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17:57 07.09.2017
Mediennutzung auf dem Schulhof: Die angehenden Lehrer haben laut Studie wenig Ahnung davon. Quelle: dpa
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Berlin

Angehende deutsche Lehrer wissen zu wenig über die Medien. Sie schätzen die Nutzung vonseiten der Schüler falsch ein und ihnen fehlen grundlegende Kenntnisse darüber, wie Nachrichten gemacht werden und welche Quellen glaubwürdig sind. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine Studie der Technischen Universität Dresden im Auftrag der Stiftervereinigung der deutschen Presse.

Die befragten Studenten halten Nachrichtenkompetenz zwar für wichtig, faktisch fehlt sie ihnen und wird auch im Studium nicht vermittelt; dies gilt – in etwas abgeschwächter Form – auch für allgemeine Medienkompetenz. Diesen Befund bringen Fragen nach einschlägigem Wissen über Journalismus und Nachrichtenwesen zum Vorschein: So konnte zum Beispiel weniger als die Hälfte der Befragten die redaktionelle Linie von Zeitungen auf einer politischen Skala korrekt einstufen. Und nur ein Drittel wusste, dass Journalisten in Deutschland keine Lizenz brauchen, um ihren Beruf auszuüben. Immerhin mehr als vier von zehn Befragten sind der Meinung, dass ein Pressebericht über ein Bundesministerium vor der Veröffentlichung vom Ministerium genehmigt werden muss. Das ist falsch.

12 Prozent der Studenten liebäugeln mit dem Begriff „Lügenpresse“

12 Prozent der befragten Studierenden halten sogar den Pegida-Kampfbegriff „Lügenpresse“ für nicht ganz falsch. Die große Mehrheit von 71 Prozent versammelt sich hingegen hinter der Aussage: „Ich sehe an der heutigen Medienlandschaft durchaus einiges kritisch, aber dieser Begriff ist nicht angemessen.“Befragt wurden 83 Studierende aus NRW, Berlin und Sachsen.

Lehramtsstudenten informieren sich allerdings umfassend, vor allem nutzen sie die Onlineausgaben der Zeitungen und soziale Netzwerke. Die höchste Glaubwürdigkeit sprechen sie hingegen den Print-Zeitungen zu, wobei sie diese am wenigsten nutzen. Weniger als ein Viertel der angehenden Lehrer nutzt gedruckte Zeitungen. Vielleicht liegt es daran, dass sie auch ihre Schüler falsch einschätzen: Die nutzen noch deutlich häufiger Print-Zeitungen. Die Studie der Dresdner Kommunikationswissenschaftler Lutz M. Hagen, Anja Obermüller und Rebecca Renatus legt auch offen, dass Nachrichtenkompetenz in den Lehrplänen der einzelnen Bundesländer und in den Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK) eine eher geringe Rolle spielt.

In den Lehrplänen kommen soziale Netzwerke und Blogs kaum vor

Die KMK-Vorgaben gingen auf das Konzept kaum ein. Weniger als die Hälfte der Lehrpläne thematisierten Nachrichtenkompetenz, wobei es deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländer gibt. Nur in gut der Hälfte der untersuchten Lehrbücher fänden sich überhaupt kurze Ausführungen zur Nachrichtenkompetenz, darin gehe es aber kaum um die öffentliche Aufgabe der Medien für die Demokratie und um das Nachrichtensystem. Auch kämen moderne Wege der Nachrichtenvermittlung etwa über soziale Netzwerke und Blogs kaum vor. In den Studiengängen, die Lehrer ausbilden, spielte Nachrichtenkompetenz fast keine Rolle, auch Medienkompetenz im Allgemeinen käme dort sehr kurz und Pressemedien würden fast gänzlich ignoriert. Vielleicht aber schätzen die Dresdner Wissenschaftler mit ihrem eher engen Fokus auf den wenig gebräuchlichen Begriff „Nachrichtenkompetenz“ die Lage zu negativ ein. Das zeigt sich bei der Analyse des aktuellen KMK-Papiers zur „Bildung in der digitalen Welt“. Darin habe die Suche nach den Begriffen „Nachrichten“, „Zeitung“ und „Presse“ keine Fundstellen ergeben. Das zeigt zwar eine problematische Tendenz – durch den Fokus auf Onlinemedien und soziale Netzwerke könnten die Grundlagen der Nachrichtenanalyse verloren gehen – aber in anderen Worten finden sich dann doch die zentralen Fertigkeiten, um die es den Forschern geht. Zu den Kompetenzen sollen laut KMK gehören: „Suchen und filtern, relevante Quellen identifizieren, Quellen analysieren und kritisch bewerten“. Das ist doch schon einmal ein extrem wichtiger Anfang – und für alle Medien anwendbar.

Von Jan Sternberg/RND

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