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Fernsehen Dortmunder „Tatort“: Die Eleganz des Teufels
Nachrichten Medien Fernsehen Dortmunder „Tatort“: Die Eleganz des Teufels
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07:36 13.04.2019
Zur Probe: Peter Faber (Jörg Hartmann, links) und Martina Bönisch (Anna Schudt, rechts) stellen im Ruheraum der Klinik nach, was dort passiert sein könnte. Quelle: Foto: Thomas Kost/WDR
Dortmund

Der Dortmunder „Tatort“ ist einer der vitaminärmsten Krimis im Land, die Ermittler sind gereizt, blass, gern rasten sie aus und stürzen sich in eine aussichtslose Liebschaft im Kollegenkreis. Das ähnelt einer Form der Selbstbestrafung. Oder wie die Variante einer Krankenhausserie – leider gibt es in dieser Serie nur Patienten, auch wenn Kommissar Faber (Jörg Hartmann) eigentlich mal angetreten war, um den Laden aufzuräumen. Seine Frau und Tochter wurden getötet, ihm ist nicht nur das Leben entglitten, sondern auch der Job.

Und wie geht es dem Patienten Dortmund? Zuletzt gab es großen Streit um die Darstellung der Stadt. Dem Oberbürgermeister wird Dortmund im „Tatort“ zu negativ inszeniert. Er schrieb einen „Brandbrief“ an WDR-Intendanten Tom Buhrow und beklagte, die Region und ihre Einwohner würden „gemobbt“. Der Brief stammt aus dem Januar 2019, die neue Folge „Inferno“ war damals längst fertig und man konnte nicht mehr reagieren. Dortmund nimmt in diesem Film dennoch keinen weiteren Schaden, gedreht wurde vor allem in einem Krankenhaus.

„Inferno“ – eine „Tatort“-Episode wie ein Kammerspiel

Fast gleicht die Episode einem Kammerspiel: Die Internistin Gisela Mohnheim ist im Ruheraum der Notaufnahme tot aufgefunden worden. Sie liegt dort leicht bekleidet und erstickte unter einer Plastiktüte. Selbstmord? Wohl nicht, denn die Tür war von außen verriegelt.

Auf der Station herrschen Überforderung, Missmut, Sehnsucht nach Liebe oder wenigstens nach Orientierung. Durch die Bilder schleicht ein Frauenflüsterer mit Doppeldoktortitel, Dr. Dr. Andreas Norstädter, Stationsvorsteher. Weil sich der Mehltau aus überspannter Männlichkeit und melancholischer Verlorenheit nicht nur über die Klinik, sondern auch über das Kommissariat gelegt hat, lässt sich Faber zu noch mehr Wahnsinn hinreißen. Als Norstädter fragt, ob er Antidepressiva nehme, motzt Faber: „Unter uns, das geht Sie einen Scheiß an.“ Seine Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt) weiß auch nicht weiter, denn Faber tanzt auf dünnem Eis: „Ich sehe nur, dass Sie verrückt sind, aber nicht, was Sie dagegen machen.“

Dortmunder Ermittler neigen zur Nabelschau

In der Klinik lebt man im Ausnahmezustand. Eine der Pflegerinnen rettet kleine Tiere, gerade betreut sie eine Taube im Schuhkarton, der sie den Flügel verbunden hat. Ohne diese Eskapaden kommt man im Dienst nicht mehr zurecht.

Die tote Ärztin hatte Affären in der Klinik, ihre Ehe war schwierig, der Sohn nahm Drogen. Sie hatte Schulden. Ein Pfleger bringt sich um, als er von ihrem Tod erfährt. Er war hoffnungslos in sie verliebt. Weil der Dortmunder „Tatort“ vor allem um seine Ermittler kreist, geht es mit der Aufklärung nur zäh voran.

Das ähnelt im Duktus den Kollegen aus Münster, die ebenfalls zur Nabelschau neigen – aber mit einer Portion Slapstick. Dortmund hingegen ist purer Existenzialismus. Gerade dann, wenn Faber sich von Norstädter eine Portion LSD servieren lässt, um die bösen Träume in den Griff zu kriegen.

Dortmunder „Tatort“: Nur eine halbwegs geglückte Folge

Die Folge „Inferno“ setzt auf grobe Reize, sie scheut sich nicht, ihr Personal als durchweg angeschlagen vorzuführen (Regie: Richard Huber; Drehbuch: Markus Busch). Die Gegenpole werden klar benannt, hier der wundgeschossene Faber, der durch die Straßen noch mit Falkplan läuft, mental ist ihm das 21. Jahrhundert samt dem digitalen Steuern durchs Handy nicht geheuer. Dort der Chefarzt Norstädter, der Nebelkerzen wirft, wie es nur ein guter Psychologe kann. Zu jeder eigenen These denkt er gleich die Gegenthese mit – und treibt so den Gegner in den Wahnsinn, weil jede Position gleichzeitig verständlich wie haltlos wirkt. Norstädter wird gespielt von Alex Brendemühl, dem man Romantik und geistige Verrohung gleichermaßen ansieht. Toll, wenn man den Teufel derart elegant besetzen kann.

Dennoch bleibt „Inferno“ eine nur halbwegs geglückte Folge, weil die dicke Luft im Team inzwischen funktioniert wie ein Reflex. Wenn sie den Mörder überführen, gibt es kein Lagerfeuer und kein Wildschwein wie bei Asterix. Sie machen einfach weiter mit der dicken Luft. Mit Erfolgen können sie noch schlechter umgehen als mit der Enttäuschung.

Von Lars Grote

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