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Fernsehen Jan Weiler über die ZDF-Serie „Das Pubertier“
Nachrichten Medien Fernsehen Jan Weiler über die ZDF-Serie „Das Pubertier“
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14:07 06.09.2017
Szene aus der ZDF-Serie „Das Pubertier“ mit Carla (Mia Kasalo, links), Sara (Chiara Schoras) und Jan (Pasquale Aleardi). Der Autor Jan Weiler (kleines Foto) nahm seine eigene Familie zum Vorbild. Quelle: ZDF
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Sie schreiben in „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ über Ihren Schwiegervater, in der Pubertierreihe, die nun zur Fernsehserie wird, über Ihre Kinder – muss man Angst haben, wenn man Sie in der Familie hat?

Nein. Weil ich alles, das die mir erzählen, so weit verfremde, dass es nichts mehr mit ihnen zu tun hat. Manchmal sind es auch nur Bonmots, die ich übernehme. Zum Beispiel riecht mein Sohn neulich beim Frühstück an seinen Klamotten und sagt: „Ich liebe den Geruch von Döner in meinem Bademantel.“ Solche Sätze sind unbezahlbar. Die speichere ich ab, und irgendwann hole ich sie wieder hervor.

Lesen Ihre Kinder die Kolumnen?

Meine Tochter hat ein technisches Interesse daran. Sie sagt dann: „Aha, jetzt hast du das, was ich neulich erzählt habe, so und so verarbeitet.“ Mein Sohn liest nicht. Höchstens Snowboardmagazine.

In dem Wort steckt ja das Wort „Tier“ drin. Kann man sagen, dass der Mensch sich im Zuge seiner Entwicklung zunächst evolutionsgeschichtlich gesehen zurückentwickelt, eben zum Tier?

Man hat manchmal als Eltern den Eindruck. Meine Tochter wollte sich zum Beispiel einmal ein Ei kochen. Ich habe gesagt: „Du musst das Ei ins Wasser legen.“ Dann kam sie eine halbe Stunde später und meinte: „Habe ich gemacht, es tut sich praktisch nichts.“ Ich habe dann erst mal den Herd angemacht. Da hatte ich den Eindruck, dass wir schon mal weiter waren, als sie sieben war. Die Pubertät ist eben geprägt von großen seelischen, körperlichen und neuronalen Umbaumaßnahmen, das muss man akzeptieren.

Wie würden Sie die wesentlichen Eigenschaften des Pubertiers in einem Lexikonartikel charakterisieren?

Die Eigenschaften sind bei Männchen und Weibchen sehr unterschiedlich. Das weibliche Pubertier ist kommunikativer und widmet sich vorrangig folgenden Beschäftigungen: feiern, chatten und meckern. Männliche Pubertät besteht auch aus drei Beschäftigungen. Nämlich zocken, schweigen. Und stinken.

Im zweiten Band „Im Reich der Pubertiere“ gesellt sich zum weiblichen eben jenes männliche Exemplar. Welches ist bissiger?

Das weibliche. Das männliche ist sogar zum Beißen zu faul. Das weibliche hingegen mutiert mitunter zum Diskutier, zum Lamentier oder zum Boykottier.

Welche Rolle haben Sie als Pubertierforscher bei der ganzen Sache?

Der Pubertierforscher ist eine fiktive Figur aus meinen Kolumnen. In der Geschichte läuft er immer mit einem Klemmbrett durch die Wohnung und macht sich Notizen über die Kinder. Das mache ich aber in Wahrheit … kaum.

Was halten Sie als Experte von dem jährlich gekürten Jugendwort des Jahres?

Gar nichts. Das ist wahnsinnig geschicktes Marketing der Wörterbuch-Firma, und alle tun so, als handele es sich um die Wahl zum Bundespräsidenten. Kein Jugendlicher redet so, wie es da unterstellt wird.

Ihr Kolumnentitel lautet „Mein Leben als Mensch“. Weshalb dieser Titel?

Ich habe keine Zeit für die große Sinnsuche oder die großen Fragen der Menschheit, weil ich unablässig mit den kleinen Fragen des Lebens beschäftigt bin. Das geht mir auf die Nerven. Ich wäre gerne ein wahnsinnig seriöser und puplangweiliger Schriftsteller, der immer ganz ernste Dinge tut. Doch immer, wenn ich anfangen will zu grübeln, muss ich jemanden zum Tennis fahren.

Autor Jan Weiler Quelle: dpa

Haben Sie Angst vor der Zeit, wenn Ihre Pubertiere flügge geworden sind und das Nest verlassen?

Ach nein, gar nicht. Ich freue mich schon darauf, die Kinder dann zu besuchen und mit ihnen auf eine Studentenparty zu gehen, Bier aus dem Badewannenvorrat zu trinken und mit 23-Jährigen in der Küche zu stehen und die Weltformel zu finden.

Glauben Sie, Ihre Kinder freuen sich da auch drauf?

Nein, die mögen das überhaupt nicht, wenn ich mich bei Partys aufdränge. Meine Tochter sagt dann: „Tu mir bitte einen Gefallen: nicht tanzen.“ Als sie dann doch das erste Mal mit mir getanzt hat, war ich unglaublich gerührt.

Wie ist es für Sie als Autor, Ihre literarische Figur jetzt als Fernsehheldin zu sehen?

Das ist aufregend. Aber das ist es bei jedem Projekt. Es ist einfach spannend, wenn sich Schauspieler dieser Figuren annehmen und sie gestalten. Ich bewundere das sehr.

Wenn Sie die junge Schauspielerin in der Rolle sehen – kommen da Vatergefühle auf?

Nein, gar nicht. So weit gehen die Beschützerinstinkte gegenüber der literarischen Figur nicht.

Zur Person

Jan Weiler ist 49 Jahre alt, Autor und Journalist. Er war Chefredakteur des „SZ-Magazins“ und schreibt unter anderem eine Kolumne in der „Welt am Sonntag“. Bekannt ist er auch für das auch als Filmversion erfolgreiche Buch „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ , in dem er über seinen Schwiegervater schreibt, der einst als italienischer Gastarbeiter nach Deutschland kam. In „Das Pubertier“ schreibt Weiler anekdotenhafte Kolumnen über seine Teenagerkinder. Das ZDF zeigt ab 7.9. um 20.15 Uhr eine Adaption als Familien-Serie.

Von Nina May/RND

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