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Fernsehen Jessica Schwarz: „Kommissarin zu spielen fand ich früher wenig reizvoll“
Nachrichten Medien Fernsehen Jessica Schwarz: „Kommissarin zu spielen fand ich früher wenig reizvoll“
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08:28 08.04.2019
Jessica Schwarz Quelle: Foto: dpa
Hannover

Lange hat sich Schauspielerin Jessica Schwarz (41) dagegen gewehrt, eine Rolle als Ermittlerin anzunehmen. Wieso sie für den ZDF-Zweiteiler „Und tot bist Du! Ein Schwarzwaldkrimi“ (Montag, 8. April, und Mittwoch, 10. April, jeweils 20.15 Uhr) eine Ausnahme machte, weshalb sie beim Dreh auf ihr Handy verzichten musste und warum sie an ihren verstorbenen Vater denken musste.

Mussten Sie erst 40 Jahre alt werden, bis man Ihnen eine Rolle als Kommissarin angeboten hat?

Tatsächlich habe ich die Rolle schon letzten Februar angeboten bekommen. Dann kam noch ein anderes Projekt hinzu, bei dem ich auch eine Ermittlerin gespielt hätte. Da dachte ich schon, dass es das Jahr der Kommissarinnen werden würde. Aber dann ist das andere Projekt leider nicht zustande gekommen.

Sind Sie noch nie gefragt worden, ob Sie beim „Tatort“ als Kommissarin einsteigen wollen?

Doch, einmal. Aber das war nur eine Anfrage, ob ich grundsätzlich Interesse hätte. Zu dem Zeitpunkt wollte ich allerdings noch keine Kommissarin spielen. Ich fand es wenig reizvoll, zu fragen, wo jemand gestern Abend um 20 Uhr war. Aber meine Rolle, die ich jetzt spiele, ist toll. Es geht um eine authentische Geschichte. Die geschilderten Ereignisse sind zum großen Teil auch so passiert.

Wer kam eigentlich auf die Idee, dass Sie die ganze Zeit einen Parka tragen mussten?

Das Problem war, dass wir das relativ früh festgelegt hatten. Wir dachten, wenn wir bis in den November hinein drehen, könnte es richtig kalt werden. Man dreht ja nicht immer in der chronologischen Reihenfolge und dann hätte ich ohne wärmenden Parka dagestanden. Nun wurde es aber ein sehr, sehr warmer Herbst. Zumindest konnte ich dem Regisseur den Mohairpullover ausreden, den ich auch noch tragen sollte. Das war schon viel wert. (lacht)

Bisher gab es in Deutschland nur zwei Kommissare, die während der Ermittlungen die ganze Zeit im Parka herumlaufen. Schimanski und Kommissar Faber aus dem Dortmunder „Tatort“...

Das stimmt. Und beide sind großartig.

Der Parka, den Sie nun tragen, sieht schon ganz schön verbeult aus...

Da hatte ich auch alles mögliche drin.Vor allem Schokoriegel, wenn sich der Dreh mal wieder verzögert hat. (lacht) Beim Dreh mache ich die Kostüme aber immer schnell zu meinen Sachen. Für meine Arbeit ist es wichtig, dass ich morgens weiß, wo ich reinschlüpfen kann. Und ich finde, der Parka passt sehr gut zu meiner Figur, die ich verkörpere.

Hauptkommissarin Maris Bächle (Jessica Schwarz) muss den Mord an einem Mädchen im Schwarzwald aufklären. Quelle: Maor Waisburd/ZDF/dpa

Hatten Sie denn kein Handy in der Tasche?

Nein. Es war total verrückt. Die erste Woche haben wir immer nur in einem bestimmten Waldstück gefilmt und da hatte man überhaupt keinen Empfang. Dann habe ich nach dem ersten Tag das Handy einfach im Hotelzimmer gelassen. Das war dann allerdings abends nach dem Dreh sehr anstrengend, wenn man zurückgekommen ist. Man freut sich auf eine Badewanne oder wollte noch schnell ins Schwimmbad gehen, weil es so heiß war und dann hat man 1000 Nachrichten auf dem Handy. Ich weiß gar nicht, was ich besser finde: Über den ganzen Tag verteilt immer ein bisschen machen oder abends dann so viel.

Die Maris Bächle, die Sie spielen, hat so ihre Probleme, auf ihre Mitmenschen einzugehen. Wie haben Sie sich dieser Rolle angenähert?

Die Maris hat ja trotz allem, was ihr passiert ist, eine tolle Erziehung durch ihren Ziehvater gehabt. Deshalb lebt sie nicht ganz so zurückgezogen in ihrem stillen Kämmerchen. Ich habe gerade „Sweethearts“ von Karoline Herfurth gesehen. Darin spielt Anneke Kim Sarnau eine Ermittlerin so herrlich cool und trocken, dass ich mich kaputtgelacht habe. Aber ich merke immer, wenn ich die Antagonistin spiele, dass ich das natürlich privat gar nicht bin. Ich bin ein extrem lebensfroher Mensch und tue mich immer schwer damit, wenn ich Figuren spielen muss, die so gar nicht an den Menschen dran sind. Aber das macht das Schauspielen ja auch aus.

Maris hat ja einige Macken...

Tatsächlich war es auch meine Idee, dass die Figur wahrscheinlich gar nicht Auto fahren kann, sondern immer mit dem Fahrrad unterwegs ist. Und dann ist sie total genervt, dass dieser neue Kollege kommt und sie permanent mit dem Auto mitnehmen will. Anfangs wollte ich mich im Auto auch gar nicht anschnallen. Aber das haben wir ziemlich schnell gelassen, weil es permanent gepiepst hat. Das war dann doch etwas zu penetrant. (lacht)

Nachdem Ihr Vater gestorben ist, haben Sie sich eine kleine Auszeit genommen. Nun spielen Sie eine Frau, die auch auf den Spuren ihres Vater unterwegs ist. Wie sehr kann man so etwas beim Dreh ausblenden?

Ganz ausblenden kann man das natürlich nicht. Gerade wenn wir Szenen im Krankenhaus gedreht haben, dachte ich, das schaffe ich nicht. Wo man gar nicht anders kann, als daran zu denken. Und viele Sachen, die man ausgeblendet hat, sind auf einmal wirklich ersichtlich. Ich war sehr froh, dass ich abends jemanden hatte, mit dem ich telefonieren konnte. Ich habe sehr viele, stundenlange Gespräche geführt, während ich aus meinem Zimmer auf den Schwarzwald geschaut habe und die Sonne langsam unterging.

Sie haben gerade „Das perfekte Geheimnis“ von Bora Dagtekin abgedreht. Welche Rolle würde Sie noch reizen?

Ich hatte mal ein Casting als Mann, für das ich umgestylt wurde. Das war so abgefahren, wie ich nach zwei Stunden in der Maske aussah. Lustigerweise haben mehrere Leute, die Fotos davon gesehen haben, gesagt, dass ich aussehen würde wie ein junger David Bowie. So eine Rolle würde mich definitiv noch mal interessieren. Ich fand ja auch meine Actionrolle in der zweiten Staffel von „You are wanted“ (Amazon Prime) toll. Aber da bin leider schon sehr früh gestorben. (lacht)

Von Thomas Kielhorn/RND

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