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Weltweit Sechs Lesetipps für den Sommer
Nachrichten Kultur Weltweit Sechs Lesetipps für den Sommer
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13:59 28.06.2018
Lesen im Bikini: Wir stellen die besten Bücher für den Urlaub vor. Quelle: obs/Börsenverein des Deutschen Buchhandels
Hannover

Für viele gehört ein gutes Buch ins Reisegepäck und auch zuhause bleibt in den Ferien meist Zeit für die Lektüre. Vorgestellt werden unter anderem Romane von Autoren wie Gerhard Henschel, Anna C. Neumann oder Claire Douglas. Mit „Missing“ lieferte sie den Überraschungsbestseller des britischen Büchermarktes 2017. Jetzt erscheint der Krimi auf Deutsch.

Natur und Gewalt. Quelle: Verlag

Zum Eisbrechen

Es stinkt nach Blut und Urin, nach Schweiß und Angst – und das muss auch so sein in diesem packenden Abenteuerroman: In „Nordwasser“ (Mare-Verlag; 304 Seiten, 22 Euro) des britischen Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Ian McGuire bricht der Leser auf einem Walfangschiff Mitte des 19. Jahrhunderts gen Grönland auf. Die Gewalt ist allgegenwärtig in dieser sinnlichen Geschichte, die auf ein Duell zweier Männer zuläuft: Der skrupellose Harpunierer und der opiumsüchtige Bordarzt geraten aneinander – und auch der Kapitän trägt ein Geheimnis mit sich herum. Der Autor ist in Hull aufgewachsen, dem ehemaligen Zentrum der britischen Walfangindustrie. Er kommt dem Schrecken des Eises und der Finsternis inmitten einer grandiosen Natur ganz nahe. Wer Jack London liebt, garniert mit einer Prise Herman Melville, sollte sofort die Leinen losmachen. Stefan Stosch

Zum Rätselraten

Ein leeres Grab und ein Mordfall, der zu einem lang zurückliegenden Verbrechen führt, bei dem Anfang der Neunziger die junge Band Flamethrower ausgelöscht wurde: Der neue Fall, der die Kommissarinnen Ingrid Nyström und Stina Forss in „Erzengel“ (Kiwi Taschenbuch; 496 Seiten, 10,99 Euro) umtreibt, führt die beiden Ermittlerinnen aus Växjö auf etliche Ab- und Umwege. Das deutsch-schwedische Autorenduo Voosen/Danielsson hat auch dem neuen Buch einen realen Fall zugrunde gelegt. Von da führt der Weg in die Heavy-Metal-Szene, die Erzmine nach Kiruna, nach Göteborg zu den Hinterbliebenen der Ermordeten und nach Afrika. Ganz schön verzwickt – aber das Rätselraten macht Spaß. Nicht nur wegen der gut recherchierten Hintergründe, sondern auch, weil Voosen/Danielsson ein Händchen haben für eigenwillige Typenzeichnungen. Ruth Bender

Flucht durch Zeitreise Quelle: Verlag

Zum Zeitreisen

Etwa 80 Jahre nach einer großen Katastrophe: Rebellen wollen die Gegend von Eroberern befreien, Räuber plündern und morden. Kunst und Kultur sind verboten – doch der junge Künstler Antonio hat keine Angst. Er, Allegra und eine Freundin geraten in Gefahr, können sich aber durch eine Zeitreise retten. Sie landen in einem europäischen Krieg um 1806, lernen Goethe kennen und holen wertvolle Dinge aus der verlorenen Zivilisation zurück. Anna C. Naumann erschafft in „Forest – Liebe und Abenteuer in Licht und Schatten“ (epubli, 576 Seiten, 17,99 Euro) eine Welt voller schillernder Charaktere. Mord, Liebe, Eifersucht, Intrigen, Magie – man fiebert mit und ist überrascht, wie sich am Ende alle Fäden zusammenfügen. Stark sind die lebendigen Dialoge – kein Wunder, die Autorin hat vor ihrem Romandebüt Drehbücher geschrieben.

Heitere Familiengeschichte Quelle: Verlag

Zum Lächeln

Marco Göllner ist eigentlich ein Hörspiel-Mann, seine Stimme unter anderem in der Podcast-Serie „Fest & Flauschig“ von Jan Böhmermann und Olli Schulz zu hören. In seinem ersten Buch „Oma Martha & ich“ (Rowohlt Taschenbuch; 208 Seiten, 12 Euro) trifft er im Ton gestandener Lesebühnenautoren ins Herz aller, die gern Familiengeschichten lesen. Alles dreht sich um Oma Martha, deren Schwägerin Üttchen, Onkel Friedlich und Tante Creme. Und um Enkel Marco natürlich, der die Episoden erzählt. Marco Göllner ist Jahrgang 1971, die Begebenheiten klingen aber nach den Fünfzigerjahren, was daran liegen mag, dass sie sich in der Provinz zutragen, in Bad Salzuflen nämlich. Hier strukturieren Gewitztheit und Pragmatismus den Tag. Kindermund und Mutterwitz lesen sich durchweg mit einem Lächeln auf den Lippen. Janina Fleischer

Ein Stück Biografie Quelle: Verlag

Zum Mitleben

Am 15. September erscheint ein besonderer Roman: Der „Erfolgsroman“ von Gerhard Henschel. Darin wird der Autor von Martin Schlosser erzählen, der als Schriftsteller erfolgreich wird. Um sich auf dieses Buch einzustimmen, empfiehlt sich die Lektüre des „Arbeiterromans“ (Hoffmann und Campe; 528 Seiten, 25 Euro). Darin erzählt Gerhard Henschel, wie Martin Schlosser sein Studium abgebrochen hat, als Hilfsarbeiter einer Spedition tätig ist und von seiner Freundin Andrea verlassen wird. Niemand beschreibt den Alltag so großartig wie Gerhard Henschel. Mit den Vorgängerromanen („Künstlerroman“, „Bildungsroman“, „Abenteuerroman“, „Liebesroman“, „Jugendroman“ und „Kindheitsroman“) kann man das ganze Leben Martin Schlossers verfolgen. Aber dazu ist ein Sommer zu kurz. Ronald Meyer-Arlt

Zwei Frauen, dunkle Geheimnisse Quelle: Verlag

Zum Rekonstruieren

Wer den Sommer gern in verschlafenen Küstenstädtchen verbringt, lernt die Idylle bei dieser Lektüre von der Gruselseite kennen: Das fiktive Oldcliffe-on-Sea ist in Claire Douglas’ Roman „Missing – Niemand sagt die ganze Wahrheit“ (Penguin; 448 Seiten, 13 Euro) ein Ort dunkler Geheimnisse. Die Seelen der kleingeistigen Dorfbewohner sind so schwarz wie das Wasser unter dem brüchigen alten Pier. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven rekonstruiert: Francesca ist vor ihrer Vergangenheit in die Großstadt London geflüchtet, kehrt aber nach einem Leichenfund in ihre alte Heimat zurück, um herauszufinden, was vor Jahren mit ihrer besten Freundin Sophie geschah. Diese wiederum enthüllt in Rückblenden aus dem Jahr 1997, wie es zur Tragödie kam. Ein atmosphärischer Psychothriller über brüchige Wahrheiten, der hoffen lässt, dass auch die anderen Romane der Britin ins Deutsche übersetzt werden. Nina May

Von Stefan Stosch, Ruth Bender, Petra Haase, Janina Fleischer, Ronald Meyer-Arlt und Nina May

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