannover

Krieg und Liebe ist ein im Kino beliebtes Gegensatzpaar, auf das nun auch James Kent in „Niemandsland“ setzt. Der Regisseur sieht sich offenbar in den Traditionen großer Dramen wie „Krieg und Frieden“ oder „Vom Winde verweht“ und versucht sich an einer Dreiecks-Liebesgeschichte im Nachkriegsdeutschland.

Hamburg 1946: Die Stadt ist nach den Bombardierungen der Alliierten in weiten Teilen zerstört. Als britischer Besatzungsoffizier kommt Lewis Morgan (Jason Clarke) in Begleitung seiner Frau Rachael (Keira Knightley) nach Deutschland. Die Armee hat für das Ehepaar eine Villa am Rande der Hansestadt beschlagnahmt, die dem Architekten Stefan Lubert (Alexander Skarsgård) gehört. Als der Brite sieht, wie Lubert und seine 15-jährige Tochter Freda (herausragend: die deutsche Flora Thiemann) ihr Heim räumen, lädt er sie ein zu bleiben und Quartier auf dem Dachboden zu beziehen.

Wenig begeister von den Untermietern

Wenig begeistert scheint seine Frau Rachael von den deutschen Untermietern. Im Haus besteht sie auf klare Grenzziehungen und zeigt sich gegenüber der bescheidenen Höflichkeit des alleinerziehenden Witwers reserviert. Doch ist dem Publikum angesichts der bedeutsam konstruierten Blickwechsel schnell klar, dass sich die beiden zueinander hingezogen fühlen und ein ungeheuer gut aussehendes Liebespaar abgeben werden.

Bald stellt sich heraus, dass Rachael ihr Kind durch deutsche und Stefan seine Frau durch alliierte Bomben verloren hat. Wenn sich dann die trauernde Mutter abends an den Flügel setzt und mit Debussys „Clair de Lune“ das Lieblingslied beider Verstorbenen intoniert, ist der emotionale Boden bereitet für leidenschaftliche Begierden über alle Vorurteile hinweg.

Die emotionale Hardware stimmt nicht

Als großes Melodrama hat TV-Routinier KentNiemandsland“ angelegt und kommt doch nicht über eine Edel-Schmonzette hinaus. Dabei verfügt er über beste Voraussetzungen: Keira Knightley hat es bisher noch jeden Historienfilm veredelt. Alexander Skarsgård verfügt über alle optischen Qualitäten für die Herzensbrecherrolle, und Jason Clarke besitzt die schauspielerische Durchlässigkeit, um unterdrückte Emotionen sichtbar zu machen. Wim-Wenders-Kameramann Franz Lustig („Don’t Come Knocking“) weiß mit Bildformaten klassischer Melodramen umzugehen, und Kostümbildnerin Bojana Nikitovic („Papillon“) macht jeden Auftritt Knightleys durch Textilien von erlesener Schlichtheit zu einem Ereignis.

Hilft aber alles nichts, wenn die emotionale Hardware nicht stimmt. Mit Trauer, Trauma, Liebe, Verlust und Krieg stehen hier große Gefühle auf dem Spiel, die aber unter der biederen Regie stets bloße Behauptung bleiben. Statt in den interessanten Konflikt zwischen kriegsbedingten Vorurteilen und amourösen Anziehungskräften einzusteigen, ergeht sich die Erzählung in der Aneinanderreihung melodramatischer Klischees und verbreitet große, glanzvolle Leere.

Von Martin Schwickert / RND

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