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Medien „Ekel Alfred“-Erfinder Menge ist tot
Nachrichten Medien „Ekel Alfred“-Erfinder Menge ist tot
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11:46 03.12.2012
Ein Bild aus alten Tagen (1975): Im Lauf seiner Karriere erhielt Wolfgang Menge unter anderem zwei Grimme-Preise, mehrere Bambis und Fernsehpreise. Quelle: dpa/Archiv 01.09.1975
Berlin

Menge begeisterte das Fernsehpublikum mit TV-Serien wie „Ein Herz und eine Seele“ (25 Folgen zwischen 1973 und 1976) mit der von ihm erfundenen Figur Alfred Tetzlaff, genannt „Ekel Alfred“ - gespielt von Heinz Schubert. Nach der Wiedervereinigung ließ er den Berliner Frührentner „Motzki“ über die „Ossis“ herziehen - und erntete vor allem im Osten damit viel Beifall.

Schon vorher hatte Menge 1970 mit dem visionären Spektakel „Das Millionenspiel“ Aufsehen erregt. Darin geht es um eine Spielshow, in der ein Kandidat (Jörg Pleva) eine Million Mark gewinnen kann, wenn er eine Hetzjagd von Killern überlebt. Menge war 1974 Mitbegründer der Radio-Bremen-Talkshow „III nach Neun“, heute “3nach9“.

Geprägt wurde der 1924 in Berlin geborene Autor von seinem Familienschicksal. Die Nazis ermordeten alle Angehörigen seiner jüdischen Mutter. Nach dem Krieg wurde er Reporter beim German News Service, dem Vorläufer der Deutschen Presse-Agentur dpa. 1949 ging er zum „Hamburger Abendblatt“. Als Korrespondent für „Die „Welt“ berichtete er ab 1954 aus Tokio und Hongkong über Ostasien.

Doch schon früh zeigte Menge seine Begabung, politische Fragen mit spannender Unterhaltung zu verbinden, etwa in der für den Hörfunk geschrieben Dialogreihe „Adrian und Alexander“, aus der später die TV-Serie „Hallo Nachbarn“ entstand. Er schrieb Drehbücher zu Filmen wie „Strafbataillon 999“ oder „Polizeirevier Davidswache“ und später für den „Tatort“-Vorläufer „Stahlnetz“.

Doch seinen größten Erfolg hatte Menge mit der Politsatire „Ein Herz und eine Seele“. In der Zeit der Studentenproteste schuf er mit dem Sozi-Hasser „Ekel Alfred“ aus dem Ruhrpott den Inbegriff des westdeutschen Spießers. An der Seite des reaktionären Familienoberhaupts trat als Ehefrau Elisabeth Wiedemann auf, die Tochter spielte Hildegard Krekel und den Schwiegersohn Diether Krebs.

Immer wieder kehrte Menge zu den Geschichtsthemen zurück. Für den WDR drehte er einen Fünfteiler über den Alltag in Preußen, zur 750-Jahre-Feier Berlins porträtierte er das Leben in der deutschen Hauptstadt zwischen 1938 und 1944. 2001 zeichnete er im Film „Eine tödliche Liebe“ die verhängnisvolle Affäre zwischen dem früheren Bundeswehr-General Gerd Bastian und der von ihm in den Tod gerissenen Grünen-Politikerin Petra Kelly.

Im Oktober 2002 wurde Menge mit dem Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk geehrt. Mit seinen realitätsnahen wie visionären Geschichten habe er das deutsche Fernsehen wie kein andere geprägt, heiß es bei der Verleihung. Menge hinterlässt eine Frau und drei Söhne. Die Trauerfeier soll nächste Woche im engsten Familienkreis stattfinden.

dpa/tmn

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