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13:47 29.05.2018
Ein Gecko als surreales Element: Benedict Cumberbatch arbeitet in der Serie „Patrick Melrose“ in und mit Whiskey. Quelle: Sky
Berlin

Benedict Cumberbatch in der Badewanne: Diese Vorstellung wird den Atem vieler Zuschauerinnen beschleunigen. Doch der Frauenschwarm aus „Sherlock“ gibt sich in seiner jüngsten Serie alles andere als sexy: In der Badewanne versinkt er, um vor der Welt zu entfliehen, dabei helfen außerdem Whiskey, Heroin – und welche Drogen sonst gerade noch griffbereit sind.

Die erste Folge der Sky-Serie „Patrick Melrose“ beginnt mit einem Anruf: Melrose (Cumberbatch) erfährt vom Tod seines Vaters. Er sinkt auf die Knie. Jedoch nicht aus Trauer, wie erst auf den zweiten Blick klar wird, sondern weil ihm eine Spritze aus der Hand geglitten ist. Melrose ist high. Als er den Hörer auflegt, stiehlt sich ein gruseliges Lächeln auf sein Gesicht.

Er verliert schon mal die Realität aus den Augen. Quelle: Sky

Diese starke Einstiegsszene macht deutlich, was in dieser Literaturverfilmung nach fünf semiautobiografischen Novellen von Edward St Aubyn im Zentrum steht: eine gebrochene Persönlichkeit mit dunkler Vergangenheit. Wie sich im Verlauf der ersten Folge in Rückblicken und nur andeutungsweise herausstellt, wurde die Titelfigur ihrerKindheit vom Vater (Hugo Weaving) missbraucht. Cumberbatch spielt den Erwachsenen als Neurotiker, der sich nach dem Tod seines Vaters aus seiner Drogensucht befreien will, aber zunächst kläglich scheitert. Wie er mit der Urne in der Hand in seinem Nobelhotelzimmer randaliert, im Restaurant auf dem Weg auf die Toilette immer wieder an der Wand hinunterrutscht oder den Stöpsel aus der überlaufenden Badewanne mit brühend heißem Wasser zieht – die Serie ist voll von solchen tragikomischen Slapstickszenen.

Der Darsteller Cumberbatch hat als arroganter Sherlock Holmes oder als abgehobener Dr. Strange einen Hang zur Hybris. Diesmal changiert er brillant zwischen Selbstüberschätzung – zum Beispiel in Bezug auf seine Wirkung auf Frauen – und Zerrissenheit. Wie er einerseits mit der Haltung eines reichen Aristokraten durchs Leben geht, andererseits sich auf Drogenentzug selbst die ekeligsten Spritzen in den Arm rammt, ist ein gelungener Gegensatz in der Figurenzeichnung. Für den surrealen Blick auf die Wirklichkeit steht ein Gecko, der sich wiederholt ins Bild schleicht.

Jede der fünf Serienfolgen basiert auf einem Buch. Gedreht wurde in Südfrankreich, New York und London. Diese Orte korrespondieren mit den Settings in den Novellen, die im Süden Frankreichs in den Sechzigerjahren beginnen, im New York der Achtzigerjahre spielen und zu Beginn des 21. Jahrhunderts in London enden. Regisseur der britisch-amerikanischen Koproduktion ist der Deutsche Edward Berger, der für seine Serie „Deutschland 83“ bekannt ist. Das Drehbuch schrieb der britische Bestsellerautor David Nicholls („Zwei an einem Tag“), der bereits mit seiner Version von Charles Dickens’ „Große Erwartungen“ (2012) sein Fingerspitzengefühl bei der Adaption von Romanen erwies.

Sky beweist mit dieser Serie, dass der Sender in Sachen Anspruch, Erzähldramaturgie und Staraufgebot mit Netflix mithalten kann, zu sehen ab 29. Mai immer dienstags um 20.15 Uhr auf Sky1.

Von Nina May/RND

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