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Fernsehen Spanische Finsternis: „La Isla Minima – Mörderland“
Nachrichten Medien Fernsehen Spanische Finsternis: „La Isla Minima – Mörderland“
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10:02 13.07.2018
Zwei Kommissare sind ratlos: Juan (Javier Gutierrez) und Pedro (Raúl Arevalo) suchen im andalusischen Marschland einen Mörder. Quelle: Koch Media
Madrid

Vor knapp 40 Jahren wandelte sich Spanien zu einer Demokratie. Doch der Weg dorthin war sehr steinig. Obwohl Franco längst unter der Erde lag, schien er vielerorts noch immer lebendig zu sein.

Dessen jahrelanger Staatsterror warf auf die Gesellschaft einen großen Schatten, zumal die Spezialpolizei „Guardia Civil“ auch noch nach dem Tod des Diktators Angst und Schrecken verbreitete. Die Menschen waren verunsichert, es herrschte das Gesetz des Schweigens. Deshalb sollte es eine Weile dauern, bis das Land anfing, die dunkle Vergangenheit aufzuarbeiten.

Eintauchen in die unwirkliche Phase der „transición democrática“

In den spanischen Geschichtsbüchern findet sich diese Periode unter dem Begriff „transición democrática“ (1975–1982). In sie können die deutschen TV-Zuschauer an diesem Montag (21.45) kurz eintauchen, wenn Arte den Film „La Isla Minima – Mörderland“ von Alberto Rodriguez ausstrahlt, einen Whodunit-Krimi, in dem die beiden Kommissare Juan (Javier Gutierrez) und Pedro (Raúl Arevalo) in einen brisanten Fall verwickelt werden.

Beide stammen aus Madrid und sind in das andalusische Marschland zwangsversetzt, wo sie im Mündungsgebiet des Guadalquivir eine Reihe von Morden aufklären müssen.

Die Leichen zweier Schwester tauchen in den Reisfeldern auf

Alles beginnt mit dem Verschwinden zweier minderjähriger Schwestern. Kurze Zeit später tauchen ihre Leichen in den Wassergräben der Reisfelder auf, verstümmelt und kaum identifizierbar. Vom Mörder aber fehlt jede Spur. Um ihn zu finden, nehmen Juan und Pedro große Strapazen auf sich. Sie fahren auf unasphaltierten, staubigen Straßen, laufen über trockene Felder und stapfen durch sumpfiges Gebiet.

Es sind stimmungsvolle Bilder in warmen, erdigen Tönen. Die schwüle Hitze Andalusiens kriecht förmlich in das Wohnzimmer der Zuschauer. Oft hat man das Gefühl, die Stirn abtupfen zu müssen. Die Sonne macht auch den beiden Kommissaren zu schaffen – aber nicht nur sie.

Weitaus mehr Probleme bereiten ihnen korrupte Vorgesetzte, inkompetente Polizisten und passive Dorfbewohner, deren mangelnde Kooperationsbereitschaft Juan und Pedro zur Verzweiflung bringen. Selbst der Vater der ermordeten Mädchen hüllt sich in Schweigen, weil er sich für die ausschweifende Lebensweise seiner Töchter schämt. Einzig die Mutter und eine Hellseherin liefern Informationen, die die Ermittlungen vorwärtsbringen.

Ein Mix aus Detektivgeschichte und Vergangenheitsbewältigung

Was diesen Thriller besonders macht, sind seine Figuren. Der Film lebt von der Dynamik der beiden Ermittler, deren Chemie aus den Gegensätzen resultiert. Juan, der ältere von ihnen, ist ein Oldschool-Polizist: abgebrüht, trinkfest, ausschweifend. Als Draufgänger mit dunkler Vergangenheit lässt er schnell erahnen, dass sein Hang zu alternativen Verhörmethoden noch unter Franco entflammte.

Pedro hingegen gibt sich als Idealist zu erkennen. Er geht früh ins Bett, lässt die Finger weg vom Alkohol und ist hochambitioniert, aber auch ein wenig angespannt und übereifrig. Sein stets ernster Blick verrät, dass er den Freuden des Lebens nur wenig Beachtung schenkt.

Mit „La Isla Minima“ gelingt Regisseur Alberto Rodriguez der Spagat zwischen düsterer Detektivgeschichte und Vergangenheitsbewältigung. Es ist ein atmosphärisch dichter Film mit tollen Schauspielern, klugen Anspielungen, schockierenden Bildern und witzigen Szenen. Die Ausgewogenheit dieser Zutaten macht ihn zu einem tiefsinnigen wie unterhaltsamen Thriller.

Von Eugen Zentner

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